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Sabu büxt erneut aus«Zirkuspersonal wirkte verzweifelt»

Innert drei Tagen ist Knie-Elefant Sabu zweimal abgehauen. Ein neues Video zeigt, wie das Tier durch Wettingen rennt. Droht Sabu nun ein Zirkus-Verbot?

von
Adrian Müller

Die Abendvorstellung am Mittwoch in Wettingen läuft noch, als die Knie-Elefantendame Sabu Reissaus nimmt. Leser-Reporter Robert Ernst wohnt nur wenige Meter neben dem Zirkus und hat die Flucht beobachtet. «Der Elefant tauchte plötzlich zwischen den Bäumen auf und rannte mit hohem Tempo die Strasse runter.» Knie-Arbeiter, die bereits mit dem Abbau beschäftigt waren, seien dem Tier im Laufschritt gefolgt (siehe Video unten).

Sabu lief dann bis zu einem Bach, wo sie sich ein Bad gönnte. «Gegen 40 Personen versuchten, Sabu zu fangen. Die Knie-Angestellten machten dabei einen verzweifelten Eindruck», sagt Leser-Reporter Sebastian Kuhn, der die Szene auf Video festgehalten hat.

(Video: Leser-Reporter Daniel Ernst)

Elefanten brauchen Dominanz

Der vier Tonnen schwere Dickhäuter büxt innerhalb von drei Tagen in Zürich und Wettingen beim Verladen aus und spurtet durch Wohngebiete. Wie kann das passieren? «Der Ausbruch in Zürich hat die Tierpfleger wohl verunsichert. Dies bemerken die sensiblen Tiere sofort – Sabu hat dies beim Transport ausgenützt und ist wieder ausgebüxt», sagt Robert Zingg, Kurator am Zoo Zürich. Der Elefantenexperte kennt das Wesen der Dickhäuter: «Betreuer müssen gegenüber Elefanten Dominanz ausstrahlen.» Dies sei im Zirkus Knie derzeit wohl nicht vollumfänglich gegeben.

Obschon Sabu weder in Zürich noch Wettingen Menschen verletzt habe, sei so ein Ausflug gefährlich, sagt Peter Schlup, Wildtierexperte beim Schweizer Tierschutz STS. «Ein Elefant ist zwar ein friedliches, aber auch sehr kräftiges Tier. Wenn ein Dickhäuter mit dem Rüssel zulangt und einen Menschen trifft, könnte dieser mehrere Meter durch die Luft fliegen.»

Darf Sabu noch auf Tournee?

Der Zirkus Knie sei nun gefordert, sagt Kurator Zingg. Die Verantwortlichen müssen die Abläufe beim Transport nach Schwachstellen untersuchen – und das Verladen intensiv mit den Elefanten trainieren. «Wenn dies nicht den gewünschten Erfolg zeigt, darf Sabu als letzte Konsequenz nicht mehr auf die Zirkus-Tournee mitgenommen werden.»

Für Schlup ist klar: «Ein weiterer Ausbruch darf nicht passieren.» Falls sich Sabu nicht beruhige, müsse der Elefant ausgetauscht werden. Knie-Sprecher Nik Leuenberger konnte gegenüber 20 Minuten Online noch keine Angaben über mögliche Konsequenzen machen. «Priorität hat bei uns derzeit der Aufbau des Zeltes.»

Der Zirkus Knie gastiert bis zum 23. Juni auf dem Rosentalareal in Basel. Aufgepasst: Der Rhein ist nur wenige hundert Meter entfernt ...

Input

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Knie-Helfer versuchten am Mittwochabend, Sabu einzufangen:

Video: Sebastian Kuhn

Elefantenparade abgesagt

Wegen den Ausbrüchen von Sabu hat der Zirkus Knie die grosse Elefantenparade vom kommenden Samstag in Basel aus Sicherheitsgründen abgesagt. Dies sagt Organisator Armin Faess zu 20 Minuten.

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