Aktualisiert 25.03.2011 09:34

Erhoffter BefreiungsschlagZitterspiele – ein Fall für die Schweizer Nati

Die Schweiz steht in der EM-Quali schon vor dem Aus. Dass sich eine solche Situation aber schnell ändern kann, hat die Nati schon mehrfach bewiesen.

von
Eva Tedesco, Sofia

Wenn die Mannschaft von Ottmar Hitzfeld am Samstag in Sofia gegen Bulgarien ran muss, ist ein Punktverlust gleichzusetzen mit dem vorzeitigen Aus für die EM-Endrunde 2012 in Polen und der Ukraine.

Trotz dieser Tatsache macht es wenig Sinn, sich bereits einen Tag vor dem Spiel über ungelegte Eier Gedanken zu machen. Das sehen auch die Spieler von Naticoach Ottmar Hitzfeld so. «Wir wollen uns unbedingt für den fünften Grossanlass in Folge qualifizieren», sagt Reto Ziegler. Der Sampdoria-Söldner weiss auch wie: «Jeder muss über seine Grenzen hinausgehen und kämpfen.» Gebetsmühlenartig schiebt Ziegler eine übliche Binsenweisheit aus Fussballerkreisen nach: «Wir müssen hinten zu null spielen und vorne ein Tor machen.»

Erfahrung mit Nervenspielen

Schon während der letzten Qualifikationsphasen zu Europa- und Weltmeisterschaften (ausser für die EM 2008 im eigenen Land, für die die Schweiz als Gastgeber gesetzt war) standen die Eidgenossen immer wieder mal mit dem Rücken zur Wand – und konnten bislang jedes Mal zum Befreiungsschlag ausholen. Auf einen herben Dämpfer folgte meist direkt die Wiedergutmachung. «Wir haben schon gezeigt, dass wir es können», sagt auch Mittelfeld-Puncher Valon Behrami. Der Tessiner, der nach neun Monaten Absenz in der Nati am Samstag sein Comeback geben wird, ist vom Potenzial des Teams überzeugt. «Wenn alle am gleichen Strick ziehen und zeigen, dass sie mit Stolz das Trikot der Nationalmannschaft tragen.» Mit Herz, Kampf und viel Selbstvertrauen könne man das Glück auf seine Seite zwingen. «Und wenn es nicht anders geht», so Behrami, «dann eben mit der nötigen Härte.»

Vielen Fans sind wohl die Zitterspiele zur Qualifikation für die WM 2006 im Gedächtnis haften geblieben. Im letzten Spiel der Qualifikationsphase sicherte sich das Team unter dem damaligen Trainer Köbi Kuhn mit einem 0:0 in Irland den Barrage-Platz. Gegner in den zwei Entscheidungsspielen war die Türkei. Dem 2:0-Sieg im Heimspiel folgte ein hartumkämpftes 2:4 in Istanbul. Dank den erzielten Auswärtstoren war die Schweiz für die Endrunde in Deutschland teilnahmeberechtigt.

Auch während der EM-Qualifikation 2004 zogen die Eidgenossen den Kopf gerade noch aus der Schlinge. Mit einem 4:1-Heimsieg am zweitletzten Spieltag rückte Russland in der Tabelle bis auf einen Punkt an den Leader Schweiz heran. Doch das Kuhn-Team reagierte brillant, besiegte Irland zuhause 2:0 und sicherte sich das Flugticket an die EM in Portugal.

Der Start in die Qualifikationsphase für die WM 2010 ging ebenfalls in die Hose. Nach einem 2:2 in Israel verlor das Team, schon unter Ottmar Hitzfeld, im Letzigrund schändlich gegen Luxemburg 1:2. Doch die Schweiz stand sensationell wieder auf. Mit einem Sieg erst gegen Lettland und anschliessend einer exzellenten Leistung auf Biegen und Brechen in Griechenland war sie zurück im Geschäft.

Gelingt der Befreiungsschlag?

Und nun stehen die Eidgenossen am Samstag schon wieder unter Zugzwang. Frei und Co. hilft nichts ausser einem Sieg. Pikant: Wie schon beim 0:1 in Montenegro steht mit Marco Wölfli auch am Samstag «nur» die Nummer 2 im Schweizer Tor. Stammtorhüter Diego Benaglio passt verletzungsbedingt. Das muss aber nichts Negatives bedeuten. Im Gegenteil: Der YB-Keeper hat zuletzt in der heimischen Liga und auch im Europacup bewiesen, dass er ein Kämpfer ist. Und genau solche Leute braucht es gegen Bulgarien. Dann steht einem neuerlichen Befreiungsschlag der Nati nichts im Weg.

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