Sleep Divorce: Deswegen schlafen Paare in getrennten Betten
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Sleep Divorce«Zu mir oder zu dir ins Schlafzimmer?»

Trotz Beziehung getrennt schlafen? So handhaben es einige unserer Leser*innen – und das kann der Beziehung helfen, aber auch schaden, wie eine Paartherapeutin erklärt.

von
Deborah Gonzalez
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Eins von zehn Paaren soll sich dafür entschieden haben, getrennt zu schlafen. Auch unter der 20-Minuten-Community gibt es einige Leser*innen, die nicht zusammen schlafen.

Eins von zehn Paaren soll sich dafür entschieden haben, getrennt zu schlafen. Auch unter der 20-Minuten-Community gibt es einige Leser*innen, die nicht zusammen schlafen.

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Bei manchen ist Schnarchen das Problem, bei anderen die verschiedenen Uhrzeiten – egal, ob es um die Schlafens- oder Aufstehzeit geht.  

Bei manchen ist Schnarchen das Problem, bei anderen die verschiedenen Uhrzeiten – egal, ob es um die Schlafens- oder Aufstehzeit geht.  

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Getrennt voneinander zu schlafen, kann positive aber auch negative Auswirkungen auf die Beziehung haben, weiss Margareta Hofmann von Paarberatung und Mediation im Kanton Zürich.

Getrennt voneinander zu schlafen, kann positive aber auch negative Auswirkungen auf die Beziehung haben, weiss Margareta Hofmann von Paarberatung und Mediation im Kanton Zürich.

Privat

Darum gehts

  • «Sleep Divorce» wird es genannt, wenn Paare sich bewusst dafür entscheiden, das Bett nicht miteinander zu teilen.

  • Laut einer Umfrage zieht eines von zehn Paaren es vor, getrennt voneinander zu schlafen.

  • Auch einige unserer Leser*innen gehören dazu. Die Gründe sind verschieden: von Schnarchen bis Zappeln im Schlaf.

  • Paartherapeutin Margareta Hofmann findet «Sleep Divorce» eine gute Lösung, die in manchen Fällen sogar die Beziehung retten kann.

«Das Bedürfnis, gemeinsam zu schlafen, geht sehr weit zurück: Bereits in der Steinzeit haben Menschen in Gruppen geschlafen, um Schutz und Nähe zu suchen», erklärt Daniela Janssen, Somnologin im Zentrum für Schlafmedizin in Hirslanden. Trotzdem gibt es Paare, die sich aktiv dafür entscheiden, das Bett nicht miteinander zu teilen. Sie führen eine Beziehung, schlafen aber getrennt. Dieses Phänomen, das laut einer Umfrage der «National Sleep Foundation» bei einem von zehn Paaren vorkommt, hat einen Namen: «Sleep Divorce», also «Schlafscheidung».

Das gemeinsame Schlafen

Somnologin Daniela Janssen weist auf verschiedene Studien hin, die zeigen, dass Frauen objektiv gesehen besser alleine schlafen. Subjektiv gesehen schlafen sie dennoch lieber mit einem*r Partner*in gemeinsam. Bei den Männern sieht es anders aus: Sie sind in ihrem Schlaf weniger störbar und schlafen deshalb objektiv wie auch subjektiv besser mit dem*r Partner*in im selben Bett. 

Auch in der 20-Minuten-Community gibt es Paare, die sich dazu entschieden haben, die Nächte alleine zu verbringen. Dazu gehört die 35-jährige Ursina: «Mein Partner und ich sind seit elf Jahren glücklich zusammen. Wir schlafen seit drei Jahren in getrennten Betten.» Grund dafür sei sein lautes Schnarchen und die ungleichen Zubettgeh- und Aufstehzeiten. Der Beziehung schade es jedoch nicht: «Wir sind der Überzeugung, dass es unsere Partnerschaft nur besser macht, wenn wir beide gut schlafen können und nicht zwanghaft versuchen, dem Klischee getreu in einem Bett zu schlafen. Kuscheln können wir auf dem Sofa genug und der Sex kommt auch nicht zu kurz – es tut der Liebe gut!»

«Seinen eigenen Ort zu haben, wirkt erotisch»

Dass getrennte Schlafzimmer nicht bedeutet, dass damit die sexuelle Anziehung erlischt, weiss Paarberaterin Margareta Hofmann: «Es kann die erotische Spannung und die Lust auf den jeweils anderen fördern.» Seinen eigenen Ort zu haben und sich gegenseitig einladen zu können, wirke erotisch, so die Paartherapeutin weiter.

«Paare können Regeln aufstellen oder sich sagen: ‹Wir kuscheln, bevor wir schlafen gehen› oder ‹Wir machen wöchentlich ein intimes Paardate›. Alleine die Frage ‹zu mir oder zu dir?› – wenn auch ‹nur› ins Schlafzimmer – ist sehr erotisch.» Im Falle des 29-jährigen Simon hat «Sleep Divorce» sogar die Beziehung gerettet: «Als meine Freundin und ich das Bett teilten, waren wir ständig am Streiten. Seitdem wir getrennt schlafen, ist die Laune gut, die Gesundheit besser und die Beziehung wieder in Ordnung.»

Getrennte Betten können auch Entfremdung hervorrufen

Getrennte Betten können laut Hofmann jedoch auch eine negative Auswirkung haben: «Wenn ein Mangel an Zärtlichkeit und emotionaler Nähe besteht und das gemeinsame Bett verlassen wird, fördert das die Entfremdung. Es ist ein zusätzlicher Keil in der Beziehung und die Chance auf gelebte Sexualität sinkt.»

Doch was ist, wenn ein Part getrennt schlafen möchte, sich aber nicht traut, dies anzusprechen? «Hier hilft ein gutes Gespräch mit Begründung. Beide Parteien sollten die Bedürfnisse nach Nähe, Distanz und Eigenraum verstehen. Sollte es keine Einigung geben, müssen Kompromisslösungen gesucht werden», rät Hofmann. Silvan und seine Freundin haben eine solche Lösung gefunden. Der 32-Jährige erzählt: «Unter der Woche schlafen wir in getrennten Betten. Wir haben einfach einen sehr unterschiedlichen Biorhythmus. Und weil wir uns aber so sehr lieben, quälen wir uns nicht gegenseitig, sondern schlafen einfach getrennt.» 

Hast du Fragen zu Beziehung, Liebe oder sexueller Gesundheit?

Hier findest du Hilfe:

Lilli.ch, Onlineberatung

Tschau, Onlineberatung

Feel-ok, Informationen für Jugendliche

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

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