Spielplatz Adliswil : Zu gefährlich – Dampflok muss entsorgt werden
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Spielplatz Adliswil Zu gefährlich – Dampflok muss entsorgt werden

In Adliswil spielen seit 30 Jahren Kinder auf einer alten Dampflok. Nach einer Sicherheitsprüfung ist das aber plötzlich zu gefährlich. Nun muss sie weg.

von
som
Schulpräsident Raphael Egli bedauert es, dass die Loki weg muss.

Schulpräsident Raphael Egli bedauert es, dass die Loki weg muss.

Sie ist das beliebte Spielgerät in Adliswil und Kinder turnen seit Generationen auf ihr herum: Eine alte Dampfloki bei der Freizeitanlage Werd. Nun hat die Schulgemeinde die ausrangierte Sihltalbahn-Dampflok von einer externen Firma prüfen lassen, da sie bei Unfällen haftbar gemacht werden könnte. Dabei stellte sich heraus, dass die Lok zu gefährlich ist (siehe Box). Deshalb muss sie entsorgt werden.

Andrea Stebler, Freizeitleiterin auf der Anlage Werd, bedauert das sehr, wie sie auf Anfrage sagt: «Die Lok ist unser Wahrzeichen.» So viele Kinder kletterten auf ihr herum: «Wenn sie weg ist, wird Adliswil ganz schön langweilig.» Ebenfalls sei in den 30 Jahren, in denen die Lok auf der Anlage steht, nach ihrem Wissen nie etwas passiert: Und selbst wenn, meint Stebler: «Es kann überall zu Unfällen kommen.» Ein paar Schrammen gehören ihrer Meinung nach zum Aufwachsen dazu: «Wie sollen die Kinder sonst lernen, mit Gefahren umzugehen?» Zwar ist ihr bewusst, dass die Lok renoviert werden muss: «Das Dach ist rostig und sonst hat sie ein paar Löcher.» Offenbar fehle aber das Geld dafür.

«Renovation ist teurer als ein neuer Spielplatz»

Dass eine komplette Renovation teurer wäre als ein neuer Spielplatz, bestätigt Raphael Egli, Schulpräsident und Adliswiler Stadtrat. Zudem würde die Lok nach all den angeordneten Sicherheitsmassnahmen nicht mehr die alte sein, sagte er zum «Tages-Anzeiger».

Unter anderem müsste der Boden um die Lokomotive mit Fallschutzplatten versehen werden und es käme ein Kaminaufbau hin, um den Kindern den Aufstieg zu verwehren. Zudem sollten die vorderen Puffer entfernt und einzelne Zwischenräume bei den Rohrleitungen mit einer Blende geschlossen werde. Auch die Fenster würden laut Egli verschlossen. Weil sich die Kleinen an den beweglichen Teilen der Lok einklemmen könnten, müssten auch diese fixiert werden.

Viele Sicherheitsmassnahmen

Das von der Schulgemeinde Adliswil beauftragte Atelier für bauliche Sicherheit Walter Gautschi aus Bassersdorf hat die Lokomotive entsprechend der Europäischen SpielplatzNorm «Spielgeräte und Spielplatzböden» unter die Lupe genommen und ist zu folgendem Schluss gekommen: Bei einem Sturz von der Loki sei der Boden ungenügend gedämpft. Die maximal erlaubte Fallhöhe dürfe drei Meter nicht übersteigen – die Lok ist jedoch 3.45 Meter hoch. Zudem sei bei Naturböden ohne Falldämmplatten nur eine Fallhöhe von 100 Zentimetern zulässig. Auch ein Sturz vom Tank sei nicht auszuschliessen sowie Unfälle beim Aufstieg auf die kantigen Trittflächen, die Rohrleitungen, Armaturen und Puffer. An einzelnen Rohren könnten sich die Kinder mit den Füssen verfangen und beim Einsteigen durch die Fenster auf die hinteren Puffer fallen. Die Massnahmen zur Behebung dieser Gefahren würden fast 40'000 Franken kosten, ohne die 60 Quadratmeter Fallschutzplatten, die es laut EU-Norm am Boden rund um die Lokomotive braucht.

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