Saisontipp 20 Minuten: ZSC und Zug besser als der Rest – Probleme für SCB und Lausanne
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Saisontipp 20 MinutenZSC und Zug besser als der Rest – Probleme für SCB und Lausanne

Am Donnerstag geht die spezielle Eishockey-Saison, in der die Corona-Pandemie den Takt vorgibt, los. 20 Minuten wagt sich mit einer Tabellen-Prognose aufs Glatteis.

von
Marcel Allemann
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Platz 1: Die ZSC Lions und Königstransfer Sven Andrighetto.

Platz 1: Die ZSC Lions und Königstransfer Sven Andrighetto.

Foto: Gian Ehrenzeller (Keystone)
Platz 2: Torgarant: Gregory Hofmann und der EV Zug.

Platz 2: Torgarant: Gregory Hofmann und der EV Zug.

Foto: Marc Schumacher (Freshfocus)
Platz 3: Der Genfer Coach Patrick Emond und seine Spieler.

Platz 3: Der Genfer Coach Patrick Emond und seine Spieler.

Foto: Martial Trezzini (Keystone)

Darum gehts

  • Am Donnerstag startet die spezielle Eishockey-Saison.
  • Prognosen sind schwierig, 20 Minuten wagt doch eine.
  • Zwei Schwergewichte sind vorne, eines hat Probleme.

Platz 1: ZSC Lions

ZSC-Königstransfer Sven Andrighetto.

ZSC-Königstransfer Sven Andrighetto.

Foto: Gian Ehrenzeller (Keystone)

Das System von Weltmeister-Trainer Grönborg sitzt im zweiten Jahr noch besser. Der Abgang von Topskorer Suter (wenn er denn nicht doch noch bleibt, falls die NHL-Saison ausfallen sollte) konnte durch den Zuzug von Andrighetto kompensiert werden. Zudem können die Zürcher bei Bedarf als einziges Team wegen der «Causa Suter» noch einen fünften Ausländer einsetzen und im Hintergrund warten junge, hungrige Spieler auf ihre Chance. Der Qualifikationssieger 2019/20 ist in der Saison 2020/21 eher noch stärker einzustufen.

Platz 2: EV Zug

Zuger Torgarant: Gregory Hofmann.

Zuger Torgarant: Gregory Hofmann.

Foto: Marc Schumacher (Freshfocus)

Es gibt zahlreiche Argumente, die dafür sprechen, dass der EVZ erneut die zweite grosse Macht im Schweizer Eishockey sein wird neben den ZSC Lions: Goalie Genoni, der überragende Leitwolf Diaz, weitere herausragende Spieler wie Hofmann, Martschini oder Kovar. Dazu das spannende Experiment mit Edmonton-Leihgabe McLeod und die Rückkehr von NHL-Debütant Thürkauf. Gewisse Fragezeichen gibt es in der Verteidigung: Mit Morant, Zryd und Thiry sind drei Stammkräfte gegangen. Deshalb ist der EVZ darauf angewiesen, dass die Jungen (Geisser, Gross, Wüthrich, Stadler) stark performen.

Platz 3: Servette

Der Genfer Coach Patrick Emond beobachtet mit einigen Spielern das Geschehen im Testspiel gegen Biel.

Der Genfer Coach Patrick Emond beobachtet mit einigen Spielern das Geschehen im Testspiel gegen Biel.

Foto: Martial Trezzini (Keystone)

Die Genfer waren letzte Saison mit Rang 4 gerade mal 2 Punkte hinter Qualifikationssieger ZSC Lions das grosse Überraschungsteam. Die Bestätigung eines solchen Coups ist in der Regel schwierig. Und trotzdem setzen wir Servette mit Rang 3 nochmals eine Position höher. Aus gutem Grund: Mit Riat und Vermin sind zwei Nati-Spieler dazugekommen, die Spiele entscheiden können. Selbiges gilt für den neuen Spektakel-Ausländer Omark. Die Offensive der Westschweizer ist herausragend besetzt, sie kann die beste in der Liga sein, denn da gibt es ja auch noch Richard, Rod, Winnik, Fehr, Smirnovs, Moy und Miranda. Gewisse Abstriche sind bei der Hintermannschaft zu machen. Die Verteidigung ist maximal durchschnittlich besetzt, und auf der Goalie-Position könnte sich der Abgang von Mayer negativ auswirken.

Platz 4: HC Davos

Finne in Davoser Diensten: Perttu Lindgren.

Finne in Davoser Diensten: Perttu Lindgren.

Foto: Gian Ehrenzeller (Keystone)

Mit einer neuen sportlichen Führung meldete sich der Rekordmeister in der letzten Saison an der Spitze zurück. Das Tempo hat beeindruckt, viele dachten, es braucht wesentlich länger, bis sich der HCD nach der Ära Del Curto sportlich wieder erholt. Es spricht vieles dafür, dass Davos auch im zweiten Jahr mit der neuen Crew den eingeschlagenen Weg fortsetzen kann, Sportchef Raffainer ist als Meister der Detailpflege bekannt. Die Mannschaft blieb zusammen, Turunen sollte Tedenby vergessen machen können, und der neu verpflichtete Mayer, der bei Servette zuletzt eine überragende Saison gespielt hat, gibt dem HCD zusätzliche Stabilität auf der Torhüter-Position.

