Winterthur ZH: Zu spät zum lieben Gott gefunden
Aktualisiert

Winterthur ZHZu spät zum lieben Gott gefunden

Ein Westafrikaner hat die Winterthurer Drogenszene mit über fünf Kilogramm Kokain beliefert. Dafür erhielt er am Donnerstag vom Zürcher Obergericht eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren.

von
Attila Szenogrady

Es war 1. Februar 2009, als die Zürcher Polizei im Rahmen ihrer Aktion «Everest» am Gipfel ihrer Ermittlungen angelangt war. Die Drogenfahnder nahmen in einer Wohnung in Neftenbach einen 40-jährigen Nigerianer sowie einen Kokainkurier fest. Dem afrikanischen Mieter gelang es noch, unmittelbar vor seiner Verhaftung 37 Fingerlinge mit Kokain in seiner Toilette zu entsorgen. Allerdings konnten die Polizisten im Magen-Darmtrakt des Transporteurs noch 54 Fingerlinge mit rund 500 Gramm Kokain sicherstellen.

Über fünf Kilogramm Kokain abgesetzt

Als die Staatsanwaltschaft im September 2009 Anklage erhob, war klar, dass der Angeschuldigte zwischen Oktober 2008 bis zu seiner Verhaftung in der Winterthurer Drogenszene über fünf Kilogramm Kokain abgesetzt und über 30 000 Franken Umsatz erzielt hatte. Der Familienvater hatte dabei die wichtige Funktion einer Drehscheibe eingenommen. So nahm er jeweils die aus Spanien angereisten Drogenkuriere in seiner Wohnung in Empfang. Worauf die Gäste die Kokainfingerlinge auf dem WC ausschieden und danach dem Angeklagten übergaben.

Bereits fünf Jahre in Winterthur kassiert

Der geständige Angeschuldigte wurde bereits im letzten November vom Bezirksgericht Winterthur zu einer hohen Freiheitstrafe von fünf Jahren verurteilt. Die Verteidigung legte Berufung ein und verlangte am Donnerstag vor dem Zürcher Obergericht eine deutliche Strafsenkung auf noch drei Jahre teilbedingt. Davon sollte der Angeklagte nur die Hälfte verbüssen.

Vergebens zum lieben Gott gefunden

Der Angeklagte zeigte sich reumütig und erklärte, dass er ein neues Leben begonnen und im Gefängnis zum lieben Gott gefunden habe. Der Verteidiger verwies zudem auf die todkranke Mutter seines gläubigen Klienten.

Allerdings liessen sich die Oberrichter nicht erweichen. Sie sprachen von einer erheblichen kriminellen Energie des bereits einschlägig vorbestraften Kokaindealers. Er habe sich alles andere als auf der untersten Stufe der internationalen Organisation befunden, erklärte der Gerichtsvorsitzende Peter Marti. Es blieb damit bei den fünf Jahren Freiheitsentzug. Die Berufungskosten von 3000 Franken wurden vom Obergericht abgeschrieben.

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