Informationsleck: Zocker wussten vorab von Nobelpreis an Le Clézio
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InformationsleckZocker wussten vorab von Nobelpreis an Le Clézio

Die Verleihung des Literaturnobelpreises an den Franzosen Jean-Marie Gustave Le Clézio (68) ist wahrscheinlich vorab nach aussen gedrungen und hat zu verdächtigen Wetteinsätzen geführt.

Es werde nach «undichten Stellen» unter den Eingeweihten gefahndet, bestätigte der Sekretär der Schwedischen Akademie, Horace Engdahl, am Freitag in der Zeitung «Dagens Nyheter». «Wenn hier wirklich krumme Sachen passiert sind, müssen wir unsere Sicherheitsmassnahmen weiter verschärfen.»

Am Mittwoch waren die Wetteinsätze beim britischen Buchmacher Ladbrokes plötzlich massiv in die Höhe und die Quote für Gewinne umgekehrt deutlich nach unten gegangen. Hätte man vorher im Fall von Le Clézios Wahl das 15-fache seines Einsatzes erhalten, war es plötzlich nur noch das Doppelte. Ladbrokes selbst stoppte die Wettmöglichkeiten wegen der verdächtigen Entwicklung.

Ähnliche Entwicklungen hatte es 2003 bei der Vergabe an den aus Südafrika stammenden J.M. Coetzee (68) und drei Jahre später an den türkischen Schriftsteller Orhan Pamuk (56) gegeben. Auch damals schossen die Wetteinsätze für den späteren Preisträger jeweils unmittelbar vor der Bekanntgabe explosionsartig in die Höhe.

Mit sonst selten zu vernehmender Selbstironie meinte Engdahl zu der Möglichkeit, dass einer der Juroren in der 18-köpfigen Akademie selbst die undichte Stelle gewesen sein könnte: «Inkontinenz in unseren eigenen Reihen wäre ungewöhnlich.» (sda)

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