Platz 5: EHC Biel

Biels Interimscoach Lars Leuenberger während dem Testspiel gegen Servette.

Biels Interimscoach Lars Leuenberger während dem Testspiel gegen Servette.

Foto: Martial Trezzini (Keystone)

Viele Gedanken werden in Biel beim an Krebs erkrankten Trainer Antti Törmänen sein, der durch Lars Leuenberger ersetzt worden ist. Dieser Schock wird die Mannschaft noch zusätzlich zusammengeschweisst haben, Motivationsansprachen werden in Biel kaum nötig sein. Leuenberger – als langjähriger Vertrauter von Törmänen die perfekte Trainer-Lösung in dieser schwierigen Situation – weiss als ehemaliger SCB-Meistercoach, wie man wichtige Spiele gewinnt. Biel sollte daher keine Probleme haben, sich auf direktem Weg für die Playoffs zu qualifizieren, auch wenn die Mannschaft durch die Rücktritte von Goalie Hiller und Captain Tschantré sowie den Abgängen von Riat und Neuenschwander viel an Leadership und etwas an Substanz verloren hat.

Platz 6: HC Lugano

Die Luganesi wollen endlich wieder an glorreiche Zeiten anknüpfen.

Die Luganesi wollen endlich wieder an glorreiche Zeiten anknüpfen.

Foto: Pablo Gianinazzi (Keystone)

Letzte Saison zitterten sich die Bianconeri gerade noch knapp in die Top 8, in dieser Spielzeit dürfte es schon etwas mehr sein. Und es wird wohl auch mehr sein. Allein schon der Zuzug des zweimaligen SCB-Meisterspielers Arcobello sollte dafür bürgen. Mit dem langjährigen NHL-Stürmer Boedker ist ein weiterer Akteur dazugekommen, der diese Liga prägen kann. Ohnehin ist Lugano im Sturm deluxe besetzt, seit auch noch Nati-Stürmer Kuraschew als Leihgabe aus Nordamerika im Team ist. Nicht ganz auf diesem hohen Niveau befindet sich die Hintermannschaft. Die Verteidigung ist im Verhältnis zum Sturm sehr dünn besetzt und das Goalie-Duo Zurkirchen/Schlegel wird ebenfalls nicht der Business-Klasse der Liga zugeordnet.

Platz 7: SC Bern

Ted Brithén ist Berns neuer Schwede.

Ted Brithén ist Berns neuer Schwede.

Foto: Alessandro Crinari (Keystone)

Faktisch sind die Mutzen noch immer Meister, da der Titel im vergangenen Frühling nicht vergeben werden konnte und sie es waren, die 2019 als Letzte den Meisterpokal in die Höhe stemmen durften. Und dies als Equipe, die 2019/20 komplett versagt und nicht einmal die Playoff-Qualifikation geschafft hat. Die Wahrheit über die Leistungsstärke des SCB dürfte irgendwo in der Mitte dieser beiden Extreme liegen. Eine Tatsache ist, dass die ganz grossen Namen inzwischen den Weg nach Bern nicht mehr finden, sondern die Bundeshauptstadt eher verlassen (zuletzt Genoni und Arcobello) und der SCB in den letzten Jahren gegenüber der Konkurrenz kontinuierlich an Terrain verloren hat. Zudem kann die neue sportliche Führung, Sportchefin Schelling und Trainer Nachbaur, noch nicht wirklich eingeschätzt werden. Trotzdem verfügt der SCB weiterhin über genügend Substanz, um es wieder ins Playoff zu schaffen. Nötigenfalls über den Umweg Pre-Playoffs.

Platz 8: Fribourg

Fribourgs Chris DiDomenico.

Fribourgs Chris DiDomenico.

Foto: Anthony Anex (Keystone)

Mit einem beeindruckenden Schlussspurt hat sich Gottéron letzte Saison aus schier aussichtsloser Lage noch auf Rang 7 nach vorne gespielt. Grandios verändert hat sich die Mannschaft seither nicht. Mit den Zuzügen von DiDomenico, Herren, Sutter, Jecker und den beiden U-20-Internationalen Aebischer und Jobin scheint sie aber gar noch eine Spur stärker und breiter geworden zu sein. Wobei Hitzkopf DiDomenico auch zum Problemspieler werden kann. Aber der wichtigste Einzelspieler ist und bleibt ohnehin Nati-Goalie Berra. Noch nicht schlüssig beantwortet ist die Frage, was Sportchef Dubé als Trainer wirklich taugt. Als Nothelfer einzuspringen, ist das eine, eine Mannschaft über eine ganze Saison zu führen, eine andere Geschichte, die wesentlich anspruchsvoller sein kann.

