Aktualisiert 20.06.2018 15:56

Rorschach SG

Zirkusplakate auffälliger als die Polizei erlaubt

Hunderte von Plakaten musste der Zirkus Stey auf Anordnung der Kantonspolizei St. Gallen wieder entfernen. Der Grund: Sie stellten eine zu grosse Ablenkung für den Strassenverkehr dar.

von
lad
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Der Zirkus Stey ist zurzeit in Rorschach SG. Allerdings weiss kaum jemand davon,...

Der Zirkus Stey ist zurzeit in Rorschach SG. Allerdings weiss kaum jemand davon,...

Zirkus Stey
... denn die Zirkusleute mussten auf Anordnung der Kantonspolizei St. Gallen hunderte Plakate entfernen, weil sie eine zu grosse Ablenkung im Strassenverkehr darstellten.

... denn die Zirkusleute mussten auf Anordnung der Kantonspolizei St. Gallen hunderte Plakate entfernen, weil sie eine zu grosse Ablenkung im Strassenverkehr darstellten.

Zirkus Stey
Dass Plakate eine Ablenkung für Autofahrer darstellen können, zeigt eine Diskussion in Basel um diese animierten Werbetafeln vor rund zwei Wochen. In der Regel dürften nur 20 Prozent einer Werbefläche animiert sein, hier nimmt sie jedoch die gesamte Fläche ein.

Dass Plakate eine Ablenkung für Autofahrer darstellen können, zeigt eine Diskussion in Basel um diese animierten Werbetafeln vor rund zwei Wochen. In der Regel dürften nur 20 Prozent einer Werbefläche animiert sein, hier nimmt sie jedoch die gesamte Fläche ein.

daf

Nach mehreren Jahren der Abwesenheit gastiert der Traditionszirkus Stey seit Mittwoch wieder einmal in Rorschach SG. Doch schon bevor das Gastspiel begann, gab es Ärger, wie das «St. Galler Tagblatt» schreibt. Ein Anruf von der Kantonspolizei St. Gallen ging am vergangenen Montag bei Zirkusdirektor Martin Stey ein: Alle Plakate, die in der Stadt auf den Zirkus aufmerksam machten, müssten bis am Abend verschwunden sein. Ansonsten werde es teuer und der Direktor müsse mit einer Anzeige rechnen.

Rund 500 Plakate entfernt

Sofort habe der Zirkus reagiert und die gegen 500 Plakate entfernt. Stey habe mit seinem Unternehmen ohnehin schon genug zu kämpfen, so etwas könne er nicht auch noch gebrauchen. Doch die Aktion macht sich negativ bemerkbar, denn das Publikum sei nun verunsichert: «Es fahren ständig Leute vor oder rufen an, weil sie wissen wollen, ob die Vorstellungen stattfinden», wird der Zirkusdirektor zitiert.

Die Kapo bestätigt, dass die Zirkusleute ihre Plakate entfernen mussten. Der Zirkus habe die Genehmigung erhalten, um an den Ortseinfahrten der Kantonsstrasse Plakate aufzustellen. «Allerdings wurden auch Plakate entlang der Kantonsstrasse innerorts aufgehängt, und das ist nicht erlaubt, weil sie eine Ablenkung darstellen können», sagt Kapo-Sprecher Gian Andrea Rezzoli.

WM-Deko als Ablenkung?

Das Thema Ablenkung im Strassenverkehr sei nicht zu unterschätzen: «Das ist seit Jahren eine der häufigsten Unfallursachen», so Rezzoli auf Anfrage von 20 Minuten. Beim Anbringen von Werbeplakaten gebe es genaue Vorgaben. «Unter anderem spielen der Standort und die Grösse eine wichtige Rolle. Das Plakat darf im Wahrnehmungsbereich von Kantonsstrassen keine zu grosse Aufmerksamkeit auf sich ziehen», so der Kapo-Sprecher weiter. Dies auch dann nicht, wenn es keine Werbung, sondern Dekoration am eigenen Haus sei.

Kann es also problematisch sein, wenn man aus aktuellem Anlass eine zu grosse Nationalflagge an seinem Haus befestigt? «Wenn die Dekoration im Wahrnehmungsbereich von Kantonsstrassen angebracht wird, ist sie im gleichen Masse bewilligungspflichtig wie das Aufstellen von Werbetafeln», so Rezzoli. Die Polizei würde dann den Einzelfall prüfen und im Bedarfsfall handeln: «Das kann bedeuten, dass die Dekoration entfernt werden muss. Doch verallgemeinern kann man hier nichts.»

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