Deutsche Petzen: Zöllner verpfeifen Einkaufstouristen
Aktualisiert

Deutsche PetzenZöllner verpfeifen Einkaufstouristen

Ärger am Zoll: Einkaufstouristen aus der Schweiz werden von Grenzwächtern gezielt herausgepickt – nachdem deutsche Zollbeamte sie verpetzt haben.

von
Janko Skorup
Grenze bei Basel: Schweizer Zöllner kontrollieren einen aus Deutschland kommenden Lenker.

Grenze bei Basel: Schweizer Zöllner kontrollieren einen aus Deutschland kommenden Lenker.

Dumm gelaufen für Marcel T.*: Ende 2011 kaufte er für 3500 Euro in München seine Lieblingsuhr. Als er in die Schweiz einfuhr, verzichtete er darauf, die Uhr zu verzollen. «Wer macht das schon?», so der 37-jährige Zürcher. Als er dann aber die Grenze passiert hatte, winkte ihn ein Grenzwächter «als Einzigen in der ganzen Kolonne» raus und stellte ihm «den ganzen Wagen auf den Kopf». T. musste eine Busse in der Höhe von 900 Franken bezahlen.

Er ist überzeugt: «Der Schweizer Zollbeamte wurde vom deutschen Kollegen gewarnt.» Auch der Zürcher Pilot Rolf H.* mutmasst, dass es ein geheimes Warnsystem gibt: «Im August 2011 wurde ich als Ein­ziger einer grossen Gruppe am Zürcher Flughafen gezielt rausgenommen.» Der aus Hamburg kommende H. musste für die Uhr eine saftige Busse bezahlen.

Tatsächlich besteht seit 1997 ein sogenanntes Amtshilfeabkommen zwischen der Schweiz und der EU, wie Attila Lardori von der Eidgenössischen Zollverwaltung (EZV) bestätigt. Dieses ermöglicht den gegenseitigen Informationsaustausch – «bei Verdacht von Steuerhinterziehung».

Lardori: «Die Zöllner können verdächtige Personen per Mail oder Telefon bei ihren Kollegen melden.» Für die EZV ist das ein wichtiges Abkommen, macht die Mehrwertsteuer doch rund die Hälfte der jährlichen Einnahmen von 23 Milliarden Franken aus. Wie viel dank des Abkommens eingenommen wird, kann das EZV nicht sagen. Und: «Die Ehrlichen haben dank dem Abkommen ja nicht das Nachsehen.»

* Alle Namen sind der Redaktion bekannt

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