Platz 9: Lausanne

Lausanne ist ein Fragezeichen in der neuen Saison.

Lausanne ist ein Fragezeichen in der neuen Saison.

Foto: Anthony Anex (Keystone)

Klar, nach Papierform haben die Waadtländer in dieser Tabellenregion nichts verloren und gehören in die Top 4. Aber man traut ihnen nicht wirklich, es gibt etwelche Fragezeichen. Zunächst war da das Sommertheater um Top-Stürmer Vermin, der nach innerbetrieblichen Störungen an Servette verhökert wurde. Dann scheint es eher unwahrscheinlich, dass Craig MacTavish, der als Trainer noch nirgends viel gerissen hat und nicht eben als Visionär gilt, der richtige Mann ist, um aus Lausanne einen Titelkandidaten zu formen. Und was das neue, dreiköpfige Besitzer-Gremium mit dem Verein genau vorhat, ist irgendwie auch nicht absehbar. Petr Svoboda, der im sportlichen Bereich das Sagen hat, fiel bislang primär dadurch auf, dass er Spieler zu Handelswaren umfunktionierte. Gleich drei Spielertausch-Geschäfte nahm der ehemalige tschechische Verteidiger-Star vor, und nun steht auch noch der bisherige Captain Froidevaux auf seiner Abschussliste. Es wird in diesem Land Garderoben geben, in denen mehr Ruhe herrscht, als in jener des Lausanne HC. Ein sportlicher Tiefflug könnte durchaus die Folge sein.

Platz 10: Ambri-Piotta

Ambris Jannik Fischer.

Ambris Jannik Fischer.

Foto: Marc Schumacher (Freshfocus)

Ausser Frage steht, dass das Schweizer Trainer-Juwel Luca Cereda ein weiteres Mal das Maximum aus seiner Mannschaft herausholen wird. Doch qualitativ ist diese zu wenig gut besetzt, um in der Tabelle weiter als auf Rang 10 hochzuklettern. Dazu bräuchte es ein Ambri-Wunder oder dass wesentlich höher eingeschätzte Teams (unsere Top 9) kolossal abstürzen. Wahrscheinlicher ist, dass sich Ambri mit den Lakers ein heisses Duell um den neuerdings sehr begehrten 10. Platz liefern wird. Und ist dieser erst einmal erreicht, dann sind sogar die Playoffs möglich. Denn bei Ambri dürfte der Druck im Pre-Playoff geringer sein als beim Gegner.

Platz 11: Rapperswil-Jona Lakers

Daniel Vukovic von den Lakers. 

Daniel Vukovic von den Lakers.

Foto: Marcel Bieri (Keystone)

Unaufgeregt, aber beharrlich arbeitet Rapperswil-Jona seit dem Wiederaufstieg 2018 daran, sich Jahr für Jahr zu verbessern. 2018/19 betrug der Rückstand auf den Vorletzten (Davos) 19 Punkte und auf die Playoff-Plätze 43 Zähler, 2019/20 waren es auf den Vorletzten (SCL Tigers) noch 11 Punkte und auf die Playoff-Plätze nur noch 17 Zähler. Die Vorzeichen liegen günstig, dass die Lakers diese Saison erstmals nicht mehr auf dem letzten Platz abschliessen werden. Es darf sogar erwartet werden, dass die St. Galler bis zum Schluss um das Pre-Playoff mitspielen werden. Im Rahmen ihrer Möglichkeiten haben sie sich gut verstärkt, aber Rappi ist natürlich darauf angewiesen, dass Neuverpflichtungen wie Moses, Jeremy Wick, Lehmann oder Lhotak einschlagen.

Platz 12: SCL Tigers

Der Langnauer Alexei Dostoinov.

Der Langnauer Alexei Dostoinov.

Foto: Marcel Bieri (Keystone)

Erfolgstrainer Ehlers ist weg, überragende Personen auch, genauso Publikumsliebling DiDomenico und das starke Goalie-Tandem Punnenovs/Ciaccio wurde durch den Abgang von Ciaccio ebenfalls gesprengt. Gleichwertig ersetzt konnten sie nicht werden. Die Corona-Krise trifft die Emmentaler in ihrer strukturschwachen Region besonders hart. Bislang haben die SCL Tigers deshalb erst zwei Ausländer (Earl, Maxwell) im Kader, wovon einer (Earl) auch noch verletzt ist. So ist es natürlich fast unmöglich, konkurrenzfähig zu sein. Aber für Langnau geht es auch primär darum, zu überleben. Da in dieser Saison der Abstieg entfällt, hat der Verein immerhin Planungssicherheit.

Wie sehen Sie die Stärkeverhältnisse der Vereine in dieser Saison? Wie sieht Ihre Tabelle aus? Diskutieren Sie mit.

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