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Berner OberlandZu laut für die Nachbarn – Paar verschenkt seinen Güggel

Ein junges Paar aus dem Berner Oberland sucht über Facebook ein neues Daheim für seinen Hahn. Dessen Krähkonzert geht den Nachbarn auf den Wecker und reisst die Bäcker im Dorf aus dem Schlaf.

Speedy krähte gern laut und oft – auch manchem Nachbarn war dabei zum Schreien zumute.

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Darum gehts

  • Ein Paar aus dem Berner Oberland verschenkt seinen einjährigen Gockel.
  • Die Nachbarn nervten sich über dessen häufige und laute Kikeriki-Rufe.
  • Für den temperamentvollen Hahn dürfte bereits ein neues Plätzchen gefunden sein.

Speedy ist ein handzahmer und lieber Güggel. Einer, den man hochheben und in den Arm nehmen kann, oder wie es Halterin Nicole Wirz in breitem Berndeutsch ausdrückt: der sich gerne «hämpfelen» lässt. «Wenn man ihn eine Weile streichelt, schliesst er seine Äuglein und schläft fast ein. Das ist mega härzig», schwärmt die 24-Jährige, die sich zusammen mit ihrem Freund Kevin Rubin (29) in Reichenbach BE um das einjährige Tier kümmert.

Doch wie der Name bereits andeutet, hat Speedy auch eine temperamentvolle Seite. Er sei ein Energiebündel und ständig am Herumrennen, erzählt Wirz. Vor allem aber verfüge er über ein imposantes Stimmorgan: «Er kräht laut und oft, ja eigentlich von morgens bis abends.» Berüchtigt seien seine «Alarmschreie», die er jeweils von sich gebe, wenn ihn etwas ängstige oder erschrecke. «Er gibt dann erst Ruhe, wenn wir nach ihm sehen.»

«Lästig, wenn immer einer kräht»

Das passt nicht allen. Direkte Reklamationen aus der Umgebung seien zwar keine eingegangen, räumt Wirz ein. Jedoch habe man den Nachbarn angemerkt, dass sie sich an Speedys Kikeriki-Rufen stören. Wirz hat dafür Verständnis: «Wenn man sich im Garten unterhält, und einer kräht nebenan die ganze Zeit, ist das schon lästig.» Da hätten auch die Eier nur bedingt geholfen, die man den Anwohnern zur Beschwichtigung vorbeigebracht habe. Zudem wohnten Bäcker in der Nähe, die nachmittags ihren Schlaf bräuchten.

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Speedy lässt sich gern in den Arm nehmen. «Wenn man ihn eine Weile streichelt, schliesst er seine Äuglein und schläft fast ein», erzählt Halterin Nicole Wirz.

Speedy lässt sich gern in den Arm nehmen. «Wenn man ihn eine Weile streichelt, schliesst er seine Äuglein und schläft fast ein», erzählt Halterin Nicole Wirz.

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Doch der Gockel hatte auch Temperament, krähte laut und oft.

Doch der Gockel hatte auch Temperament, krähte laut und oft.

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Den Nachbarn gefiel das nicht. Deshalb hat das Paar entschieden, das Tier wegzugeben.

Den Nachbarn gefiel das nicht. Deshalb hat das Paar entschieden, das Tier wegzugeben.

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Daher hat das Paar schweren Herzens beschlossen, seinen Liebling, der als einziger von sechs Küken im Brutkasten überlebt hatte, wegzugeben. Auf einer einschlägigen Bauernseite auf Facebook hat es am Donnerstag einen Aufruf gestartet. Doch wer sich nun bereits auf den jungen Gockel freut, muss enttäuscht werden: Für Speedy dürfte bereits ein Plätzchen gefunden sein. Eine Frau aus dem Raum Konolfingen habe sich bereit erklärt, ihn aufzunehmen. «Wir gehen heute noch vorbei, bis jetzt klingt alles sehr vielversprechend», sagt Wirz.

Ganz aus den Augen verlieren wollen Wirz und Rubin ihren Güggel aber nicht: «Wir haben mit unserer potenziellen Nachfolgerin vereinbart, dass wir Speedy ab und zu besuchen dürfen.»

Die innere Uhr des Güggels

Woher weiss ein Hahn, wann es Zeit für das morgendliche Krähkonzert ist? Jedenfalls nicht vom ersten Tageslicht, wie japanische Wissenschaftler vor einigen Jahren bei Hähnen im Labor festgestellt haben. Bei einem zwölfstündigen Wechsel zwischen hellem und gedämpftem Licht, das den natürlichen Unterschied zwischen Tag und Nacht imitierte, krähten die Tiere regelmässig etwa zwei Stunden vor Sonnenaufgang. Hielten die Forscher die Gockel 24 Stunden im Dämmerlicht, krakeelten sie aber weiterhin zur gewohnten Zeit. Das Krähen wird demnach durch eine innere Uhr gesteuert, nicht durch äussere Reize, folgerten die Wissenschaftler. Übrigens: Hähne krähen auch, wenn sie das Kikeriki eines Artgenossen hören. Die Forscher zeigten, dass aber auch dieses «Reiz-induzierte Krähen» von der inneren Uhr abhängt. Denn es funktionierte vor allem in den Morgenstunden.

(sul)

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55 Kommentare
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rumpli

05.06.2020, 16:33

kinder sind den nachbarn zu laut, parr verschenkt kinder🙈. menschen verblöden immer mehr. bringen wir alle tiere um, hat ein teil der menschen seine ruhe 🤮🤮🤮

Rolf

05.06.2020, 16:30

An alle die das gekrähe als unstörend herunterspielen . So ein Tier gehört nicht in ein Quartier. wer es selbst erlebt hat, mit dem gekrähe um 04.00 Uhr neben dem Schlafzimmer versteht den Unmut. Ich bin auf dem Land aufgewachsen und liebe die Natur. Viele Schreiber hier beteiligen sich da an Diskussionen und Themen die sie selbst gar nicht erlebt, und entsprechend auch nicht nachvollziehen können . Ist nicht despektierlich gemeint.

Huhn

05.06.2020, 16:30

Schade, dass man die schwierigen Menschen, die ihren Nachbarn für nichts das Leben schwer machen, nicht einfach verkaufen kann...