Impfstoff geht verloren: Zu dicke Nadeln – Bund kaufte zu grosse Spritzen
Publiziert

Impfstoff geht verlorenZu dicke Nadeln – Bund kaufte zu grosse Spritzen

Gemäss Empfehlung von Pfizer/Biontech kann man mit einem Impffläschchen sechs Personen impfen. In der Schweiz gelingt das aber nicht immer, weil der Bund zu grobes Material gekauft hat.

von
Reto Heimann
1 / 7
Die Schweiz droht wertvollen Impfstoff zu verlieren.

Die Schweiz droht wertvollen Impfstoff zu verlieren.

20min/Taddeo Cerletti
Der Bund hat zu grobes Material bestellt, als dass die Impfstoffmenge in den gelieferten Fläschchen optimal genutzt werden könnte.

Der Bund hat zu grobes Material bestellt, als dass die Impfstoffmenge in den gelieferten Fläschchen optimal genutzt werden könnte.

20min/Marvin Ancian
Die Spritze ist zu gross, die Nadel zu dick.

Die Spritze ist zu gross, die Nadel zu dick.

20min/Taddeo Cerletti

Darum gehts

  • Die Schweiz hat weniger Impfstoff erhalten, als ihr von den Herstellern zugesichert worden war.

  • Dazu kommt: Die Spritzen und Nadeln, die der Bund den Ärzten zur Verfügung stellt, eignen sich nur schlecht, um den Impfstoff optimal zu spritzen.

  • «Es ist, wie wenn Sie das Salz beim Spaghetti-Kochen mit einer Körperwaage abmessen müssen».

Der Corona-Impfstoff ist knapp. Alle drei grossen Hersteller – Pfizer/Biontech, Moderna und Astrazeneca – haben mit Lieferengpässen und Verzögerungen zu kämpfen. Die Schweiz hat darum bisher viel weniger Impfstoff erhalten als eigentlich zugesichert worden war.

Um die Verzögerungen abzufedern, hat der Hersteller Pfizer/Biontech kürzlich die Impfdosis angepasst. Ein geliefertes Fläschen mit Corona-Impfstoff reicht neu, um damit sechs Menschen impfen zu können. Ursprünglich hatte Pfizer/Biontech mit fünf Impfungen pro Fläschchen gerechnet.

Das bedeutet gleichzeitig auch: Pfizer/Biontech stellt sich auf den Standpunkt, der Schweiz daher ein Sechstel weniger Impfstoff liefern zu müssen. «Die Schweiz hat leider Impfdosen eingekauft und nicht Fläschchen», sagt Enea Martinelli, Chefapotheker der Berner Spitäler dazu.

Spritzen zu gross, Nadeln zu dick

Mit der gleichen Menge Impfstoff können also mehr Menschen geimpft werden. Eigentlich also Good News. Sollte man meinen. Jetzt zeigt sich aber: Das medizinische Personal in der Schweiz hat Mühe damit, die zusätzliche sechste Impfung aus dem Fläschchen herauszubekommen. Das berichten die Zeitungen von Tamedia.

Denn: Der Bund hat die falschen Spritzen eingekauft. Konkret sind sie zu gross – und die Nadeln zu dick. Die grössere Spritze führt dazu, dass der Impfstoff weniger genau aufgezogen werden kann, und die dickeren Nadeln führen dazu, dass zu viel Impfstoff verloren geht.

0,3 Milliliter Impfstoff des Pfizer/Biontech-Impfstoffs muss ein Mensch erhalten, damit die Wirkung des Impfstoffs offiziell anerkannt wird. Die Schweiz hat Spritzen gekauft, mit denen 2 Milliliter Flüssigkeit aufgezogen werden kann.

«Salz mit Körperwaage abmessen»

«Mit einer 2-Milliliter-Spritze können sie keine 0,3 Milliliter-Dose aufziehen», sagt Ärztin Salomé Courvoisier. Und ein Zürcher Arzt zieht den Vergleich: «Es ist, wie wenn Sie das Salz beim Spaghetti-Kochen mit einer Körperwaage abmessen müssen».

Mittlerweile liefert die Armeeapotheke zwar filigranere Spritzen mit 0,1 Milliliter Fassungsvermögen. Das Problem mit den dicken Nadeln bleibt vorerst aber ungelöst. An einer Onlineschulung habe der Kantonsärztliche Dienst Zürichs die Ärzte angewiesen, eigene Nadeln zu verwenden, berichten die Zeitungen von Tamedia.

Der Kanton Zürich sagt dazu: Wegen Rückmeldungen von Ärzten habe man eine Methode aufgezeigt, mit der es gelinge, sechs Dosen zu gewinnen, so die Gesundheitsdirektion. Beim zweiten Impfstoff von Moderna wird sich das gleiche Problem nicht stellen. Sie werden mit einer «zusätzlichen Überfüllung» geliefert.

Deine Meinung

356 Kommentare
Kommentarfunktion geschlossen

B. Kerzenmacher

02.02.2021, 15:21

Die Zeit, in der Globalisierung vor allem eine wundersame Vermehrung von Freiheit, Mobilität, Absatzmärkten und Arbeitskräften bedeutete, ist jetzt definitiv vorbei.

Saltto

02.02.2021, 14:53

Wer wägt beim Spaghettikochen Salz ?

Mcmosi

02.02.2021, 13:18

Warum bin ich nicht überrascht?