Polizeikommandant als Drogendealer: Zoff in Zofingen wegen Drogen-Polizeichef
Aktualisiert

Polizeikommandant als DrogendealerZoff in Zofingen wegen Drogen-Polizeichef

Ein Leumundsbericht hätte die Drogenvergangenheit des entlassenen Polizeikommandanten von Zofingen zu Tage gebracht. Doch niemand wollte einen solchen sehen. Jetzt schieben sich die Verantwortlichen gegenseitig die Schuld zu.

von
Lukas Mäder

Eine peinliche Panne im Evalutionsverfahren: Der entlassene Kommandant der Regionalpolizei Zofingen war in Zürich wegen Drogenvergehen aktenkundig (20 Minuten Online berichtete). Doch dem Zofinger Stadtrat war dieser Umstand nicht bekannt, als er Matthias M.* im letzten Jahr wählte. Dabei wäre die Information leicht zu beschaffen gewesen, gesteht der verantwortliche Stadtrat Herbert H. Scholl gegenüber 20 Minuten Online ein: «Die im Kanton Zürich enthaltenen Einträge wären durch einen Leumundsbericht wohl ersichtlich geworden.» Aber im Strafregister habe der Bewerber keinen Eintrag gehabt, schreibt Scholl, der am Samstag von seinem Zofinger Amt zurückgetreten ist, aber weiterhin Aargauer Grossratspräsident ist.

Leumundsbericht sei explizit vorgesehen gewesen

Scholl hat als zuständiger Stadtrat das Evaluationsverfahren alleine durchgeführt, was laut Stadtamman Hans-Ruedi Hottiger nicht aussergewöhnlich war. Jetzt erhebt der Zofinger Stadtrat in einer Mitteilung Vorwürfe gegenüber Scholl. Dieser habe «entgegen dem stadträtlichen Beschluss» den Leumundsbericht nicht eingeholt. «Herr Scholl hat uns vorgeschlagen, die Auswahl gemäss dem Prozedere der Aargauer Kantonspolizei durchzuführen», sagt Hottiger gegenüber 20 Minuten Online. Dem habe der Gesamtstadtrat zugestimmt. «Im Prozedere der Kantonspolizei Aargau ist ein Leumundsbericht explizit vorgesehen.»

Weshalb Scholl den Bericht nicht eingeholt hat, bleibt unklar. «Wegen der ausgezeichneten Referenzen, des sehr guten Assessments, des Umstands, dass der Bewerber im Dienste einer privaten Firma für die Fedpol arbeitete, im Militär Kompaniekommandant und für die Generalstabsausbildung vorgesehen war, wurde im Stadtrat gar nicht über einen Leumundsbericht gesprochen», antwortet er auf eine entsprechende Frage schriftlich. Und er spielt den Ball zurück: Er habe zwar den Antrag zur Anstellung des fehlbaren Polizeikommandanden gestellt, schreibt Scholl. Aber: «Gewählt hat ihn der Gesamtstadtrat nach einem Vorstellungsgespräch vor dem gesamten Stadtrat.»

«Ein routinierter Kollege hat Auswahl gemacht»

Der Kandidat habe einen guten Eindruck gemacht, bestätigt Stadtamman Hottiger. Und niemand nach dem Leumundsbericht gefragt habe, der im Kantonspolizei-Verfahren vorgesehen gewesen sei. «Ein routinierter Stadtratskollege hat die Auswahl gemacht, weshalb man davon ausgehen konnte, dass er die Checkliste abgearbeitet hatte», sagt Hottiger. Jetzt überlege sich der Zofinger Stadtrat, die Standards bei der Auswahl von Führungspersonen anzuheben, beispielsweise indem es zwei Stadträte durchführen.

Damit will Zofingen ähnlich peinliche Affären verhindern: «So etwas darf nie mehr passieren», sagt Hottiger. Das Image von Zofingen habe darunter gelitten. Ob deswegen Stadträte böse auf Scholl seien, will Hottiger nicht klar sagen: «In einem solchen Gremium sind alle Arten von Temperament vertreten.» Doch der Stadtammann nimmt sich auch selbst an der Nase: «Ich bin auch hässig auf uns, dass wir so naiv waren.»

* Name der Redaktion bekannt

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