«Time-out» mit Klaus Zaugg: ZSC-Spieler wollen Krueger nicht
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«Time-out» mit Klaus ZauggZSC-Spieler wollen Krueger nicht

Wer zahlt, befiehlt nicht immer: ZSC-Präsident und -Mäzen Walter Frey wollte Nationaltrainer Ralph Krueger als neuen ZSC-Coach und Nachfolger von Sean Simpson. Aber die ZSC-Stars um Mathias Seger haben es erfolgreich verhindert.

von
Klaus Zaugg

Eine Delegation ZSC-Stars sprach bei Frey im Büro vor und erklärte unverblümt, man sehe sich ausser Stande, die Verträge bei den ZSC Lions zu erfüllen, wenn Krueger neuer Trainer werde. Frey kapitulierte.

Simon Schenk, ehemaliger ZSC-Meistermanager, heute für die GCK Lions zuständig und nach wie vor Walter Freys engster Berater in Hockeydingen, bestätigte auf Anfrage von 20 Minuten Online diese brisante Story. «Ich möchte betonen, dass ich mit dem Management der ZSC Lions nichts zu tun habe. Aber es stimmt, Ralph Krueger wird nicht neuer ZSC-Trainer und es ist richtig, dass Walter Frey sehr viel von Krueger hält. Ich kann zu dieser Story so viel sagen: Die Stossrichtung stimmt ...»

Werden die ZSC Lions «uncoachable»?

Auf Druck der Spieler verzichtet Walter Frey auf seinen Wunschtrainer Ralph Krueger. Und damit steht die bange Frage im Raum: Werden die ZSC Lions «uncoachable»?

Die Eishockey-Schöpfung ruht auf einem Grundprinzip: Der Präsident präsidiert, der Manager managt, der Coach coacht und die Spieler spielen. Vermischungen dieser Ebenen führen eher früher als später zu Krisen. Vor allem dann, wenn sich die Spieler ins Coaching, ins Management oder gar ins Präsidium einmischen. Wenn sie mit ihren Anliegen sogar im Büro des Präsidenten Gehör finden. Dann wird eine Mannschaft «uncoachbar»: Sie lässt sich in Extremsituationen nicht mehr führen. Das ist vielleicht das grösste Problem, das der SC Bern lösen muss, um die Viertelfinals zu überstehen. In Rapperswil-Jona und in Lugano haben die Spieler ebenfalls viel zu viel Macht und in den letzten Jahren mit den Trainern gemacht, was sie wollten: Lugano und die Lakers gelten noch vor dem SC Bern als krasse Beispiele «uncoachbarer» Teams.

Die ZSC Lions haben ihre grossen Erfolge auch deshalb erreicht, weil sie richtig gecoacht worden sind. Und gerade in den letzten Tagen hat Sean Simpson bewiesen, dass er die Spieler sehr wohl zu führen versteht: Sein Timeout im Spiel gegen den SC Bern beim Stande von 0:2 führte zur Wende (die ZSC Lions siegten noch 5:4 nach Verlängerung) und am nächsten Tag waren sie in Langnau parat und siegten 4:2. Die Leistungskultur ist ganz klar besser als beim SC Bern. Captain Mathias Seger ist ein Leitwolf (fast) vom Format eines Reto von Arx.

Erfolgreiche Trainer sind bei Spielern selten beliebt

ZSC-Präsident und -Mäzen Walter Frey hatte ein gutes Gespür, als es darum ging, die Nachfolge von Sean Simpson (er wird nächste Saison Nationaltrainer) zu regeln. Er wollte einen charismatischen Coach, der stur und erfolgreich seinen Weg geht wie einst Kent Ruhnke, Larry Huras oder eben Sean Simpson. Er wollte Ralph Krueger. Die ZSC Lions wären neben dem SC Bern und Lugano das einzige Hockeyunternehmen in Westeuropa, das sich Ralph Krueger als Klubtrainer leisten könnte.

Die ZSC-Stars haben bei Walter Frey erfolgreich interveniert und Krueger verhindert - und damit einen ersten Schritt Richtung «Uncoachbarkeit» getan. Es spielt keine Rolle, ob hinter dieser Aktion berechtigte oder unberechtigte Bedenken gegen die drohende Anstellung eines autoritären Bandengenerals stehen. Ein Präsident darf eine derartige Einmischung der Spieler ins Management aus Prinzip nicht dulden. Frey hätte die «Krueger-Verhinderer» nicht anhören und subito aus seinem Büro werfen müssen. Denn erfolgreiche Coaches sind bei den Spielern selten beliebt. Schliesslich müssen sie ihre Jungs in einem so emotionalen Spiel wie Eishockey über die Müdigkeitsgrenzen hinaus treiben, wenn sie Meisterschaften gewinnen wollen. Einer hat einmal über Scotty Bowman, den erfolgreichsten Eishockeytrainer aller Zeiten, Länder und Ligen (1244 Siege und neun Stanley Cups in 34 NHL-Saisons) gesagt: «Wir haben ihn 364 Tage im Jahr gehasst und einen Tag geliebt. Am Tag, an dem wir den Stanley Cup holten ...»

Auch Simpson ist nicht bei allen beliebt

Erfolglose Trainer werden hingegen 364 Tage im Jahr geliebt. Und an einem Tag bedauert. Am Tag, an dem sie gefeuert werden. Sean Simpsons aktueller Assistent Colin Muller dürfte als Chef 364 Tage im Jahr geliebt werden.

P.S. Sean Simpson ist bei einigen ZSC-Stars nicht beliebt. Sie hätten wahrscheinlich bei Walter Frey gegen eine Vertragsverlängerung ebenfalls interveniert.

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