«Time-out»: Zu müde, zu ängstlich und völlig chancenlos
Aktualisiert

«Time-out»Zu müde, zu ängstlich und völlig chancenlos

Fribourg-Gottéron war gegen Team Canada chancenlos (1:5). Aber von den Torhütern war Benjamin Conz besser als NHL-Star Corey Schneider.

von
Klaus Zaugg

Die grosse, mächtige Hockeymaschine des HC Fribourg-Gottéron funktioniert nur bei schönem Wetter reibungslos. Tanzen, wenn die Beine nicht zu schwer sind. Wenn der Gegner auch tanzt. Wenn europäisch gespielt wird. Wenn die Gegner vertraute Namen tragen. Wenn Biel und Langnau, wenn Davos und die Lakers kommen. Oder die spielerischen Schillerfalter aus Russland. Oder wenn die Deutschen nicht mehr die Kraft haben, um hart auszuteilen.

Aber wenn es wirklich drauf ankommt, dann verliert Fribourg-Gottéron. Das war schon während den russischen Flugjahren mit Slawa Bykow und Andrej Chomutow so. Und das ist heute, eine Generation später mit Andrej Bkyow immer noch so.

Ist die welsche Hockey-Kultur schuld?

Dürfen wir nach diesem 1:5 gegen Team Canada sagen, dass Gottéron die Hosen voll hatte? Und dürfen wir all die Vorurteile gegen die welsche Hockeykultur zelebrieren?

Wir sollten nicht. Denn dieses Team Canada ist nicht nur das talentierteste, das je beim Spengler Cup gespielt hat. Es ist vor allem von zwei Coaches geführt, die sehr genau wissen, worauf es taktisch ankommt. Die Kanadier haben seit 2007 dieses Turnier nicht mehr gewonnen, weil die Coaches keine Ahnung von den Anforderungen auf diesem Niveau hatten, sich gar nicht richtig mit der Sache beschäftigten und von «Hockey Canada» mit einem Reisli nach Davos belohnt wurden. Coaches wie Craig McTavish oder Mark Messier. Aber jetzt werden die Kanadier von Doug Shedden und Chris McSorley, von zwei charismatischen, mit den Anforderungen dieses Turniers sehr wohl vertraute Bandengenerälen gecoacht.

Eine Mischung aus Nervosität, Respekt und Müdigkeit

Gottérons Trainer Hans Kossmann sagte, es sei gar nie gelungen, das Spiel, die Offensive in Gang zu bringen. Die Müdigkeit habe beim dritten Spiel in drei Tagen auch eine Rolle gespielt – vor allem gegen einen so starken Gegner. Die Spieler seien vor allem am Anfang zu nervös gewesen und hätten zu viele Fehler gemacht. Verteidiger Michael Ngoy räumte ein, man habe wohl etwas zu viel Respekt gehabt.

Die Spieler standen nicht kampfbereit auf den Zehenspitzen. Sondern ängstlich auf den Fersen. Sie fuhren ängstlich zur Seite statt sich in die Schüsse zu werfen. Den Zweikämpfen wichen sie, wenn immer möglich aus. Ein bekannter Trainer, dessen Name mir soeben entfallen ist, brachte diese Furcht vor dem Zweikampf auf den Punkt: «Die Welschen decken halt lieber den freien Raum als hart auf den Mann zu spielen.» Ein sehr starker Gegner, Müdigkeit, zu viel Respekt, bei diesem oder jenem sogar ein bisschen Angst – all das führte zu einem enttäuschenden, emotionslosen Spiel das schliesslich in eine klare 1:5-Niederlage mündete.

Gottéron war trotzdem eine Bereicherung

Aber Fribourg-Gottéron hat den Spengler Cup mit seiner welschen Kultur bereichert und deshalb ist es nicht so schlimm, dass wir dieses oder jenes Vorurteil gegen die welsche Hockeykultur ein wenig bestätigt sehen. Cheftrainer Hans Kossmann hat noch viel Arbeit, wenn er aus seinen Paradiesvögeln ein Meisterteam machen will. Immerhin hat er jetzt beim Spengler Cup gesehen, dass Benjamin Conz der bessere Goalie ist als Corey Schneider, der zu den besten NHL-Torhütern zählt. Mit Conz gewann Gottéron zweimal, mit Schneider verlor es zweimal. Wenn jemand die ewige Verliererkultur Gottérons in der Meisterschaft verändern kann, dann ist es Torhüter Benjamin Conz.

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