Hooligans: «Zivilpolizisten werden zusammengeschlagen»
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Hooligans«Zivilpolizisten werden zusammengeschlagen»

Die St. Galler Regierungsrätin Karin Keller-Sutter sagt, Vorstösse für ein verschärftes Vorgehen gegen gewaltbereite Sportfans seien bisher im Sand verlaufen, weil Fans Clubverantwortliche, Polizeibeamte und Politiker massiv eingeschüchtert hätten.

von
rub

Die Vizepräsidentin der Polizeidirektorenkonferenz (KKJPD) Keller-Sutter erlebt die Militanz der Holligans am eigenen Leib: In einschlägigen Foren werde sie beleidigt und in Mails zum Teil sogar bedroht, sagt die FDP-Politikerin im Interview mit der «SonntagsZeitung». «Ähnliches erleben meine Kollegen, die Polizeidirektoren von Basel und Bern, Hanspeter Gass und Hans-Jürg Käser.»

Der Rechtsstaat dürfe aber nicht kapitulieren: «Wir machen nur unsere Arbeit und setzen geltendes Recht um.» Auch Polizisten und Klubfunktionären, die Stadionverbote aussprechen, würden eingeschüchtert, sagt Keller-Sutter. «Ein Polizeioffizier erhielt den Hinweis, man wisse, wo er wohne und wo seine Kinder zur Schule gingen. Zivilpolizisten werden zusammengeschlagen, anderen die Häuser verschmiert.»

Konzept vor Veröffentlichung

Die KKJPD will demnächst ein Konzept gegen den Hooliganismus vorlegen. Seit einigen Monaten wird die Diskussion rege geführt. Im Gespräch waren beispielsweise Polizeieinsätze in Stadien, wo zur Zeit private Ordnungsdienste im Einsatz stehen, oder eine vorgeschriebe Art der Anreise, um die Fans des Gastklubs zu kanalisieren und so Kontakte mit den heimischen Supportern zu minimieren.

In Keller-Suters Kanton St. Gallen sind bereits Schnellgerichte eingeführt worden, damit Krawallmacher gleich im Stadion sanktionniert werden können. Sie lässt auch ein Gesetz ausarbeiten, wonach «Gewalt im Rahmen von Sportveranstaltungen» als Haftgrund anerkannt wird. So könnte man Täter für längere Zeit ins Gefängnis stecken und verhindern, dass sie anonym beiben. Sportminister Ueli Maurer will Hooligans künftig ebenfalls an den Pranger stellen können, wie er Ende Mai publik machte.

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