Deutschland: Zoff wegen Türken-Juden-Vergleich
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DeutschlandZoff wegen Türken-Juden-Vergleich

Der Direktor des Essener Zentrums für Türkeistudien (ZfT), Faruk Sen, soll wegen einer Äusserung über die Vergleichbarkeit von Türken und Juden abberufen werden.

Der Vorstand habe den Vorsitzenden des Kuratoriums gebeten, Sen mit sofortiger Wirkung von der Wahrnehmung seiner Geschäfte zu entbinden, teilte das ZfT am Donnerstag in Essen mit.

Sen habe dem deutsch-türkischen Verhältnis und der Integrationspolitik schwer geschadet, begründeten die Mitglieder ihre einstimmige Entscheidung. Der Direktor des Forschungsinstituts hatte die Situation der in Europa lebenden Türken in einem Zeitungsbeitrag mit der Judenverfolgung in der Nazizeit verglichen und damit heftigen Widerspruch ausgelöst. Auch der Vorsitzende des ZfT-Vorstands, Fritz Schaumann, hatte sich unmittelbar nach Bekanntwerden der Äusserungen am Dienstag von Sens Ansichten distanziert.

Nach seiner Krisensitzung erklärte der Vorstand nun, nicht nur die jüngsten öffentlichen Äusserungen hätten dem Vertrauensverhältnis einen schweren Schaden zugefügt. Sen sei bereits mehrfach vom Vorstand auf seine Pflichten hingewiesen worden. Er fördere nicht das gegenseitige Verständnis und verstosse fortlaufend gegen den Stiftungszweck. Trotz aller bisherigen Verdienste Sens sehe der Vorstand für die zukünftige Entwicklung des Zentrums daher keine Alternative zur Abberufung.

Sen nahm an Krisensitzung nicht teil

Laut einem Bericht der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» hatte Sen in der türkischen Zeitung «Referans» über die Situation der türkischstämmigen Bevölkerung im heutigen Europa geschrieben: «Sie wurden die neuen Juden Europas.» Obwohl sie seit 47 Jahren in Mittel- und Westeuropa beheimatet seien, würden sie «wenn auch in unterschiedlichem Ausmass und unterschiedlichen Erscheinungsformen - wie die Juden diskriminiert und ausgeschlossen».

Faruk Sen konnte aufgrund einer Erkrankung laut ZfT nicht an der Krisensitzung teilnehmen. Dem Vorstand lag jedoch eine schriftliche Stellungnahme Sens vor. Der Direktor hatte bereits am Dienstag erklärt, seine Äusserungen zu bedauern. Der Vergleich sei «in der Undifferenziertheit, wie er in meinem Artikel erscheint, unzulässig», schrieb er in einer in Essen veröffentlichten Erklärung. «Obwohl nach meiner Überzeugung Türkeistämmige in Europa von beträchtlicher gesellschaftlicher Ausgrenzung betroffen sind, verbietet sich der Vergleich mit der Verfolgung der Juden.» (dapd)

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