Aktualisiert 16.06.2019 18:07

Schweizer Reederei unter Beschuss

Zu diesen Hungerlöhnen arbeitet die Schiffscrew

Die Schweizer Reederei Viking Cruises gerät erneut unter Beschuss. Die Besatzung klagt über Tiefstlöhne für die harte Arbeit an Deck.

von
miw
1 / 28
Ende Mai kam es auf der Donau in Budapest zu einem tödlichen Schiffsunfall. Ein Flussschiff der Basler Reederei Viking rammte ein kleineres Touristenschiff.

Ende Mai kam es auf der Donau in Budapest zu einem tödlichen Schiffsunfall. Ein Flussschiff der Basler Reederei Viking rammte ein kleineres Touristenschiff.

Zsolt Szigetvary
Dieses sank innert nur wenigen Sekunden, mehrere Touristen starben.

Dieses sank innert nur wenigen Sekunden, mehrere Touristen starben.

epa/Peter Lakatos
Jetzt ist die Firma des Unfallschiffs, die Basler Reederei Viking Cruises, unter Beschuss: Ehemaligen Mitarbeitern sprechen von zu langen Arbeitszeiten.

Jetzt ist die Firma des Unfallschiffs, die Basler Reederei Viking Cruises, unter Beschuss: Ehemaligen Mitarbeitern sprechen von zu langen Arbeitszeiten.

epa/Zoltan Mathe

Die Bilder des tödlichen Schiffunfalls unter Schweizer Flagge auf der Donau in Budapest beschäftigten. Schnell kam die Firma des Unglücksschiffs, die Basler Reederei Viking Cruises, unter Beschuss: Ehemalige Mitarbeiter sprachen von deutlich zu langen Arbeitszeiten.

Jetzt kommen neue Missstände ans Licht: Während sich Passagiere auf Deck sonnen, in luxuriösen Suiten erholen und im Bordrestaurant die Bäuche vollschlagen, arbeitet die Schiffscrew der Schweizer Reederei Viking River Cruises zum Hungerlohn. Obwohl es sich eigentlich um einen Schweizer Arbeitgeber handelt, orientiert sich das international tätige Unternehmen am deutschen Minimallohn von 9,19 Euro pro Stunde brutto – tiefere Löhne sind ebenfalls möglich.

Trinkgeld wird eingestrichen

In der «Sonntagszeitung» macht ein ehemaliger Viking-Mitarbeiter seinen Monatslohn publik: Lediglich 2200 Franken habe er für die intensive Arbeit als Matrose erhalten. Abgezogen davon hätte ihm die Schweizer Firma monatlich zudem 450 Franken für Kost und Logis. Die anfallenden Reisekosten zum Hafen musste er aus eigener Tasche berappen.

Passagiere, die den Lohn der dienstfertigen Besatzung mit Trinkgeldern aufbessern möchten, können wenig bewirken: Viking sackt seit 2019 den Batzen gleich selber ein. Die Firma bestreitet dies gegenüber der «Sonntagszeitung», bestätigt aber, dass sie die Trinkgelder nun als «Lohnbestandteil» auszahlt.

Niedriglöhne sind die Norm

Auch auf Kreuzfahrten anderer Firmen arbeitet die Crew zu Niedriglöhnen. Angestellte verdienen monatlich zwischen 800 und 1200 Euro. «Die Löhne sind ausbeuterisch», heisst es so bei der Seefahrer-Gewerkschaft Nautilus International.

Fehler gefunden?Jetzt melden.