«Time Out» mit Klaus Zaugg: ZSC: «Hallywood» beginnt erst jetzt
Aktualisiert

«Time Out» mit Klaus ZauggZSC: «Hallywood» beginnt erst jetzt

Der ZSC besiegt Davos. Die Wende zum Guten? Vergeht nun alle Polemik gegen ZSC-Trainer Colin Muller? Nein. Jetzt geht es erst richtig los: In Richtung «Hallywood» - Hollywood im Hallenstadion - oder bis an die Tabellenspitze.

ZSC-Trainer Colin Muller während der Partie gegen den HC Davos: Die Verschnaufpause kommt später.

ZSC-Trainer Colin Muller während der Partie gegen den HC Davos: Die Verschnaufpause kommt später.

Zwanzig Minuten lang zeigt sich, was in dieser Mannschaft steckt. Unter der Dynamik und der Wucht des Zürcher Offensivspiels stiebt die arg ersatzgeschwächte HCD-Verteidigung auseinander. Defensivstürmer Thomas Ziegler legt den gesamten gegnerischen «Tschechensturm» (Sykora, Marha, Bednar) an die Kette. Das Spiel der ZSC Lions funktioniert in allen drei Zonen. 3:0 steht es nach dem ersten Drittel gegen den HC Davos. So ein Drittelsresultat gegen diesen Gegner war selbst für ZSC-Trainer-Titanen wie Kent Ruhnke oder Sean Simpson keine Selbstverständlichkeit. Colin Muller also doch auf einer Stufe mit Ruhnke oder Simpsons?

Nein. Auch nach dem 3:2 gegen Davos hat der Druck auf Muller nicht nachgelassen. Ganz im Gegenteil: Er ist noch grösser geworden. Weil zumindest dieses erste Drittel gegen den HCD offenbart hat: Diese ZSC Lions spielen um den Titel, wenn sie richtig trainiert, vorbereitet und gecoacht werden.

«Selber kann ich die Tore nicht machen»

Cheftrainer Colin Muller redet nach dem Spiel über diesen Druck, der auf allen laste, auf den Spielern und auf ihm. «Ich habe diese Woche schon mal gedacht: Wenn es denn sein muss, dass ich gefeuert werde, dann ist es halt so. Ich kann ja nichts anderes machen als meine Arbeit.» Er habe einfach unbeirrt seinen Job gemacht.

Im Rückblick auf die erste Phase der Saison zieht er eine erste Bilanz: «Wir mussten schon dreimal gegen Davos und zweimal gegen Kloten spielen. Kaum hatten wir etwas Luft, mussten wir schon wieder gegen die besten Teams der Liga antreten.» Das habe alles noch viel schwieriger gemacht. «Wir spielen defensiv sehr stabil, unser System, unser Powerplay und unser Boxplay funktionieren. Und wir haben im Verlaufe dieser Saison noch keinen einzigen Spieler gesehen, der nicht immer alles gegeben hat. Wir haben die meisten Gegner dominiert, nach einem missglückten Start auch den SCB. Und trotzdem sind wir in die Kritik geraten. Weil wir zu wenig Tore erzielt haben. Aber ich kann als Trainer nur das Toreschiessen üben lassen. Selber kann ich die Tore nicht machen. Wenn ich auf unsere Abschlussschwäche keine Antwort habe, so befinde ich mich in guter Gesellschaft. Weiss Ottmar Hitzfeld eine Antwort? Weiss Christian Gross eine Antwort?»

Gut gebrüllt, Oberlöwe. Ein starkes Plädoyer des ZSC Coaches in eigener Sache. Aber die Polemik gegen Colin Muller ist nicht verklungen wie Schall und verflogen wie Rauch. Sie kehrt mit Blitz und Donnerhall zurück, wenn aus den nächsten fünf Partien nicht drei Siege resultieren.

- 12. Oktober Kloten Flyers - ZSC Lions

- 16. Oktober Lakers - ZSC Lions

- 19. Oktober ZSC Lions - Lakers

- 23. Oktober Servette - ZSC Lions

- 26. Oktober ZSC Lions - Lakers

Der Spielplan, der böse, ist im Oktober jetzt nicht mehr gegen, sondern für die ZSC Lions, für Colin Muller: In den nächsten fünf Spielen dürfen die Zürcher dreimal (!) gegen die Lakers und einmal gegen Servette antreten.

Verschnaufpause in fünf Spielen

Der Druck, über den Muller jetzt schon klagt, wird noch grösser. Die bisherigen Niederlagen gegen Lugano (3:4), Davos (1:4), Zug (1:4), Servette (1:3), Kloten (1:2), Fribourg (1:2) und den SCB (1:4) können mit etwas gutem Willen schöngeredet und mit einer gehörigen Portion «hätte» und «könnte» und «sollte» intern sogar in moralische Siege umgedeutet werden.

Aber Pleiten gegen die Lakers (und Christian Weber) werden nicht mehr toleriert. Nicht von den Fans. Nicht von den Medien. Nicht von Sportchef Edgar Salis. Nicht von Manager Peter Zahner. Und vielleicht nicht einmal mehr von Präsident Walter Frey.

Der ZSC Trainer wird erst nach diesen fünf Partien zum ersten Mal richtig verschnaufen können - oder ein paar Ferientagen so nah sein wie nie zuvor:

Die letzte Entlassung des Trainers, der die Saison bei den ZSC Lions begonnen hat, wurde ja am 14. November 2005 mit Ferientagen in Florida (offiziell: einem Time-Out) für den später geschassten Christian Weber eingeleitet. Die wahre Unterhaltung im Hallenstadion beginnt erst jetzt und eines ist sicher: Wenn die bösen Geister des Hallenstadions Colin Muller tatsächlich aus dem Amt haben wollen, wird uns das Entlassungsspektakel über Tage, vielleicht sogar Wochen vortrefflich unterhalten. Und wenn sie Colin Muller gut gesinnt sind, wird ein ordentliches Spektakel auf dem Eis die Fans erfreuen. «Hallywood» eben. So oder so.

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