Jerusalem: Zu Tisch bei Juden, Christen und Arabern
Publiziert

JerusalemZu Tisch bei Juden, Christen und Arabern

Chefköche sind die neuen Rockstars Israels. Mit der Neuinterpretation von Hummus, Shakshuka und Strudel gelingt ihnen, was Politikern schwerfällt.

von
Y. Di Mambro
In Israel haben sie den Status von Rockstars: Assaf Granit (links) und Uri Navon, die Chefköche des Machneyuda in Jerusalem. Granits Vorfahren sind Aschkenasim (Juden aus Ost- und Mitteleuropa), Navons Vorfahren sind Palästinenser.

In Israel haben sie den Status von Rockstars: Assaf Granit (links) und Uri Navon, die Chefköche des Machneyuda in Jerusalem. Granits Vorfahren sind Aschkenasim (Juden aus Ost- und Mitteleuropa), Navons Vorfahren sind Palästinenser.

Yahav Yaakov Photography
Assaf Granit (40) wurde u. a. durch seine Koch-TV-Shows bekannt.

Assaf Granit (40) wurde u. a. durch seine Koch-TV-Shows bekannt.

Yahav Yaakov Photography
Machneyuda, sein erstes Restaurant, das Granit mit zwei Geschäftspartnern führt, ist das trendigste Restaurant Jerusalems. Beim Essen können die Gäste den Köchen bei der Arbeit zusehen. Die Wartezeit für eine Tischreservation beträgt zwei bis drei Monate.

Machneyuda, sein erstes Restaurant, das Granit mit zwei Geschäftspartnern führt, ist das trendigste Restaurant Jerusalems. Beim Essen können die Gäste den Köchen bei der Arbeit zusehen. Die Wartezeit für eine Tischreservation beträgt zwei bis drei Monate.

Machneyuda Group

Ein Weg, vier Welten: Die Altstadt von Jerusalem, die knapp einen Quadratkilometer misst, ist in ein jüdisches, christliches, muslimisches und armenisches Quartier geteilt. Hier leben Menschen unterschiedlicher Religionen in Frieden, auch wenn sie keinen grossen Kontakt miteinander pflegen. Für die Sicherheit der Einwohner und der rund 3,5 Millionen Touristen, die sich jedes Jahr durch die engen Gassen der Altstadt drängen, sorgen Militärs und Polizisten.

Die heilige Stadt der Juden, Christen und Muslime

Christliche Pilger zieht es in die Grabeskirche, wo Jesus gekreuzigt und gestorben sein soll. Unter der Kirche, die Kaiser Konstantin im Jahr 326 bauen liess, soll das Felsengrab gelegen haben, aus dem der Heiland von den Toten auferstand. Heute teilen sich sechs Konfessionen den heiligen Ort: Griechisch-Orthodoxe, Katholiken, Armenier, Kopten, Äthiopier und Syrisch-Orthodoxe.

Muslime besuchen die Al-Aqsa-Moschee auf dem Tempelberg. Von hier aus soll Mohammed im Jahr 623 nach Christus auf dem Rücken des geflügelten Pferdes Buraq seine Himmelsreise angetreten haben. Der Tempelberg ist die drittwichtigste heilige Stätte des Islam nach Mekka und Medina. Nichtmuslime haben keinen Zutritt zur Moschee.

Am Tempelberg steht auch das wichtigste Heiligtum der Juden: die Klagemauer. Es ist die westliche Stützmauer des jüdischen Tempels, der 70 nach Christus von den Römern zerstört wurde. An der Klagemauer wird getrennt gebetet: links, im grösseren Abschnitt, die Männer, rechts die Frauen.

Chefköche aus Jerusalem erobern London, Paris und New York

Am politischen Verhandlungstisch herrscht in Bezug auf den Status von Jerusalem noch keine Einigkeit. Am Esstisch hingegen schon: Junge Köche aus Jerusalem, die wie Rockstars verehrt werden, nehmen die Rezepte ihrer nach Israel eingewanderten Grosseltern und der in Jerusalem lebenden Palästinenser auf, mixen sie und geben ihnen einen modernen Touch, zum Beispiel Falafel und Hummus (Ägypten), Boureka (Türkei), Shakshuka (Tunesien), Matbukha (Maghreb), Sabich (Iran) und Strudel (Österreich/Ungarn).

«Als Kind ass ich am Sabbat Couscous, obwohl meine Grossmutter aus Polen stammte; ihre Nachbarin hingegen, eine Marokkanerin, servierte ihren Kindern gehackte Leber, ein Gericht aus Osteuropa», sagt Assaf Granit, der bekannteste TV-Chefkoch Israels, zu 20 Minuten. Mit seinem Geschäftspartner Uri Navon, einem Chefkoch, der aus einer palästinensischen Familie stammt, besitzt der 40-Jährige neun Restaurants in Jerusalem, zwei in London und eines in Paris. Sie stehen bei Gourmets, Fashionistas und Hipstern hoch im Kurs und wurden auch schon ausgezeichnet. Der Jerusalemer Chefpatissier, Kochbuchautor und Restaurantbesitzer Yotam Ottolenghi ist in Grossbritannien und den USA seit 15 Jahren Kult, während der Chefkoch Eyal Shani erfolgreiche Restaurants in Tel Aviv, New York, Paris, Wien und Melbourne besitzt.

Zwei bis drei Monate Wartezeit für einen Tisch beim tätowierten Chefkoch in Jerusalem

Gibt es eine Definition für die israelische Küche? «Dafür ist es noch zu früh», sagt Assaf Granit. «Der Staat Israel ist erst 80 Jahre alt. Unsere Küche ist ein Mix aus vielen Kulturen. Junge Chefköche geben diesem Mix eine moderne Note. So koche ich zum Beispiel die klassische kurdische Suppe Kubbeh und füge ihr Muscheln bei. Das ist zwar nicht koscher, aber die Kombination aus saurer Suppe, Petersilie und Muscheln ist ausgezeichnet.» Sein erstes Restaurant, Machneyuda genannt, ist das erfolgreichste der Stadt und liegt mitten im gleichnamigen Markt, wo alle Köche Jerusalems einkaufen. «Der Machane-Yehuda-Markt ist wie die israelische Küche», erklärt der tätowierte Chefkoch. «Bunt, multikulturell und vor allem laut.»

Reise-Infos

Frühling und Herbst sind die beste Jahreszeit, um Jerusalem zu besuchen. Christliche und jüdische Feiertage sollten aufgrund des Touristenansturms und der hohen Hotelpreise gemieden werden. Schweizer Bürger brauchen für die Einreise nach Israel kein Visum. Der Reisepass muss aber bei der Rückreise noch sechs Monate gültig sein.

Diese Reise wurde vom israelischen Ministerium für Tourismus unterstützt.

Deine Meinung