Stimmen zum Abschuss: «Zu früh – M13 war kein Problembär»
Aktualisiert

Stimmen zum Abschuss«Zu früh – M13 war kein Problembär»

Die Reaktionen der Bevölkerung in Poschiavo GR sind gespalten. Zum einen bedauert man den Abschuss von M13. Zum anderen ist man froh, dass er nun keine Gefahr mehr darstellt. Deutliche Worte findet der WWF.

von
Andreas Bättig

Kaum aus dem Winterschlaf erwacht, sorgte M13 in den vergangenen Tagen für Schlagzeilen. Auf seiner Streiftour durch das Dorf Miralago auf dem Puschlaver Boden zeigte er immer weniger Scheu vor den Menschen und verfolgte gar die 14-Jährige Emina. Das war genug für die Behörden. Gestern Dienstagmorgen wurde M13 erschossen.

In Puschlav bedauert die Bevölkerung den Abschuss des Bären. So sagt Beatrice Krähenbühl, Besitzerin des Restaurants Miralago: «Wir hätten schon probieren können, mit dem Wildtier zusammenzuleben. Aber auf der anderen Seite sind wir auch froh, dass M13 nicht mehr da ist.» Denn die Bevölkerung habe gerade nach den letzten Vorkommnissen Angst gehabt. Auch auswärtige Gäste hätten immer wieder gefragt, ob der Bär noch in der Region sei. «Manche kamen wegen des Bären vorläufig nicht zu uns.»

Am Abend hatte man Angst

Auch Francis Knebel, Besitzer des Restaurants Altavilla in Poschiavo, bedauert den Abschuss. «Es ist ein Wildtier, das man nicht jeden Tag sieht. Man hätte ihn doch lieber versetzen sollen.» Für Knebel ist aber ebenfalls klar: «Ihn vor Ort zu lassen, war keine Option. Im Dorf hatte man speziell abends Angst.»

Cassiano Luminati, Präsident des Regionalverbands Val Poschiavo, hat heute morgen vom Abschuss erfahren. «Es tut mir leid, dass es so weit kommen musste», sagt Luminati. Kritik übt er vor allem an der schlechten Vorbereitung der Bevölkerung auf den Bären. «Wir müssen die Leute ausbilden und ihnen sagen, wie man mit einem Bären in der Region umgehen muss. Denn der nächste kommt bestimmt. Die Auseinandersetzung hat gefehlt.»

Harsche Kritik des WWF

Das sieht der WWF gleich. «Der Abschuss erfolgte eindeutig zu früh – viel besser hätte man die Vergrämungsmassnahmen intensiviert und fortgeführt», sagt WWF-Bärenexpertin Joanna Schönenberger in einer Medienmitteilung. M13 sei im Gegensatz zu JJ3 sicher kein Problembär gewesen. Dass er jetzt sterben musste, habe vor allem mit der tiefen Bären-Akzeptanz im Puschlav zu tun – und dies sei wiederum eine Folge mangelnder Information der Bevölkerung.

(Video: Keystone)

Deine Meinung