Aktualisiert 24.07.2014 09:50

Blue Balls Festival

Zu James Blunt tanzt man auch im Sitzen

Am Mittwoch brachte James Blunt in Luzern die Damenwelt zum Schmachten. Aber auch für die Herren der Schöpfung stand mit Rita Ora ein Leckerbissen auf dem Programm.

von
Neil Werndli

Halbzeit am Blue Balls Festival: Nach Gigs unter anderem von Ed Sheeran, Nina Nesbitt und The Hives standen am Mittwoch zwei weitere Headliner auf dem Programm.

James Blunt - Schmusebarde wider Willen - eröffnete den Abend im bestuhlten Konzertsaal. Rita Ora hingegen liess im Luzernersaal die Sau raus.

«Ich weiss, ihr seid wegen den traurigen Songs hier»

Stühle sind bei James-Blunt-Konzerte eher unüblich. Normalerweise spielt der Mann in Stadien. Der Gig am Blue Balls vor 1500 Leuten war einer der kleinsten seiner Tour. «Wir waren mit dieser Show auf der ganzen Welt und es war immer eine Riesenproduktion - ausser hier», sagte er zur Begrüssung.

Die intime Atmosphäre passte: Zwar trat Blunt in klassischer Rockformation auf, seine grössten Songs bleiben aber fragile Balladen wie «High» oder «You're Beautiful».

Der 40-Jährige hat über die Jahre gelernt, sein Image als Schmusebarde zu akzeptieren. Blunt, der auf Twitter regelmässig seine eigene Musik runtermacht, sah es auch am Blue Balls mit Selbstironie: «Das war jetzt ein glücklicher Song», sagte er nach dem tanzbaren «Postcards». «Ich weiss: Eigentlich seid ihr wegen den traurigen hier.»

Anfangs hatte Blunt Mühe, die Atmosphäre aufzulockern. Erst kurz vor Schluss riss es dann doch noch den ganzen Saal von den Stühlen: Als der Star durch die Reihen rannte und sich umarmen liess. Als hätte Blunt höchstpersönlich den Startschuss gegeben, stürmte nun eine Horde Fans nach vorne und versammelte sich vor der Bühne - ab jetzt durfte getanzt werden. Und das Publikum war schon bereit für die Standing Ovations.

Rita Ora ganz goldig

Schon während des Intros vor Rita Oras Auftritt knisterte es im Luzernersaal. Es war der erste grosse Schweizer Gig für Jay-Zs Zögling, dementsprechend enthusiastisch wurde Rita Ora gefeiert, als sie die Bühne betrat, von Kopf bis Fuss in Gold: goldenes Kleid, goldenes Halsband, glitzernde Haare - als hätte Louis XIV. ihr Outfit ausgesucht.

Eine herrlich ironische Szene: Als ein Mann im Publikum fragt, ob Rita ihn heiraten will, fragt die Dame in Gold: «Hast du Geld? Dann heirate ich dich. Ich bin nämlich arm!» Im Popbusiness ist nun einmal nicht alles, was glänzt, gleich Gold.

Die blonde Schönheit strahlte trotzdem auf der Bühne. Treffenderweise fragt sie: «Seid ihr bereit, unterhalten zu werden?» Rita Ora bietet eine starke, unterhaltsame Popshow, ohne zu dick aufzutragen. Über den musikalischen Gehalt lässt sich streiten: Ohne Backgroundsänger wäre Ritas Stimmchen stellenweise wohl ganz schön dünn und wenn sie in «Uneasy» auf Trommeln haut, sieht das auch noch nicht ganz so routiniert aus.

Die Background-Band gibt den Songs dafür ein neues Flair. «Hot Right Now» etwa mutiert live von einem kühlen Electro-Song zu einem Rockmonster. Rita Ora ist wohl auch die Einzige, die von einem Coldplay-Cover («Magic») nahtlos in ein Beyoncé-Cover («Drunk in Love») übergehen darf.

Luzern hat Rita Ora an einem spannenden Punkt in ihrer Karriere gesehen. Sie ist auf dem Weg, ein Pop-Spektakel aufzuziehen, aber noch nicht so weit, dass sie sich selber langweilt.

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