Aktualisiert 27.06.2014 23:25

Thorberg-AffäreZu freizügig: Kritik an Polizeidirektor Käser

Der bernische Polizei- und Militärdirektor Hans-Jürg Käser steht in der Kritik: Er hätte «gewisse Details» aus dem Privatleben des freigestellten Thorberg-Direktors Georges Caccivio nicht bekanntgeben dürfen.

Es gelte, zwischen den Interessen des Kantons Bern als Arbeitgeber und den privaten Interessen des Betroffenen abzuwägen, sagte der der Geschäftsleiter des Bernischen Staatspersonalverbands (BSPV), Matthias Burkhalter, am Freitagabend im Regionaljournal Bern Freiburg Wallis von Radio SRF. Caccivio habe kein Verbrechen begangen. Vielmehr handle es sich aus seiner Sicht um «Lappalien».

Klar müsse man «gewisse Sachen vielleicht anders überlegen», wenn man in der Öffentlichkeit stehe, sagte der SP-Grossratweiter. «Aber das Privatleben ist das eine, die Aufgabenerfüllung das andere.»

FDP-Regierungsrat Käser sagte dazu am Freitagabend auf Anfrage, er habe im Februar 2014 die Freistellung Caccivios ja begründen müssen. Da Caccivio Kontakte ins Milieu gepflegt habe, sei der Thorberg-Direktor erpressbar geworden, und das sei eine unmögliche Situation.

Fall fürs Gericht?

Das Regionaljournal berichtete mit Berufung auf Caccivio selber, dieser sei gar nicht mehr krankgeschrieben, wie FDP-Regierungsrat Käser noch am Donnerstag gesagt hatte. Er, Caccivio, wolle wieder für den Kanton Bern arbeiten.

Käser machte diese Aussagen bei der Vorstellung der Administrativuntersuchung des Strafvollzugsexperten Benjamin Brägger zu den Vorwürfen an die Leitung der Strafanstalt Thorberg und zum Anstellungsverfahren von Caccivio.

Brägger hatte am Donnerstag vor den Medien in Bern unter anderem gesagt, die Besuche Caccivios auf dem Bieler Drogenstrich seien «äusserst unprofessionell» gewesen. Sie hätten Caccivios Integrität völlig zerstört und zudem dem Ruf des Berner Freiheitsentzugs geschadet.

Caccivio wollte am früheren Freitagabend auf Anfrage gegenüber der Nachrichtenagentur SDA diese vom Radio wiedergegebene Aussage nicht mehr bestätigen. Er sage gar nichts mehr, ausser dass es für ihn wichtig sei, dass Brägger nichts strafrechtlich Relevantes und keine Verstösse gegen kantonale Gesetze oder Vorschriften geltend mache. Die Anwälte seien nun am Zug.

Käser sagte der Nachrichtenagentur SDA, weil es sich um ein laufendes Verfahren handle, könne er zur Arbeitsfähigkeit oder -unfähigkeit Caccivios nichts sagen.

Burkhalter sagt, eventuell entscheide letztlich das kantonale Verwaltungsgericht. Wenn der Kanton Bern Caccivio kündige, könne nämlich der Entscheid angefochten werden. Wenn es danach nicht zu einer Einigung komme, müsse das Gericht beurteilen, ob der freigestellte Thorberg-Direktor noch tragbar sei oder nicht. (sda)

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