Playoff-Final: ZSC mit viel Spektakel zur Finalissima
Aktualisiert

Playoff-FinalZSC mit viel Spektakel zur Finalissima

Die ZSC Lions bezwingen den SC Bern mit 6:3. Die Zürcher gleichen die Final-Serie aus und es kommt am nächsten Dienstag in Bern zum alles entscheidenden siebten Spiel.

Der ZSC hat sich eine Playoff-Finalissima in Bern erkämpft. Im spektakulären Stil besiegten die Lions den angeschlagenen SCB 6:3. Entscheidend war eine Triplette innerhalb von 144 Sekunden. Dem temporären 0:3-Rückstand (27.) folgte eine heftige Reaktion der Berner. Selbst vom 4:2 der Zürcher durch Domenico Pittis (39.) liess sich der SCB (noch) nicht entmutigen. Stattdessen schlug er selber wieder zu: Plüss führte die Gäste mit seinem 200. NLA-Treffer erneut zurück. Deshalb kam im ausverkauften und teils überhitzten Hallenstadion abermals zu einem Duell mit offenem Visier.

Gut möglich, dass sich Berns Coach Antti Törmänen im Verlauf der attraktiven Partie wieder an das von ihm zitierte «Hawaii-Hockey» erinnert hat. Ein zweites Mal in Folge bekam der Wellenschlag am Ende aber vor allem seiner Auswahl nicht gut. In der 46. Minute drängte Patrik Bärtschi den SCB mit seinem ersten erfolgreichen Abschluss im Final endgültig vom Kurs ab.

Ära Sulander geht zu Ende

Die Zürcher surften auf der Woge der Begeisterung zum Ausgleich in der Serie. Zu ihrem Glück passte, dass kurz vor Schluss Jeff Tambellini den Puck ins leere Tor schob. Nach dem 6:3 fand der Zürcher Coach Bob Hartley gar noch die Zeit und Musse, Ari Sulander in Oerlikon einen grandiosen Abgang zu ermöglichen: 32 Sekunden vor der letzten Sirene wurde der 43-jährige Finne zur Derniere eingewechselt. 10'000 ZSC-Fans feierten den dreifachen Meister-Keeper im letzten Heimspiel seines 14-jährigen Engagements.

Nun sind die Erinnerungen an 2001 und die grosse Wende im Endspiel gegen Lugano endgültig präsent. In der Finalissima in Bern am Dienstag gibt es keinen Favoriten mehr. Bern wird bis dahin die Enttäuschung verarbeiten müssen, wie vor zwei Jahren gegen Genève-Servette einen 3:1-Vorteil verspielt zu haben. Die Zürcher ihrerseits werden womöglich nun ebenfalls wieder den Druck spüren, ganz nahe vor dem Titelgewinn zu stehen.

Einen wesentlich unschöneren Abgang als Sulander hatte Marco Bührer zu verkraften. Der SCB-Torhüter wurde nach dem fünften Gegentor ersetzt. Eine kapitale Frage dürfte nun sein, wie der Routinier auf seinen ungünstigen Auftritt im letzten Spiel der Saison reagieren wird.

Innert 144 Sekunden zum 3:0

Was die Lions zuvor in sechs Startdritteln (oder 120 Minuten) verpasst hatten, holten sie quasi im Schnellverfahren nach. Innert 144 Sekunden inszenierten die Zürcher ein für die diesjährigen Finalverhältnisse beispielloses Spektakel. Am Ursprung der Turbulenzen stand ausgerechnet jener Akteur, der den SCB mit seinen Paraden vor einem frühen Rückstand bewahrt hatte: Marco Bührer leistete sich beim 1:0 der Gastgeber einen fatalen Fehlgriff - Monnet überwand den Berner Keeper mit einem harten, aber haltbaren Weitschuss unterhalb der Fanghand.

