Aktualisiert 19.08.2009 21:24

Uni Bern in der KritikZu viele deutsche Professoren

Fast die Hälfte der Professoren an der Uni Bern sind Ausländer. Werden die Schweizer Anwärter benachteiligt?

von
Patrick Marbach

«Offenbar haben Einheimische kaum noch Chancen auf eine akademische Karriere», stellt EVP-Grossrat Daniel Steiner fest. Die Zahl der deutschen Professoren hingegen hat sich an der Uni Bern in den letzten Jahren auf über 100 verdoppelt. «Viele von ihnen haben auch noch ihre Assistenten mitgebracht», sagt Steiner. Durch solche Seilschaften würden bestens qualifizierte Schweizer Akademiker kaltgestellt und aus ihren Jobs gedrängt. Steiner, selbst Dozent an einer Fachhochschule, hat sich nun mit einer Anfrage an den Regierungsrat gewandt. Er bezweifelt, dass die Chancengleichheit beim Ausschreibungs- und Berufungsverfahren der Professorenposten gewahrt ist.

«Wir haben weniger ausländische Dozenten als die meisten anderen Schweizer Hochschulen», kontert der Berner Uni-Rektor Urs Würgler. Der Forschungs­standort könne sein hohes Niveau nur durch fähige Professoren aus dem Ausland halten. Auch die Konkurrenz schlafe nicht: «Zum Teil zahlt die Privatwirtschaft schon für blutige Anfänger extrem hohe Löhne.» Zudem ist Würgler überzeugt, dass die internationale Durchmischung an der Uni auch von Vorteil ist: «Die Wissenschaft lebt sogar von diesem Austausch.»

Beschwerde gegen Leitung

Nicht nur um die deutschen Professoren, sondern auch um die Zukunft der Sozialwissenschaften wird an der Uni Bern hart gerungen: Die

StudentInnenschaft hat eine aufsichtsrechtliche Beschwerde gegen die Universitätsleitung eingereicht. Diese habe den neuen Studienplan in Kraft gesetzt, obwohl er grobe recht­liche Fehler enthalte. Besonders störend sei, dass die Neustu­dierenden bisher nicht über ­ihre Zwangsumstufung informiert worden seien.

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