Aktualisiert 31.01.2012 20:08

Adliswil ZH

Zu parteiische Zeugen

Laut Anklage hat ein Adliswiler Abwart eine an Krücken gehende Autolenkerin verprügelt. Nicht zu beweisen, befand das Obergericht, das zwei Belastungszeugen als zu parteiisch einstufte.

von
Attila Szenogrady

Gute Nachrichten für einen heute 57-jährigen Schreiner und Ex-Abwart aus Adliswil. Er ist heute nicht nur von einer gefährlichen Krankheit geheilt, sondern wurde auch am Dienstag vom Zürcher Obergericht vom Vorwurf der Körperverletzung umfassend freigesprochen.

Im letzten Juli sah es für den Adliswiler noch erheblich schlimmer aus. So litt er damals an Speiseröhre-Krebs und wehrte sich vergebens gegen ein Urteil des Bezirksgerichts Zürich. Dieses hatte ihn für eine gewalttätige Attacke gegen eine an Krücken gehende Autolenkerin zu einer bedingten Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu 20 Franken verurteilt.

Streit nach Fotoaufnahme

Der eingeklagte Vorfall ging auf den 19. Februar 2010 zurück. Damals arbeitete der Beschuldigte als Abwart auf einem Areal in Leimbach. Er wurde misstrauisch, als plötzlich eine Automobilistin mit einem teuren Mercedes vorfuhr und ihren Wagen neben einigen Occasionsautos abstellte. Er fotographierte das Fahrzeug der verdächtigen Person. Worauf die heute 37-jährige Frau ebenfalls zu ihrem Handy griff und den Angeklagten ablichtete.

Fest steht, dass es kurz darauf zu einem heftigen Streit zwischen den Beteiligten kam.

Danach gingen die Versionen weit auseinander: Laut Anklage verliess die an Krücken gehende Innerschweizerin ihren Wagen und wollte vom Adliswiler wissen, was los sei. Worauf er ihr mit seiner Faust gegen ihre Schläfe schlug, sie an den Haaren riss und ihren kleinen Finger nach hinten bog.

Zuerst ein Schuldspruch

Der verzeigte Abwart beteuerte im vergangenen Sommer vor dem Bezirksgericht Zürich seine Unschuld. Die Frau sei wie eine Furie auf ihn losgegangen, sagte er aus. Zudem bezeichnete er zwei Belastungszeugen als gekauft. So hatten die beiden Angehörigen der Punkerszene den Angeklagten belastet. Das Bezirksgericht kam deshalb zu einem Schuldspruch, worauf der Adliswiler Berufung einlegte.

Zu parteiische Belastungszeugen

Das Obergericht hob nun den Schuldspruch tatsächlich auf. Im Vordergrund stand dabei die fragliche Rolle der wohl zu parteiischen Belastungszeugen. So hatten die beiden Hausbesetzer den Abwart zur Tatzeit attackiert und zusammengeschlagen. Was in der Folge zu einem Schuldspruch gegen das Duo wegen Körperverletzung geführt hatte.

Hinzu kamen widersprüchliche Aussagen der Geschädigten, die zuerst angab, an der Schläfe getroffen worden zu sein. Danach erklärte sie, dass sie vom Angeklagten einen Schlag gegen den Kiefer erhalten hatte. Für das Obergericht lagen zu viele Ungereimtheiten vor. Was zur völligen Entlastung des Adliswilers führte.

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