Zoff beim VCS
Aktualisiert

Zoff beim VCS

Der Streit um das juristisch blockierte Zürcher Stadion bringt Bewegung in den Verkehrs-Club der Schweiz (VCS).

Der Verband, der um die Aufweichung des Verbandsbeschwerderechts fürchtet, will die Sektionen auf einen einheitlichen Kurs bringen.

Alle VCS-Sektionen seien daran interessiert, dass das Verbandsbeschwerderecht weiter bestehe, sagte VCS-Pressechef Felix Adank am Montag gegenüber der SDA. Da die einzelnen VCS-Sektionen jedoch weitgehend autonom seien, gebe es heute verbandsintern keine Einheit bei der Ergreifung von Beschwerden gegen Bauprojekte.

Druck von allen Seiten

In der Auslegung der Rechtslage gilt die Zürcher VCS-Sektion als besonders rigid, hatte jedoch damit in der Vergangenhet diverse Erfolge zu verzeichnen. Hintergrund des gegenwärtigen VCS-internen Seilziehens ist das drohende Scheitern des Projekts für ein neues Zürcher Stadion. Aber auch die klare Absicht der Bürgerlichen, auf parlamentarischem Weg das Verbandsbeschwerderecht zu beschneiden, um die Macht der Umweltverbände zurückzudrängen.

Damit das vom Zürcher Stimmvolk im letzten Herbst abgesegnete, aber von privaten Investoren finanzierte Projekt rechzeitig bis zur EM 2008 bereit steht, müsste noch 2004 mit dem Bau begonnen werden können. Dies wird jedoch wegen der Blockierung durch Rekurse immer unwahrscheinlicher.

VCS-Zentrale fürchtet Image-Schaden

Adank spricht deshalb von einem drohenden «Imageschaden» für den VCS, falls das Stadion wegen der Einsprachen des Umweltverbandes nicht rechtzeitig gebaut werden kann. Man sei deshalb weiterhin dringend an einer Verhandlungslösung mit der Stadt Zürich und den Investoren interessiert.

Letzte Woche brachen die Investorin Credit Suisse, die Stadt Zürich als Standortgemeinde und der VCS Verhandlungen über den Rückzug der Rekurse ab. Die Meinungen über die Anzahl Autofahrten, welche das neue Stadion inklusive Einkaufszentrum im Zürcher Stadtkreis 5 zusäztlich auslösen darf gehen, viel zu weit auseinander.

Delegierte sollen über neue Strategie entscheiden

An einer Delegiertenversammlung im Mai will der VCS insterne Streitpunkte auf den Tisch legen und die Delegierten entscheiden lassen. Angepeilt wird laut Adank eine «einheitliche Strategie bei der Handhabung des Verbandsbeschwerderechts» innerhalb des VCS.

So stelle sich die Frage, ob der VCS künftig in Sachen Beschwerden bei einem Grossprojekt anders vorgehen soll, falls es vom Volk abgesegnet ist. Auch die Frage des möglichen Imageschadens für den VCS müsse thematisiert werden.

Vor der Delegiertenversammlung werde die VCS-Spitze bereits am nächsten Wochenende an einer Planungskonferenz über die vom VCS Schweiz angestrebte einheitliche Strategie beim Verbandsbeschwerderecht diskutieren, sagte Adank.

Von einem in Medienberichten aufscheinenden «Machtkampf» oder einer «Zerreissprobe» innerhalb des Verbands will der Pressechef nicht sprechen. Er räumt jedoch ein, dass es in dieser zentralen Strategiefrage «unterschiedliche Auffassungen» gebe. (sda)

Deine Meinung