Aktualisiert 17.07.2016 07:43

Mähen und rechenZivis leisten Einsatz auf dem Golfplatz

Ein Zivildienstleistender fühlt sich veräppelt, weil er auf dem Golfplatz arbeiten muss. Der Verantwortliche kontert: Die Natur profitiere enorm.

von
D. Pomper
1 / 8
Der GSoA-Sekretär Nikolai Prawdzic muss seinen Zivildienst diesen Sommer auf dem Golfplatz Otelfingen im Kanton Zürich absolvieren. Seine Aufgabe: Mähen und Rechen der sogenannten Ausgleichsflächen.

Der GSoA-Sekretär Nikolai Prawdzic muss seinen Zivildienst diesen Sommer auf dem Golfplatz Otelfingen im Kanton Zürich absolvieren. Seine Aufgabe: Mähen und Rechen der sogenannten Ausgleichsflächen.

Zivi Prawdzic fühlt sich veräppelt: «Ich will der Allgemeinheit einen Nutzen erbringen. Stattdessen muss ich einen Golfplatz verschönern. Dabei ist Golf nicht gerade als Sportart bekannt, die Unterstützung des Staates braucht.»

Zivi Prawdzic fühlt sich veräppelt: «Ich will der Allgemeinheit einen Nutzen erbringen. Stattdessen muss ich einen Golfplatz verschönern. Dabei ist Golf nicht gerade als Sportart bekannt, die Unterstützung des Staates braucht.»

Keystone/Peter Schneider
«Bei den Mäharbeiten musste ich aufpassen, dass mir keine Golfbälle an den Knopf knallten», sagt Nikolai Prawdzic.

«Bei den Mäharbeiten musste ich aufpassen, dass mir keine Golfbälle an den Knopf knallten», sagt Nikolai Prawdzic.

Der Auftrag für den jungen Zivildienstleister in diesem Sommer ist klar: Je zwei Tage Mähen und Rechen im Juli und September. Allerdings nicht etwa auf einer abgelegenen Alp. Sondern auf dem privaten Golfpark Otelfingen. Der Golfplatz gehört der Migros Genossenschaft Zürich, die einen Teil der Kosten übernimmt.

Bei den durch den Verein Naturnetz bewirtschafteten Flächen handelt es sich laut dem Parkleiter um einen «kleinen Teil der ökologischen Ausgleichsfläche». Das Projekt wurde von Bund und Kanton geprüft und gutgeheissen.

«Fühle mich veräppelt»

«Bei den Mäharbeiten musste ich aufpassen, dass mir keine Golfbälle an den Knopf knallten», erzählt Nikolai Prawdzic. Als er über den Rasen laufen musste, habe ihn ein verärgerter Golfer angefahren, ob er denn schlafe. Prawdzic ist kein Unbekannter. Er ist Sekretär der Gruppe für eine Schweiz ohne Armee (GSoA) und entschied sich für den Zivildienst, weil er «der Allgemeinheit einen Nutzen erbringen» wollte statt «sinnlos teure Munition zu verballern und durch den Schlamm zu robben». «Stattdessen musste ich einen Golfplatz verschönern. Dabei ist Golf nicht gerade als Sportart bekannt, die Unterstützung des Staates braucht. Ich fühle mich schlicht veräppelt.»

Der Zivildienst sei als Dienst an der Gesellschaft gedacht. Zivis müssten in Bereichen arbeiten, die nicht gewinnorientiert wirtschafteten. «Wenn jetzt aber Zivis für ein Golfresort die Ausgleichsflächen pflegen, dann hilft man einem privaten Anbieter, dank billiger Arbeitskraft seinen Gewinn zu optimieren», sagt Prawdzic. Keine Gartenfirma könne mit einem Verein mithalten, der Aufträge aufgrund der «spottbilligen Zivis» quasi zum Nulltarif ausführe. «So nimmt man anderen Personen den Job weg.» Es fehle die Kontrolle von Seiten der Zivildienstbehörde, welche die Betriebe mit Zivis kontrollieren müssten.

«Für die Natur wertvolle Arbeit»

Der Geschäftsleiter des Vereins Naturnetz, der die Zivildienstleistenden vermittelt, Marco Sacchi, widerspricht vehement: Der Zivi habe nichts begriffen von den Zusammenhängen und habe die geschilderten «Anekdoten frei erfunden». «Unsere Zivis mähen nicht den Rasen auf dem Golfplatz, sondern leisten eine für die Natur äusserst wertvolle Arbeit», sagt Sacchi. Der Mehrwert sei rein ökologischer Art. Es gehe nicht darum, den Golfplatz zu verschönern.

«Die Zivis betreiben von Hand aufwendige Mäh- und Rechenarbeit oder Teich- und Heckenpflege», erklärt Sacchi. Diese Naturschutzarbeiten führten zu einer grösseren Artenvielfalt. «Die Kompensationsflächen auf den Golfplätzen sind für die Natur eine grossartige Chance, von der Amphibien, Vögel, Reptilien oder Säugetiere profitieren.» Etwa Frösche, Unken, Eidechsen, Ringelnattern, Goldammern, Wiesel, Hermeline oder Rehe.

Auch den Vorwurf, Privaten Jobs streitig zu machen oder zur Gewinnoptimierung der Golfplatzbetreiber beizutragen, weist Sacchi von sich: «Würden die Zivis diese Arbeiten nicht verrichten, dann würden sie nicht von einem Gärtnereibetrieb gemacht, sondern schlicht und einfach gar nicht.» Der Golfplatz habe keine gesetzliche Verpflichtung zur Ausführung dieser Arbeiten, sondern mache das freiwillig.

Zivildienstbetriebe kämen nur dort zum Einsatz, wo handarbeitsintensive Arbeiten mit ökologischem Wissen gefragt seien und wo geprüftermassen keine Konkurrenzierung stattfinde. Zivildienst-Einsatzbetriebe würden nicht wegen des Preises angefragt, sondern wegen des ökologischen Know-hows. Auch arbeite man nicht gratis, sondern als nicht gewinnorientierter, gemeinnütziger Einsatzbetrieb kostendeckend. Man stelle also sehr wohl Rechnung an die Arbeitgeber.

Korrektes Bewilligungsverfahren

Golfparkleiter Yves Thierrin pflichtet bei: «Wir sparen dank den Zivis keine Kosten. Würden die Zivis abgezogen, müssten die entsprechenden Flächen nicht zwingend in dieser besonderen Art weitergepflegt werden.» Weitere Ausgleichsflächen des Golfplatzes würden von Greenkeepern gemeinsam mit Bauern aus der Region bewirtschaftet. Diese Landwirte würden vollumfänglich bezahlt.

Bei der Vollzugsstelle für den Zivildienst heisst es: «Das Bewilligungsverfahren ist in diesem Fall korrekt abgelaufen.» Natürlich müsse die Arbeitsmarktneutralität von Zivi-Einsätzen gewährleistet sein. Deshalb führe man Inspektionen, auch unangekündigte, von Einsätzen und Überprüfungen von Einsatzbetrieben durch. «Wir werden auch in diesem Fall prüfen, ob die Vorwürfe zutreffen», so Sprecher Heinz Schenk.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.