Noch eher der Speaker den Namen des Torschützen ausrief, erhöhte Andres Ambühl auf 2:0. Mit einem weiteren platzierten Slapshot versetzte Mathias Seger den eigenen Anhang in einen mehrminütigen Jubeltaumel. Antti Törmänen reagierte auf die Druckwelle der Stadtzürcher ohne Verzögerung mit einem Timeout. Der Finne beruhigte seine Equipe mit seiner (Not-)Massnahme einigermassen. Zupass kam dem SCB zudem, dass sich mit Ryan Gardner einer der Leader nicht nur vehement, sondern mit Cleverness gegen den vorzeitigen Untergang stemmte.

Der frühere ZSC-Center lenkte im Powerplay einen Schuss Jobins zum 1:3 ab. 75 sekunden später profitierte der Kanada-Schweizer von einem Abpraller Flüelers. Innert Kürze hatte sich Bern auf relativ einfache Weise das Comeback erkämpft und sich aus einer vermeintlich ausweglosen Situation befreit. Und wie in der «wilden» Overtime am letzten Donnerstagabend in der «PostFinance-Arena» überwog nicht mehr die Arbeit in der Defensive - der Mut zum Risiko zahlte sich aus, das kreative Element rückte in beiden Equipen unverhofft in den Vordergrund.

Bührer zu Beginn stark

Einzig der este Abschnitt war sozusagen im «Courant normal» verlaufen. In der gegenseitigen Abtastphase verschafften sich die Lions zwar minime Vorteile, der eigenen Torflaute im Startdrittel setzten sie aber auch im sechsten Anlauf kein Ende. Nach wenigen Sekunden war Steve McCarthy mit einem Lattenschuss gescheitert. Die Aktionen von Ambühl (8.) und Tambellini (11.) stoppte Berns Keeper Bührer mit «Big Saves». In jener Periode deutete noch nichts auf einen verfrühten «Dienstschluss» des Berner Goalies hin.

ZSC Lions - Bern 6:3 (0:0, 4:2, 2:1)

Hallenstadion. - 11'200 Zuschauer (ausverkauft). - SR Reiber/Rochette, Fluri/Müller.

Tore: 25. (24:13) Monnet (Pittis) 1:0. 25. (24:43) Ambühl (Kenins, Tambellini) 2:0. 27. (26:37) Seger (Aussschluss Vigier) 3:0. 35. (34:43) Gardner (Jobin, Déruns/Ausschluss Schäppi) 3:1. 36. (35:59) Gardner (Hänni) 3:2. 39. Pittis (Ambühl, Monnet/Ausschluss Martin Plüss) 4:2. 42. Martin Plüss (Rüthemann, Gardner/Ausschluss Bastl) 4:3. 46. Patrik Bärtschi (Stoffel) 5:3. 59. Tambellini (Patrik Bärtschi) 6:3 (ins leere Tor).

Strafen: je 3mal 2 Minuten.

PostFinance-Topskorer: Tambellini; Ritchie.

ZSC Lions: Flüeler (59:28 Sulander); Blindenbacher, Geering; McCarthy, Seger; Stoffel, Daniel Schnyder; Gobbi; Bastl, Pittis, Monnet; Tambellini, Cunti, Kenins; Patrik Bärtschi, Ambühl, Down; Bühler, Schäppi, Chris Baltisberger; Schommer.

Bern: Bührer (46. Gigon); Kwiatkowski, Philippe Furrer; Jobin, Hänni; Kinrade, Beat Gerber; Höhener; Pascal Berger, Ritchie, Vermin; Bertschy, Martin Plüss, Rüthemann; Vigier, Gardner, Reichert; Déruns, Froidevaux, Scherwey; Caryl Neuenschwander.

Bemerkungen: ZSC Lions ohne Camperchioli (verletzt), Kolnik, Cory Murphy, Ziegler und Sven Ryser (alle überzählig), Bern ohne Morant (gesperrt), Lötscher (verletzt), Roche, Dumont, Dominic Meier und Adrian Brunner (alle überzählig). Pfostenschuss McCarthy (0:50). Timeouts: Bern (27.) und ZSC Lions (36.). (si)

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