Wandern in der Stadt: Zu Fuss durch Zürich
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Wandern in der StadtZu Fuss durch Zürich

Das etwas andere Wanderbuch führt nicht auf hohe Gipfel und durch tiefe Täler, sondern mitten durch Zürich. Gespickt mit Geschichten aus der Limmatstadt begeistert das Werk auch Wandermuffel.

von
Susanne Lüthi

Das Buch «Wandern in der Stadt Zürich» (siehe Info-Box) begrüsst seine Leser mit einer Stadtumrundung, die der Fotograf Marco Volken bei Sonnenaufgang um 05.25 beim Hafen Tiefenbrunnen begann und 52 Kilometer später, bei Sonnenuntergang um 21.26 Uhr beim Horn von Wollishofen beendet hat – 15 Stunden, während denen Volken diverse Stationen seiner Route fotografierte.

Dass man die grösste Schweizer Stadt nicht nur umrunden, sondern dass es auch in ihr und quer durch sie Pfade gibt, die zu bewandern sich lohnen, erfährt der Leser, wenn er weiterblättert. Die Autoren Ursula Bauer, Jürg Frischknecht und Marco Volken haben 16 Routen ausfindig gemacht, die den Wandervogel durch das pulsierende Zürich West, vom Norden in den Süden, um das Seebecken herum, entlang Limmat und Sihl oder hinauf auf den Uetliberg führen. Am Rande der Wege gibt es architektonische Sonderheiten, Weinberge, Galloway-Rinder und auch noch Roman Signers Koffer zu entdecken (siehe Bildstrecke).

Andere Länder, andere Sorgen

Spaziert wird durch exotische Gärten, auf Moränenhügeln aus der Eiszeit und vorbei an den Feldern der Stadtbauern. Und, Stärkung muss sein, immer wieder gerne hinein in die gemütlichen Gartenwirtschaften. Dort werden die Beine ausgestreckt und die Nasen am Besten ins Wanderbuch gesteckt, um eine der vielen spannenden Anekdoten zu lesen.

Zum Beispiel die kleine Geschichte über ein Schild, das beim Werdhölzi steht. Darauf prangen die Lettern: «RESERVAT Die Waldung Werdhölzli ist Pflanzen- und Vogelschutzreservat. Unberechtigten ist das Betreten bei Polizeibusse verboten. Der Polizeivorstand der Stadt Zürich». Datiert ist die Weisung mit dem 16. August 1945. Halb Europa lag in Schutt und Asche, in der Woche zuvor hat Amerika zwei Atombomben auf Japan abgeworfen und am Vortag hat Japan kapituliert. Andere Länder, andere Sorgen.

Keine Fragen mehr offen

Alle Routen sind mit Fotos und Kartenausschnitten bebildert und ausführlich beschrieben. So weiss man vor dem Abmarsch, ob die Wander- den Turnschuhen vorzuziehen sind und wie lange die Füsse in diesen stecken werden. Und auch, ob man Zeit für einen allfälligen Museumsbesuch einplanen muss oder im Rucksack ein wenig Platz lassen sollte für einen kleinen Einkauf im Hoflädeli eines Biobauernhofs. Wer Picknicken will, findet ein gäbiges Plätzli, und wer genug gewandert ist die Verbindungen des öffentlichen Verkehrs.

Dass das Buch auf über 300 Seiten Dicke kommt liegt daran, dass darin so viele Informationen stecken, dass am Schluss wohl keine Frage, die man sich über Zürich von gestern oder heute noch stellen könnte, offen bleibt: Was die drei roten Steine in der Sihl bedeuten, wo die Stadt am schnellsten wächst und warum früher im Herbst die Schweine in den Hönggerwald getrieben wurden. Natürlich nicht dem Vergnügen zu liebe, sondern damit sie von den fetten Eicheln assen und selber dick und rund wurden.

Nachahmer erwünscht

Der einzige Nachteil des Buches liegt auf der Hand: Es beschränkt sich auf die Stadt Zürich. Bleibt also zu hoffen, dass das Trio Bauer, Frischknecht und Volken bald wieder die Wanderschuhe schnürt und sich in andere Städte der Schweiz aufmacht, damit wir auch diese (neu) entdecken können.

Wandern in der Stadt Zürich

Ursula Bauer, Jürg Frischknecht, Marco Volken

328 Seiten mit Stadtplänen und Serviceteil

ISBN 978-3-85869-481-2

CHF 39,00

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