ETH-Studie: Zu viel Fast Food schädigt das Gehirn Jugendlicher
Aktualisiert

ETH-StudieZu viel Fast Food schädigt das Gehirn Jugendlicher

Eine neue Studie der ETH zeigt: Essen Heranwachsende über längere Zeit fettreich, kann dies gravierende Folgen für die Persönlichkeit und beim Lernen haben.

von
V. Fehlmann
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Essen Heranwachsende über längere Zeit Fettreiches, kann das Auswirkungen auf die Entwicklung eines Teils ihrer Hirnrinde haben.

Essen Heranwachsende über längere Zeit Fettreiches, kann das Auswirkungen auf die Entwicklung eines Teils ihrer Hirnrinde haben.

Keystone/Martin Ruetschi
Ein Experiment mit Mäusen von Forschenden der ETH und Uni Zürich zeigte, dass kognitive Defizite entstehen können.

Ein Experiment mit Mäusen von Forschenden der ETH und Uni Zürich zeigte, dass kognitive Defizite entstehen können.

Keystone/Gian Ehrenzeller
Wichtig ist deshalb, nicht zu viele gesättigte Fette zu sich zu nehmen. Bekannt dafür ist Fast-Food-Essen. Doch auch in der heimischen Küche sind die Fette zu finden.

Wichtig ist deshalb, nicht zu viele gesättigte Fette zu sich zu nehmen. Bekannt dafür ist Fast-Food-Essen. Doch auch in der heimischen Küche sind die Fette zu finden.

Keystone/Alessandro Della Bella

Ginge es nach vielen Kindern und Jugendlichen, würde Fast Food regelmässig auf dem Speiseplan stehen. Doch gerade das kann für sie weitreichende Folgen haben, wie Forscher der ETH und der Universität Zürich herausfanden. Konsumieren sie über längere Zeit zu viele Fette, könne «es im Erwachsenenalter zu Defiziten bei Hirnfunktionen kommen», so das Ergebnis der Studie, die jetzt in der Fachzeitschrift «Molecular Psychiatry» veröffentlicht wurde.

Die Forscher haben die Auswirkungen von fettreichem Essen an Mäusen getestet. Die Ergebnisse sind laut Urs Meyer, Studienleiter und Professor an der Universität Zürich, auf den Menschen übertragbar. «Schon nach vier Wochen beobachteten die Forschenden bei den Jungtieren, die fettreiche Nahrung erhielten, erste kognitive Defizite», heisst es in einer Mitteilung der ETH.

«Szenario ist beim Menschen möglich»

Dass es bei Jugendlichen bereits nach so kurzer Zeit zu solchen Folgen kommt, ist allerdings unwahrscheinlich: Die Mäuse erhielten rund 60 Prozent der Kalorien in Form von Fetten. «Das ist etwa doppelt so viel wie in einer typischen Junk-Food-Nahrung enthalten ist», erklärt Meyer. «Zum Beispiel besteht eine typische amerikanische ‹Junk-Food-Diät› aus 50 Prozent Kohlenhydraten, 15 Prozent Proteinen und 35 Prozent Fett.» Derart fettreich wie die Labormäuse würden wohl nur die wenigsten Kinder und Jugendlichen essen, so Meyer.

Ausgeschlossen ist es aber nicht. Meyer rechnet vor: «Um vergleichbare Effekte beim Menschen zu erhalten, müssten Kinder und Jugendliche ein- bis zweimal täglich übermässig fettreiche Nahrung zu sich nehmen. Dieses Szenario ist durchaus möglich, wenn man bedenkt, dass Fast Food wie Burger und Pommes relativ günstig und leicht erhältlich ist.»

Erwachsene Mäuse verfetteten

Die Studie deutet erstmals darauf hin, dass Kinder und Jugendliche besonders gefährdet sind, weil sich ihre Stirnhirnrinde noch im Wachstum befindet. Dieser Teil des Gehirns ist laut Meyer verantwortlich für Gedächtnis, Planung, Impulskontrolle und Sozialverhalten. Wird er bei einem Menschen beeinträchtigt – etwa durch einen Unfall oder einen Tumor –, kann es zu Mühe bei komplexen Lernprozessen, unkontrollierter Aggression und Triebhaftigkeit kommen. Auch kindisches Verhalten und der Verlust von Hemmungen sind möglich.

Bei den erwachsenen Versuchstieren waren die Veränderungen im Gehirn nicht so eindeutig. «Das schliesst allerdings nicht aus, dass fettreiche Nahrung nicht auch die Gehirne von erwachsenen Mäusen schädigen kann», so Meyer. Während der Studie zeigten sich bei ihnen allerdings andere Folgen: Die Tiere verfetteten.

Einmal pro Woche Fast Food ist erlaubt

Meyer rät, der Ernährung von Heranwachsenden mehr Beachtung zu schenken. Denn die Schuld für Produkte mit hohem Gehalt an gesättigten Fettsäuren an Fast-Food-Läden abzuschieben, wäre falsch. Sie können genauso «aus Mutters Küche» stammen, erklärt Meyer.

Während der Adoleszenz sollten Kinder und Jugendliche deshalb möglichst ausgewogen und hochwertig essen. Ausnahmen seien jedoch erlaubt: «Wer einmal pro Woche fettreichen Fast Food isst, wird kaum betroffen sein», so Meyer. Wichtig sei, den relativen Gehalt an gesättigten Fettsäuren im Rahmen zu halten. Einen klaren Grenzwert, wie viel zu viel ist, konnten die Forschenden mit der Studie jedoch nicht eruieren.

Übergewicht bei Schweizern

In der Schweiz sind rund 20 Prozent der Kinder und Jugendlichen übergewichtig oder adipös. Bei den Erwachsenen sind es rund 41 Prozent – Tendenz steigend. Das zeigen Zahlen, des Bundesamts für Gesundheit (BAG) von 2012. Einer aktuellen Befragung von 2000 erwachsenen Schweizern zufolge sind gar 44 Prozent von Übergewicht betroffen, teilte das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) Anfang November mit. Gründe für einen zu hohen BMI gibt es verschiedene: Individuelle Probleme wie mangelnde Bewegung, Ernährung oder psychologische sowie physiologische Aspekte. Doch auch Arbeitsumgebung, Raumplanung, Mobilität, Lebensmittelindustrie und Werbung können das Gewicht beeinflussen.

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