Schuften für die Schweiz: Zivilschutz-Uniformen aus indischen Slums
Aktualisiert

Schuften für die SchweizZivilschutz-Uniformen aus indischen Slums

Für die Produktion von Schweizer Zivilschutzkleidern wurde ein Betrieb in den Slums des indischen Mumbai engagiert. Dieser zahlt illegal tiefe Löhne. Armasuisse verlangt nun Auskunft.

von
dwi
Das indische Unternehmen Qualiance, das den Auftrag für die Prouktion von Zivilschutzkleidern von Armasuisse bekommen hat, beschäftigt eine Näherei in den Slums von Mumbai. Die Löhne liegen unter dem gesetzlichen Minimum, die Arbeitsbedingungen sind schlecht.

Das indische Unternehmen Qualiance, das den Auftrag für die Prouktion von Zivilschutzkleidern von Armasuisse bekommen hat, beschäftigt eine Näherei in den Slums von Mumbai. Die Löhne liegen unter dem gesetzlichen Minimum, die Arbeitsbedingungen sind schlecht.

1000 Uniformteile für 23 Rappen pro Stunde: Die Näher in den Slums des indischen Mumbai stellen Schweizer Zivilschutzkleider für einen Hungerlohn her. Dies berichtet die «SonntagsZeitung». Auch die Produktion von 40 000 Zivilschutz-Arbeitshosen und -jacken war laut lokalen Quellen hier vorgesehen.

Anton Melliger, Chef des Zürcher Amts für Militär und Zivilschutz, bestätigt, dass es sich bei der von der «SonntagsZeitung» vor Ort dokumentierten Hose um ein Stück aus der laufenden Produktion handelt. Bestellt wurden die Kleider vom Zivilschutz-Materialforum, einem Zusammenschluss aller Zivilschutz-Organisationen der Kantone.

Auch die SBB sind Kunde

Die indische Firma Qualiance International, die den Zuschlag für die Beschaffung bekam, hatte laut Informanten den Zulieferer im Slum beauftragt, obwohl gemäss Rahmenvertrag mit dem Zivilschutz die gesamte Lieferung in Tirupur hätte hergestellt werden müssen. Qualiance ist ein wichtiger Textillieferant der Schweizer Verwaltung, das indische Produktionsunternehmen offerierte das günstigste Angebot. Armee und Zivilschutz bestellten bei der Firma für 3,56 Millionen Franken. Auch die SBB gehören zu den Kunden.

Jetzt verlangt Armasuisse, die Beschaffungsorganisation der Armee, Auskunft über alle Subkontraktoren. Die für die Zivilschutzbeschaffung zuständige Zürcher Sicherheitsdirektion betont, ihr sei es «ein ausgesprochenes Anliegen», dass vertraglich abgemachte Sozialstandards eingehalten würden. Armasuisse wollte, dass die Geschäftsbeziehungen zwischen Qualiance und der Näherei in den Slums aufrechterhalten werden und das indische Unternehmen die Arbeitsbedingungen verbessert. Doch Qualiance-Chef Vipul Badani kappte die Verbindung zum Betrieb.

Deine Meinung