Aktualisiert 06.07.2016 11:25

Kampf den KalorienZu viel Zucker und Fett – Glace aus Badi verbannt

Die US-Stadt Boulder verkauft in Badeanstalten keine Eiscreme-Sandwiches mehr. In Philadelphia führt der Feldzug gegen Kalorien zu neuen Steuern.

von
sut
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Kinder und Glace: Das passt gut zusammen. Doch in Boulder, Colorado, wird der Verkauf gewisser Glacesorten in öffentlichen Parks und Schwimmbädern untersagt. (Symbolbild)

Kinder und Glace: Das passt gut zusammen. Doch in Boulder, Colorado, wird der Verkauf gewisser Glacesorten in öffentlichen Parks und Schwimmbädern untersagt. (Symbolbild)

Yui Mok
Boulder ist eine gepflegte, grüne Stadt am Westfuss der Rocky Mountains in Colorado.

Boulder ist eine gepflegte, grüne Stadt am Westfuss der Rocky Mountains in Colorado.

Wikipedia
Nach Auffassung der Stadtoberen überschreiten Glace-Sandwiches und Nestlé-Cornets die zulässigen Mengen von Zucker und Fett. (Symbolbild)

Nach Auffassung der Stadtoberen überschreiten Glace-Sandwiches und Nestlé-Cornets die zulässigen Mengen von Zucker und Fett. (Symbolbild)

epa/Andy Rain

Boulder weiss besser als Eltern, was für deren Kinder gut ist. Seit diesem Sommer verkauft die wohlhabende Mittelklassestadt im US-Gliedstaat Colorado in ihren öffentlichen Badeanstalten und Parks keine Neapolitan Ice Cream Sandwiches mehr und auch keine Drumstick-Cornets von Nestlé. Die beliebten Glaceprodukte enthalten mehr Zucker und Fett, als die von den Stadtoberen verfügten Richtlinien zulassen.

«Wir wollen, dass die Kids eine gesunde Auswahl treffen können», sagte Alison Rhodes, die Leiterin der Bezirksdienste, zur Website «Daily Camera». «Wir sind nicht nur jene, die Orte für Spass und und Vergnügen bereitstellen. Wir haben auch die Aufgabe, die Gesundheit der Gemeinschaft zu verbessern.»

«Es macht mich traurig»

Andrew Gafford sieht das nicht ein. Der knapp achtjährige Junge sagte während eines Besuchs im Spruce Pool von Boulder zu «Daily Camera,» er erinnere sich mit Wehmut, dass er früher immer Glace-Sandwiches gegessen habe. «Etwa damals, als ich eines ganz langsam ass, es schmolz und über mich lief. Es macht mich traurig, wenn ich das erzähle.»

In einem Leserbrief wird Klein-Andrew noch deutlicher: «Come on, Boulder, lass die Kids in Ruhe!», fordert der Knirps. «Kinder bewegen sich ständig, besonders an einem Pool. Wir wollen bloss die Möglichkeit haben, manchmal ein Eiscreme-Sandwich zu essen.»

Kinder sitzen mehr

Doch Rhodes und die Verwalter der Parks bleiben hart. Sie verweisen darauf, dass zum Beispiel Wasserglace am Stiel immer noch verkauft werde. Und Diätlimiten gälten auch für Schokoriegel und andere Snacks, sagt sie. Dass in Boulder viel Sport getrieben wird, lässt sie nicht gelten. «Kinder sitzen heute viel mehr als früher. Deshalb standen wir vor der Frage: Was können wir anders machen?»

Philadelphia gesellt sich zu jenen Städten, die im Kampf gegen Fettleibigkeit den Geldbeutel einsetzen. Im Juni führte die Stadt an der US-Ostküste eine Soda Tax ein, die kohlensäurehaltige Süssgetränke mit einer Extrasteuer belegt. Eingefordert werden 1,5 Cent pro Unze Getränk, was 30 Rappen pro 33 cl entspricht. Der Sondersteuer sind auch künstlich gesüsste Sprudelgetränke unterworfen.

Übergewicht trotz weniger Süssgetränken

Eine vergleichbare Steuer wurde in den USA erstmals im kalifornischen Berkeley eingeführt. In anderen Städten wird sie ebenfalls erwogen, nicht zuletzt weil ihr Erlös Löcher in den Staatskassen zu stopfen hilft. In Bezug auf das Übergewicht ist die Wirksamkeit der Soda Tax jedoch kaum nachweisbar. Wie «Reason» ausführt, ist in den USA der Konsum von Süssgetränken seit den 1990er-Jahren um ein Viertel zurückgegangen. Dennoch sind Amerikanerinnen und Amerikaner übergewichtiger denn je.

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