Forderung von SVP-Nationalrat – Zivildienst soll Schafe und Ziegen vor dem Wolf schützen
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Forderung von SVP-Nationalrat Zivildienst soll Schafe und Ziegen vor dem Wolf schützen

Ein Walliser SVP-Nationalrat fordert, dass Zivildienstleistende für den Herdenschutz auf der Alp aufgeboten werden. Ein Experte sieht Vor- und Nachteile bei diesem Modell.

von
Simon Ulrich
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Der Wolf ist in der Schweiz weiter auf dem Vormarsch.

Der Wolf ist in der Schweiz weiter auf dem Vormarsch.

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Laut der Fachstiftung Kora für Raubtierökologie und Wildtiermanagement wurden 2020 insgesamt 105 Tiere nachgewiesen – 28 mehr als im Vorjahr.

Laut der Fachstiftung Kora für Raubtierökologie und Wildtiermanagement wurden 2020 insgesamt 105 Tiere nachgewiesen – 28 mehr als im Vorjahr.

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Der Druck auf die Tierhalterinnen und Tierhalter wird grösser, der Herdenschutz stösst an seine Grenzen.

Der Druck auf die Tierhalterinnen und Tierhalter wird grösser, der Herdenschutz stösst an seine Grenzen.

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Darum gehts

  • Die Zahl der Wölfe und Wolfsrisse in der Schweiz ist in den letzten Jahren stetig gestiegen. Die Situation für Nutztierhalterinnen und Nutztierhalter auf der Alp spitzt sich zu.

  • Ein Walliser SVP-Nationalrat fordert nun, dass Zivildienstleistende den Herdenschutz unterstützen.

  • Ein Herdenschutz-Experte findet dies zwar wünschenswert, gleichzeitig hat er Fragezeichen.

Der Wolfsbestand in der Schweiz ist über die letzten Jahre stetig angewachsen. Laut der Fachstiftung Kora für Raubtierökologie und Wildtiermanagement wurden 2020 insgesamt 105 Tiere nachgewiesen – 28 mehr als im Vorjahr. Damit einher geht auch eine steigende Zahl von Wolfsrissen: Während 2019 gemäss Kora 447 Nutztiere gerissen wurden, stieg die Zahl im letzten Jahr auf 815.

Allein im Kanton Wallis wurden 2021 über 20 Wölfe nachgewiesen. Diese haben im aktuellen Jahr über 300 Schafe gerissen, wie der interaktiven Karte des Kantons zu entnehmen ist. Dagegen will der Walliser SVP-Nationalrat Michael Graber nun vorgehen: In einer Motion fordert er den Bundesrat auf, künftig Zivildienstleistende für den Schutz von Schaf- und Ziegenherden aufzubieten.

«Tierhalter sind verzweifelt und resignieren»

Seit Sommer 2021 habe sich die Wolfsproblematik in der ganzen Schweiz massiv zugespitzt, schreibt Graber in seinem Motionstext. In den Gebirgskantonen seien auf zahlreichen Alpen Schafe und Ziegen vorzeitig abgezogen worden. «Die Tierhalter sind verzweifelt und beginnen vielerorts ob der Machtlosigkeit zu resignieren.» Wegen der ansteigenden Wolfspopulation befürchtet Graber, dass viele Alpen im nächsten Sommer gar nicht mehr beweidet werden. Dadurch würden diese Gebiete verwildern und die Gebirgsbauern könnten ihren Auftrag der Landschaftspflege nicht mehr wahrnehmen.

Für den SVP-Politiker ist klar: Die bisherigen Herdenschutzmassnahmen reichen nicht aus. «Eine der wirksamsten Massnahmen gegen den Wolf ist und bleibt die physische Präsenz des Menschen», hält Graber fest. Doch den Landwirten, die häufig im Nebenerwerb Schafe oder Ziegen halten würden, sei es wirtschaftlich schlicht nicht möglich, während des Sommers selbst präsent zu sein oder die entsprechende Manpower bereit zu stellen. Deshalb solle hier der Zivildienst einspringen: Dieser sei prädestiniert für die Behirtung der Schaf- und Ziegenherden, werde er doch gemäss Zivildienstgesetz insbesondere auch im Bereich der Landwirtschaft, der Landschaftspflege und der Kulturgütererhaltung eingesetzt.

Wünschenswerte Forderung, aber …

Laut Daniel Mettler von der nationalen landwirtschaftlichen Beratungszentrale Agridea funktioniert der Herdenschutz in der Schweiz mit Hunden, Zäunen und Behirtung generell zwar gut. Dennoch habe sich die Situation mit der wachsenden Zahl von Wölfen und Rudeln zugespitzt. «Je höher der Wolfsdruck, desto schneller kommt der Herdenschutz an den Anschlag. Es braucht mehr Hunde, mehr Hirten, mehr Zaunmaterial», sagt Mettler, der bei Agridea den Bereich ländliche Entwicklung leitet.

Bereits seit etwa zehn Jahren würden Zivildienstleistende für den Herdenschutz auf den Alpen eingesetzt, sagt Mettler. Dies allerdings in einem bescheidenen Rahmen: Schweizweit würden jährlich zwischen fünf und acht Personen Zivis eingestellt, welche die Älplerinnen und Älpler jeweils während zwei bis drei Wochen bei der Behirtung der Schaf- und Ziegenherden unterstützen. Agridea übernimmt dabei die Koordination zwischen den Alpbewirtschaftern, den Zivildienstleistenden und den kantonalen Zivildienststellen und sorgt dafür, dass die Zivis eine minimale Ausbildung in Sachen Herdenschutz erhalten. Die Erfahrungen seien positiv, sagt Mettler: «Zivildienstleistende sind stets motiviert und werden sehr geschätzt bei den Bauern.»

Dennoch hat Mettler im Hinblick auf eine Ausweitung des Modells, respektive auf eine umfassende Behirtung durch Zivildienstleistende, wie Graber dies fordert, seine Bedenken. Zum einen könnten die Zivildienstleistenden selber auswählen, in welchem Bereich sie arbeiten möchten. «Es ist deshalb fraglich, ob wir überhaupt genügend von ihnen für den Herdenschutz finden würden.» Zum anderen seien Zivis lediglich Hilfskräfte und keine ausgebildeten Hirten. Viele von ihnen hätten zuvor keine Erfahrungen in der Alpwirtschaft oder mit Hütehunden gesammelt. Mettler: «Sie können das Alppersonal, das geschult und erfahren ist, nicht ersetzen.»

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