San Marino: Zu Gast in der Schiessbude Europas
Aktualisiert

San MarinoZu Gast in der Schiessbude Europas

San Marino ist die älteste Republik der Welt, bietet Historie, Kirchen, Museen und Palazzi - und ist die Schiessbude Europas im Fussball.

von
Eva Tedesco

Rang 208 und Schlusslicht (zusammen mit Bhutan) in der Fifa-Weltrangliste - San Marino ist die schlechteste Fussball-Nationalmannschaft der Welt. Der Kleinstaat mit einer Geschichte, die angeblich bis ins Jahr 301 zurückgeht, hat 32'000 Einwohner, 15 Fussballplätze, 16 Vereine mit zirka 1500 Aktiven. Eine Nationalmannschaft haben die San-Marinesi seit 1986. Das erste offizielle Spiel hat die Auswahl übrigens gegen die Schweiz ausgetragen.

Am 14. November 1990 verlor San Marino gegen Sutter, Sforza, Chapuisat und Co. 0:4. Überhaupt hat San Marino in den 125 Länderspielen bisher 121 verloren, 3 endeten remis. Der einzige Sieg datiert vom 28. April 2004 gegen Liechtenstein (1:0). Die Schiessbude Europas hat in diesen Spielen insgesamt 542 Tore kassiert und nur 20 erzielt. Und dennoch ist es ein San-Marinese, der bis heute das schnellste Tor in einem Fifa-Wettbewerb geschossen hat: Am 17. November 1993 traf Davide Gualtieri nach einem verunglückten Rückpass von Englands Stuart Pearce nach 8,3 Sekunden zur san-marinesischen Führung. England siegte am Ende 7:1.

Praktisch nur Amateure im Einsatz

Das grosse Ziel der San-Marinesi ist, endlich den verhassten letzten Platz in der Weltrangliste zu verlassen. Kein einfaches Unterfangen, wenn man sich als Zwergstaat ausgerechnet auf dem stärksten Fussball-Kontinent der Welt zu behaupten versucht. In Asien oder Ozeanien, gegen Teams wie Papa-Neuguinea, Kambodscha oder Dschibuti liessen sich wohl eher Punkte generieren als gegen England, Deutschland oder Belgien.

Zumal bei San Marino praktisch nur Amateure spielen. Zusätzlich schwierig macht, dass man im Zwergenstaat auf einer «identità pura» besteht - auf Einheimische. Die Angst vor Überfremdung im Briefmarken- und Steuerparadies macht eine Einbürgerung sehr schwierig. Die Auswahl an Nationalspielern ist deshalb sehr klein.

Schweiz will Torflaute beenden

Entmutigen lassen sich die San-Marinesi deshalb noch lange nicht. Man hat sich daran gewöhnt, zu verlieren. Remis wie das 0:0 gegen die Türkei 1993 und das 2:2 im gleichen Jahr gelten schon als Erfolg. Tore gegen England werden wie ein Weltmeister-Titel gefeiert. Ein Remis gegen die Schweiz wäre ein Triumph und ein weiterer Grund zum Feiern. Der Partie am Dienstag kann das Schlusslicht der Fifa-Weltrangliste gelassen entgegensehen, schliesslich hat es nichts zu verlieren.

Der Druck liegt beim Gegner. Die Schweiz, die nach zwei Spielen noch keinen Sieg und kein Tor auf dem Konto hat, muss ihren Fehlstart in die EM-Qualifikation korrigieren und kann dabei nur verlieren. Selbst bei einem Sieg kann sie nichts gewinnen, zumal er gegen die Schiessbude der Welt Pflicht und normal ist.

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