WHO warnt: Zika-Gefahr beim Sex grösser als gedacht
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WHO warntZika-Gefahr beim Sex grösser als gedacht

Das Risiko, sich beim Sex das Zika-Virus einzufangen, ist laut WHO gross. Sie hat zudem eine Reisewarnung für Schwangere herausgegeben.

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jcg
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In Süd- und Zentralamerika breitet sich das Zika-Virus derzeit rasant aus. Das Virus kann vor allem für Schwangere gefährlich werden. Es wird vermutet, dass es zu Missbildungen am Schädel beim Embryo führen kann. Im Bild: Die zwei Monate alte Ludmilla Hadassa Dias de Vasconcelos aus Recife, Brasilien.

In Süd- und Zentralamerika breitet sich das Zika-Virus derzeit rasant aus. Das Virus kann vor allem für Schwangere gefährlich werden. Es wird vermutet, dass es zu Missbildungen am Schädel beim Embryo führen kann. Im Bild: Die zwei Monate alte Ludmilla Hadassa Dias de Vasconcelos aus Recife, Brasilien.

/Mario Tama
Betroffene Babys werden mit Mikrozephalie (Verringerung des Schädelvolumens) geboren. Im Bild: Ana Beatriz Martin aus Recife.

Betroffene Babys werden mit Mikrozephalie (Verringerung des Schädelvolumens) geboren. Im Bild: Ana Beatriz Martin aus Recife.

Percio Campos
Kopf-Tomogramme eines normal entwickelten Kindes und rechts eines Kindes mit Mikrozephalie.

Kopf-Tomogramme eines normal entwickelten Kindes und rechts eines Kindes mit Mikrozephalie.

Wikimedia Commons/CC BY 2.5

Nach wie vor sind Stechmücken die Hauptüberträger des gefährlichen Zika-Virus. Eine sexuelle Übertragung kommt aber häufiger vor als bislang angenommen. Dies legten Berichte und Untersuchungen in mehreren Ländern nahe, teilte die Generaldirektorin der Weltgesundheitsorganisation, Margaret Chan, am Dienstag mit. Die USA untersuchen derzeit mehr als ein Dutzend möglicher Fälle von Zika bei Personen, die sich durch Sex mit dem Virus infiziert haben könnten.

Es gebe zudem zunehmende Beweise, dass ein Anstieg besorgniserregender Geburtsfehler und neurologischer Probleme durch das Virus verursacht werde, erklärte die WHO. Laut Chan haben inzwischen neun Länder eine Zunahme von Fällen des sogenannten Guillain-Barré-Syndroms gemeldet. Dabei handelt es sich um eine seltene Krankheit, die zu einer vorübergehenden Lähmung und zum Tod führen kann.

Auch Kinder und Erwachsene betroffen

Mit Zika in Verbindung gebrachte Probleme, darunter das Guillain-Barré-Syndrom, würden nun nicht mehr nur bei Frauen im gebärfähigen Alter festgestellt, sondern auch bei Kindern, Teenagern und älteren Erwachsenen, sagte Chan.

Zika beunruhigt vor allem werdende Mütter in Südamerika. Das Virus verursacht bei Erwachsenen eine meist harmlose Infektion, wird aber mit der Zunahme eines schlimmen Geburtsfehlers in Verbindung gebracht: der sogenannten Mikrozephalie. Babys haben einen zu kleinen Kopf und ein unterentwickeltes Gehirn, was oft schwere Beeinträchtigungen bedeutet.

Reisewarnung

Die WHO hat den explosionsartigen Ausbruch des Zika-Virus in Nord- und Südamerika Anfang Februar zu einem globalen Gesundheitsnotstand erklärt. Besonders betroffen ist Brasilien: Die Zahl der Zika-Infektionen wird dort auf 1,5 Millionen geschätzt. Nun hat sie eine Reisewarnung für Schwangere in Zika-Gebieten nachgeschoben. Schwangeren Frauen sei geraten, sich «nicht in Regionen zu begeben, die von der Zika-Epidemie betroffen sind», erklärte die UNO-Sonderorganisation. «Generelle Einschränkungen» von Reisen oder Handel mit den betroffenen Ländern lehnte die WHO aber ab.

Zwar sei noch nicht abschliessend sicher, ob das Virus tatsächlich Mikrozephalie, einen abnormal verformten Kopf verbunden mit schweren Hirnschäden bei Babys, auslösen könne. Die WHO wolle aber auch keinen «definitiven Beweis» abwarten, bevor sie Schwangere warne, sagte Chan vor Journalisten. Chan verwies zudem auf weitere mögliche Risiken für Schwangere wie den «Tod des Fötus, Wachstumsverzögerungen und Verletzungen des zentralen Nervensystems». (jcg/sda/dapd)

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