Aktualisiert 30.03.2014 20:03

Playoff-HalbfinalZSC schlägt Genf – Kloten bodigt Fribourg

Die ZSC-Lions schaffen dank einer Leistungssteigerung eine Reaktion in der Playoff-Serie gegen Genf. Fribourg muss sich Kloten in der Verlängerung geschlagen geben.

Der Kanada-Schweizer Ryan Keller (30) entpuppte sich als Matchwinner. Nach fast zwei Jahren in der Nationalliga gelang ihm erstmals ein Hattrick. Ryan Keller brachte die ZSC Lions 26,6 Sekunden vor der ersten Pause zum zweiten Mal in Führung, erhöhte nur 85 Sekunden nach dem Seitenwechsel auf 3:1, und nach einer erfolgreichen Genfer Aufholjagd realisierte er in der ersten Minute des Schlussabschnitts auch noch den «Gamewinner» zum 4:3.

Ob die ZSC Lions nach dem dritten Auswärtssieg in Genf in dieser Saison endlich den gewünschten Kurs eingeschlagen haben, lässt sich nach dem samstäglichen Schlagabtausch noch nicht schlüssig beurteilen. Die beiden Teams lieferten sich in der ausverkauften Les-Vernets-Halle kein typisches Playoff-Spiel. Die Defensive wurde auf beiden Seiten teils sträflich vernachlässigt. Aus Genfer Optik mag das damit zusammenhängen, dass die Servettiens fast permanent Rückständen hinterherlaufen mussten. Aber auch die Zürcher Gäste wussten mit der Abwehrarbeit nicht unbedingt zu gefallen.

Genfer Stehauf-Männchen

So vermochten die Lions das 1:0 durch Mark Bastl bloss 114 Sekunden lang zu halten. Und als die Partie beim Stand von 3:1 für den Zürcher SC vorentschieden schien, realisierte Genf innerhalb von sieben Minuten durch Lennart Petrell und Alexandre Picard nochmals den Ausgleich. In der Offensive agierten die Zürcher, oder zumindest Ryan Keller, gegenüber den letzten Playoff-Partien aber deutlich verbessert. Nur 16 Treffer hatten die ZSC Lions in den ersten acht Playoff-Spielen erzielt, sieben davon in einem einzigen Spiel in Lausanne (7:1-Sieg). Während der Qualifikation hatte Zürichs Offensive mehr als 3,2 Tore pro Spiel kreiert. Die Lions stürmten am Samstag den Slot vor dem Genfer Goal. Die neue Aggressivität wurde belohnt: Bei beiden Goals im ersten Abschnitt profitierten die ZSC Lions von Abprallern des diesmal nicht überragenden Goalies Tobias Stephan.

Eine Schlüsselszene spielte sich nach 21 Minuten ab. Zuerst rutschte Lukas Flüeler, der Torhüter der ZSC Lions, beinahe samt Puck ins eigene Goal. 30 Sekunden später gelang Ryan Keller auf der Gegenseite das 3:1 für die Gäste. Ehe Kellers Treffer anerkannt wurde, mussten die Referees am Video die Szene vor dem anderen Goal auflösen. Wäre der Puck hinter der Linie gewesen, und viele Zentimeter fehlten wahrlich nicht, hätte das Skore 2:2 statt 1:3 gelautet.

Im Schlussabschnitt standen die Genfer dem neuerlichen Ausgleich noch mehrmals nahe. Kaspars Daugavins traf den Aussenpfosten (43.). Simek vermochte den Puck vor dem Abschluss nicht zu kontrollieren (49.). Und Chris Rivera nahm ein Geschenk des Zürcher Verteidigers Marc-André Bergeron nicht an, der ihm fünf Minuten vor Schluss mit einem Fehlpass ein Solo auf Goalie Flüeler ermöglicht hatte. 111 Sekunden vor Schluss gelang Roman Wick in doppelter Überzahl die Siegsicherung für die ZSC Lions.

Fribourg erneut für Fehler bestraft

Waren es in Spiel 1 vier individuelle Aussetzer gewesen, die den Freiburgern die vier Gegentreffer eintrugen, waren es diesmal zwei heftige. Jener mit der heftigsten Wirkung unterlief in der Verlängerung Verteidiger Sébastien Schilt, der einen blinden Backhand-Pass schlug. Davon profitierte erst Cyrill Bühler und wenige Sekunden später Captain Stancescu. Für Fribourg war die zweite Niederlage in Folge umso bitterer, weil die Mannschaft in der Kolping-Arena die aktivere war und dem Sieg vor allem zu Ende des zweiten und zu Beginn des Schlussdrittels nach dem Ausgleich durch Christian Dubé näher stand als die Kloten Flyers. Im Offensivspiel wirkten die Freiburger Aktionen gefährlicher. Vor dem gegnerischen Tor sorgte Gottéron für viel mehr Verkehr, versuchte die Scheibe mehrfach abzulenken.

