Japan: Zigarren, Comics und goldene Halsketten
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JapanZigarren, Comics und goldene Halsketten

Mit Taro Aso hat ein Politiker ganz anderen Schlags das Amt des japanischen Ministerpräsidenten übernommen. Der 68-Jährige ist der erste Regierungschef katholischen Glaubens, liebt Comics, trägt goldene Halsketten und geriet wiederholt mit gewagten Aussagen in die Kritik.

Aso will die internationale Rolle Japans stärken und setzt sich für eine entschlossene Haltung im Kampf gegen den Terrorismus ein. Vorwürfe, seine Politik löse Irritationen in den Nachbarländern aus, hat der am Mittwoch gewählte neue Ministerpräsident zurückgewiesen. China verärgerte er einmal mit der Bemerkung, das Land stelle eine «erhebliche Bedrohung» dar. In ganz Asien sorgte er für Irritationen, als er den Erfolg der taiwanischen Schulpolitik der langjährigen japanischen Kolonisation zuschrieb.

Aso hat aber nicht nur feste Standpunkte, sondern kann auch auf einen von Politik geprägten Stammbaum verweisen. Er ist der Enkel des früheren Ministerpräsidenten Shigeri Yoshida, eines Stars der japanischen Nachkriegspolitik. Sein Schwiegervater war der ehemalige Regierungschef Zenko Suzuki, während seine Schwester in das Kaiserhaus einheiratete.

Erfahrener Parteipolitiker

Aso studierte zunächst in Japan, später in Stanford und in London Wirtschaftswissenschaften. Er war von 1973 bis 1979 Präsident des familieneigenen Zement-Konzerns und trat 1972 bei den Olympischen Spielen im Tontaubenschiessen an. Von den Geschäften seiner Familie mit Kohle distanzierte er sich, weil in den Minen Zwangsarbeiter aus Korea eingesetzt wurden. «Ich war damals erst fünf Jahre alt und ich kann mich daran nicht erinnern», sagte er kürzlich.

Der 68-Jährige ist aber auch ein erfahrener Parteipolitiker. Er wurde 1979 erstmals in Parlament gewählt und hatte seitdem wichtige Posten in der Liberaldemokratischen Partei (LDP) und im Kabinett inne. So war er Minister für Wirtschaftliche Planung und Inneres sowie zuletzt Aussenminister. (dapd)

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