Aktualisiert 04.05.2018 17:43

Traditionsbruch

Zoff vor dem Clásico

Ein spanischer Brauch sorgt vor dem Duell der Erzrivalen für Aufregung. Die Königlichen sehen sich im Recht, Barcelona nimmt es mit Humor.

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Letzte Woche empfing Deportivo La Coruña den Cupsieger FC Barcelona mit dem Pasillo – dem Spalierstehen als Ehrbekundung für den Gegner. Eine fast 50-jährige Tradition.

Letzte Woche empfing Deportivo La Coruña den Cupsieger FC Barcelona mit dem Pasillo – dem Spalierstehen als Ehrbekundung für den Gegner. Eine fast 50-jährige Tradition.

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Deportivos Trainer Clarence Seedorf spielt drei Saisons bei Real Madrid. Er ist Madridista durch und durch. Seedorf sagte, er wolle damit ein Zeichen für Fair Play und Respekt setzen.

Deportivos Trainer Clarence Seedorf spielt drei Saisons bei Real Madrid. Er ist Madridista durch und durch. Seedorf sagte, er wolle damit ein Zeichen für Fair Play und Respekt setzen.

Keystone/Lalo R. Villar
2008 standen die Barça-Spieler um Xavi und Carles Puyol dem Erzrivalen Spalier. Reals Captain Raul (vorne rechts) nahm die Gratulationen dankend an. Sicher kein einfacher Moment für die Spieler des FC Barcelona.

2008 standen die Barça-Spieler um Xavi und Carles Puyol dem Erzrivalen Spalier. Reals Captain Raul (vorne rechts) nahm die Gratulationen dankend an. Sicher kein einfacher Moment für die Spieler des FC Barcelona.

Keystone/Daniel Ochoa de Olza

Am Sonntag steigt im Camp Nou der Clásico. Die Königlichen aus Madrid gegen die Katalanen aus Barcelona – der Klassiker der Klassiker im Weltfussball. Barça steht bereits als spanischer Meister fest. Real Madrid hat 15 Punkte Rückstand auf den Erzrivalen. Sportlich ist die Luft also draussen. So muss nun anderweitig für Brisanz gesorgt werden.

Einst spontane Geste, heute Tradition

Seit bald 50 Jahren ist es in Spanien Tradition, dem Meister oder Cupsieger aus Anerkennung Spalier zu stehen. 1970 wurde Atlético Madrid spanischer Meister – mit einem Punkt Vorsprung auf das zweitplatzierte Athletic Bilbao. Etwa einen Monat später standen sich die beiden Teams im spanischen Cup gegenüber, und die Spieler aus Bilbao applaudierten dem Gegner beim Betreten des Platzes. Eine Ehrbekundung, die mit den Jahren zur Tradition wurde.

Die Barça-Spieler um Spielmacher Xavi würdigten den Erzrivalen und feststehenden Meister 2008 beim Auswärtsspiel in Madrid mit dem Spalier.

Und so empfing auch Deportivo La Coruña am vergangenen Wochenende die Cupsieger aus Barcelona mit der traditionellen Ehrbekundung, in Spanien Pasillo genannt. Und dies obwohl ihr Trainer, Clarence Seedorf, ein eingefleischter Madridista ist. Er absolvierte zwischen 1996 und 1999 über 150 Spiele für die Königlichen.

Wie du mir, so ich dir!

Im Hinspiel hätten die Barcelona-Stars den Madrilenen im Bernabéu Spalier stehen sollen. Real war nur wenige Tage vor dem Clásico Fifa-Club-Weltmeister geworden. Barça weigerte sich damals mit der Begründung, es habe nicht an der Club-Weltmeisterschaft teilgenommen. Es gewann im Bernabéu 3:0. Beides hat beim Gegner Spuren hinterlassen.

Die Madrilenen tun es dem Erzrivalen am Sonntag nun gleich. Sie werden keinen Pasillo für die Mannschaft um Lionel Messi formen. Dies hatte Coach Zinedine Zidane bereits angekündigt und Captain Sergio Ramos diese Woche nochmals bekräftigt. In der königlichen Vereinshymne werden die Mannen in Weiss als «Cabellero del Honor» – als Ritter der Ehre – besungen, die immer mit Respekt auf die Lorbeeren der anderen blicken. Doch das gilt nicht mehr für den Erzrivalen. Real Madrid sieht sich im Recht. Der FC Barcelona habe ja zuerst mit der Tradition gebrochen, so Zidane.

Kein Vorgeplänkel ohne Piqué

Barcelonas Urgestein Gerard Piqué nimmt es mit Humor: «Um fair zu sein: Wir haben Real Madrid gesagt, dass wir nicht für sie Spalier stehen würden, als sie die Club-WM gewannen, weil wir nicht teilgenommen haben – also sollten wir auch nicht von ihnen verlangen, das für uns zu tun, wenn sie nicht an La Liga teilgenommen haben.» Ein für ihn typischer Seitenhieb. Auf eine Antwort aus Madrid muss man wohl nicht lange warten. So ist im Vorfeld des Klassikers trotz entschiedener Meisterschaft für Zündstoff gesorgt. (tzi)

Das Spiel können sie am Sonntag ab 20.45 Uhr bei uns im Liveticker verfolgen.

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