Die erwartet heftige Freiburger Reaktion nach dem 2:4 vom Donnerstag erfolgte mit Spielbeginn. Personell nahm Trainer Hans Kossmann nur eine Änderung vor: Adam Hasani, der bei der Auftaktniederlage 13. Stürmer war, rückte an Stelle von Thibaut Monnet in die zweite Sturmreihe. Der Rest des Teams verrichtete seine Aufgabe besser als zwei Tage davor. Der druckvolle Beginn erzeugte auf Klotener Seite einige Fehler. Ein solcher unterlief in der Startphase Marcel Jenni, als der Routinier einem Mitspieler den Weg versperrte und gleichzeitig den Puck verlor. Die folgende Aktion schloss Tristan Vauclair nach nur 149 Sekunden mit seinem zweiten Playoff-Tor zum 1:0 ab.

Flyers bekunden Startschwierigkeiten

Die Flyers benötigten ein paar Minuten mehr, um in den Spielrhythmus zu finden. Dies taten sie umso klarer, und sie kamen, etwa durch Captain Victor Stancescu (22.) oder Patrick von Gunten (29.), zu sehr guten Chancen. Auf dem Resultatblatt schlug sich die Überlegenheit aber erst kurz vor Spielhälfte und unter gütiger Mithilfe nieder. Fribourgs Goalie Benjamin Conz liess einen minim abgelenkten Schuss von Tommi Santala zwischen den Schonern passieren. Santala hatte mit dem Puck im eigenen Drittel Anlauf geholt, am Torschuss gehindert hatte den Finnen bis weit ins Freiburger Drittel niemand.

Mit dem 1:1 waren die Flyers auf der gewünschten Flughöhe. Sie erhöhten die Kadenz nach dem Ausgleich weiter und wurden dafür belohnt. Matthias Biebers Ablenker zum 2:1 kam zwar auf glückhafte Weise zustande, der Treffer an sich fiel aber gewissermassen mit Ansage. Im Gegensatz zu Spiel 1 schaffte es Kloten aber nicht, die Führung auszubauen. Und Fribourg beging die gleiche Anzahl individueller Fehler nicht mehr. Vielmehr gelangte Gottéron durch eine missglückte Aktion von Martin Gerber in der 43. Minute zum 2:2: Der Klotener Goalie liess einen Weitschuss von Joel Kwiatkowski abprallen, Christian Dubé verwertete den Rebound mangels Gegenwehr problemlos.

Genève-Servette - ZSC Lions 3:5 (1:2, 2:1, 0:2)

Les Vernets. 7135 Zuschauer (ausverkauft). SR Mandioni/Massy, Mauron/Tscherrig.

Tore: 13. Bastl (McCarthy, Trachsler) 0:1. 15. Vukovic (Almond) 1:1. 20. (19:33) Ryan Keller (McCarthy, Wick) 1:2. 22. Ryan Keller 1:3. 25. Petrell (Eliot Antonietti) 2:3. 33. Picard 3:3. 41. (40:55) Keller (Bergeron) 3:4. 59. Wick (Ryan Keller/Ausschlüsse Lombardi, Vukovic) 3:5.

Strafen: je 2mal 2 Minuten.

PostFinance-Topskorer: Lombardi; Wick.

Genève-Servette: Tobias Stephan; Vukovic, Marti; Eliot Antonietti, Bezina; Mercier, Iglesias; Girardin; Jacquemet, Romy, Hollenstein; Daugavins, Lombardi, Picard; Simek, Rod, Almond; Roland Gerber, Rivera, Petrell; Berthon.

ZSC Lions: Flüeler; Seger, McCarthy; Stoffel, Bergeron; Blindenbacher, Geering; Daniel Schnyder; Patrik Bärtschi, Cunti, Kenins; Ryan Keller, Shannon, Wick; Nilsson, Trachsler, Bastl; Baltisberger, Senteler, Schäppi; Dan Fritsche.

Bemerkungen: Genève-Servette ohne Loeffel (verletzt), Stafford, Meunier und Krutow, ZSC Lions ohne Tabacek (alle überzählig). Timeout Servette (59.).

Kloten Flyers - Fribourg 3:2 (0:1, 2:0, 0:1, 1:0) n.V.

Kolping Arena. - 7334 Zuschauer. - SR Reiber/Wiegand, Kaderli/Wüst. -

Tore: 3. Vauclair (Ness) 0:1. 30. Santala (Gerber) 1:1. 37. Bieber (Stoop, Santala) 2:1. 43. Dubé (Kwiatkowski) 2:2. 66. Stancescu (Bühler) 3:2. -

Strafen: 3mal 2 Minuten gegen die Kloten Flyers, 4mal 2 Minuten gegen Fribourg. -

PostFinance-Topskorer: Mueller; Plüss.

Kloten Flyers: Gerber; Schelling, Vandermeer; DuPont, von Gunten; Randegger, Frick; Stoop; Herren, Liniger, Steinmann; Mueller, Santala, Bieber; Bühler, Romano Lemm, Stancescu; Hoffmann, Jenni, Aurelio Lemm.

Fribourg: Conz; Kwiatkowski, Ngoy; Helbling, Abplanalp; Kamerzin, Schilt; Huguenin; Mottet, Dubé, Hagman; Mauldin, Pouliot, Hasani; Sprunger, Bykow, Plüss; Fritsche, Ness, Vauclair; Monnet.

Bemerkungen: Kloten Flyers ohne Blum, Bodenmann, Du Bois (alle verletzt) und Hennessy (überzähliger Ausländer), Fribourg ohne Jeannin (verletzt), Jurcina und Miettinen (beide überzählige Ausländer). 13. Lattenschuss von Bieber.

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