New York City: «Die Stadt, die niemals schläft» hat genug vom Verkehrslärm

Publiziert

New York City«Die Stadt, die niemals schläft» hat genug vom Verkehrslärm

Sirenen, Gehupe, röhrende Autos: Schon seit Jahrzehnten ächzen viele New Yorkerinnen und New Yorker unter dem Krach auf der Strasse. Jetzt wollen die Behörden gegen laute Fahrzeuge vorgehen.

1 / 5
In New York City ist immer was los. Sei es entweder während der Rush Hour auf den Strassen oder … 

In New York City ist immer was los. Sei es entweder während der Rush Hour auf den Strassen oder … 

IMAGO/onemorepicture
… an Feiertagen auf der Fifth Avenue. Es ist meistens sehr laut. 

… an Feiertagen auf der Fifth Avenue. Es ist meistens sehr laut. 

IMAGO/Pacific Press Agency
Auch wird immer irgendwo gebaut. Der Lärmpegel ist vielen New Yorkerinnen und New Yorkern zu hoch. 

Auch wird immer irgendwo gebaut. Der Lärmpegel ist vielen New Yorkerinnen und New Yorkern zu hoch. 

IMAGO/Levine-Roberts

Darum gehts

  • New York City ist auch als «Stadt, die niemals schläft» bekannt.

  • Dementsprechend ist es auch sehr laut in der US-Metropole.

  • Die Behörden möchten jetzt zumindest gegen laute Fahrzeuge vorgehen.

Nach der relativen Ruhe während der Pandemie ist New York zu seiner gewohnten Lautstärke zurückgekehrt. Presslufthämmer, hupende Autos und Trucks, rumpelnde U-Bahnen, Sirenen und Geschrei beschallen die Stadt. Bemühungen, die Kakofonie zu dämpfen, gab es im Laufe der Jahre zuhauf. Einer der jüngsten Versuche: Die Behörden stellten Verkehrskameras auf, die den Lärm messen und getunte Autos und Motorräder identifizieren, die die zulässigen Geräuschpegel überschreiten.

Während einer einjährigen Pilotphase des Systems haben bereits mindestens 71 Fahrerinnen und Fahrer deswegen Strafzettel bekommen. Die Umweltschutzbehörde der Metropole will jetzt den Einsatz von Lärmmess-Apparaten am Strassenrand ausweiten. «Fahrzeuge mit illegal umgebautem Auspuff, die extrem laut sind, sind in den vergangenen Jahren zu einem wachsenden Problem geworden», erklärt Stadtrat Erik Bottcher. Er begrüsst die Aufstellung der neuen Radargeräte in seinem Bezirk.

Bis zu 800 Dollar Busse bei Verstoss

New York City hat bereits eine der umfassendsten Lärmschutzverordnungen in den gesamten USA. Für viele Krachmacher wie Presslufthämmer und Autos gelten zulässige Höchstwerte. Mit einem neuen Gesetz wurden im Frühjahr vergangenen Jahres die Bussgelder für das Frisieren von Fahrzeugen angehoben.

Da die Polizei aber häufig andere Prioritäten hat, sind Verstösse bisher oft nicht geahndet worden. Die neuen Geräte registrieren nun jedoch ähnlich wie Blitzer direkt das Nummernschild. Schon für den ersten Verstoss droht eine Geldstrafe von 800 Dollar (rund 735 Franken). In Paris hatten die Behörden vor einem Jahr an einigen Strassen ähnliche Geräte installiert.

«Lärmbelastung erhöht das Risiko für chronische Krankheiten»

Lärm schädigt Studien zufolge nicht nur das Gehör, sondern beeinflusst auch die Stimmung und die psychische Gesundheit der Menschen – ganz zu schweigen von einem möglichen Zusammenhang zu Herzerkrankungen und erhöhtem Blutdruck. «Der Lärm da draussen geht nonstop – die Hupen, die Lastwagen, die Sirenen», klagte Bürgermeister Eric Adams kürzlich. «Lärmbelastung erschwert den Schlaf und erhöht das Risiko für chronische Krankheiten.»

Bereits vor fast zehn Jahren hatte einer von Adams’ Vorgängern, Bürgermeister Michael Bloomberg, dem Krach den Kampf angesagt. In einem 45-seitigen Papier wurden Vorschriften erlassen, die unter anderem regelten, wie lange Eiswagen klingeln und Hunde bellen dürfen.

Schlaglöcher seien «schlimmer als Lärm»

Das jetzige Vorgehen gegen laute Fahrzeuge geht manchen aber zu weit. Der Autoliebhaber Phillip Franklin aus der Bronx startete eine Online-Petition gegen die Lärmschutzgesetze der Stadt. Lärm sei «Teil unseres Lebensalltags» in New York, heisst es in der Petition. Leise Fahrzeuge seien zudem eine Gefahr für unaufmerksame Fussgängerinnen und Fussgänger. «Schlaglöcher zu stopfen ist viel wichtiger als gegen laute Autos vorzugehen», sagte Franklin in einem Interview.

Nach Ansicht des Wissenschaftlers Juan Pablo Bello vom Projekt «Sound of New York City» haben sich viele New Yorkerinnen und New Yorker mit der Lautstärke abgefunden – und ziehen sie der Stille der Corona-Zeit vor. «Ich glaube, die Leute haben die Tatsache anerkannt, dass es eine chaotische, laute Stadt ist», sagt er. 

In der Schweiz fehlen Grenzwerte

An einer Tagung der Lärmliga in Bern wurde im November 2022 der neue Lärmblitzer «Hydra» vorgestellt. Die Blitzer seien in Frankreich bereits ab 2023 im Einsatz, messen mit fünf Mikrofonen namens «Medusa» die Geräusche und blitzen zu laute Fahrzeuge.

Vertreter von Behörden, unter anderem der Kantone Bern, Basel, Luzern, St. Gallen, Appenzell Ausserrhoden, Waadt oder Wallis und der Städte Lausanne, Zürich und Winterthur, liessen sich über die Arbeitsweise und Technik des «Akustik-Blechpolizisten» informieren. In den Kantonen, aber auch innerhalb der Stadtgrenzen denke man darüber nach, solche Geräte aufzustellen, so die Lärmliga damals in einer Medienmitteilung. 

Weder in Frankreich noch in der Schweiz gibt es eine Lärmobergrenze, die für alle Fahrzeuge gilt. Generell gilt, je jünger ein Fahrzeug ist, umso weniger laut darf es sein. Auch beeinflussen die Geschwindigkeit, der Strassenbelag und der Wind, wie laut ein Fahrzeug ist, wie die SRF-«Tagesschau» berichtet.

Keine News mehr verpassen

Mit dem täglichen Update bleibst du über deine Lieblingsthemen informiert und verpasst keine News über das aktuelle Weltgeschehen mehr.
Erhalte das Wichtigste kurz und knapp täglich direkt in dein Postfach.

(dpa/fos)

Deine Meinung

38 Kommentare