Lager fast leer: Zu Weihnachten droht ein Butter-Notstand
Aktualisiert

Lager fast leerZu Weihnachten droht ein Butter-Notstand

Die Butter-Bestände in der Schweiz schrumpfen zusehends. Die Knappheit kommt ausgerechnet zur Guetsli-Zeit.

von
Dominic Benz
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In der Schweiz sinken die Butter-Bestände zusehends. Die Knappheit kommt zu einer ungünstigen Zeit.

In der Schweiz sinken die Butter-Bestände zusehends. Die Knappheit kommt zu einer ungünstigen Zeit.

Keystone/Georgios Kefalas
Die Weihnachtszeit naht. Dann ist Guetzli-Zeit und der Butter-Bedarf steigt daher deutlich an.

Die Weihnachtszeit naht. Dann ist Guetzli-Zeit und der Butter-Bedarf steigt daher deutlich an.

Keystone/Sebastien Anex
In der Industrie ist der Verbrauch von Butter hoch.

In der Industrie ist der Verbrauch von Butter hoch.

Keystone/Sebastien Anex

Bald hat das Grittibänz- und Guetsli-Backen wieder Hochkonjunktur. Eine der wichtigsten Zutaten für die süssen Backwaren ist Butter. Doch gerade jetzt wird diese in der Schweiz knapp. Der Schweizer Bauernverband (SBV) schlägt darum Alarm: «Wenn die Butterproduktion nicht schnell gesteigert wird, sind die Lager bald leer», sagt Martin Rufer, der beim SBV das Departement Produktion, Märkte und Ökologie leitet.

Tatsächlich gebe es in den Lagern nur noch rund 1000 Tonnen Butter. «Die Bestände sind gegenüber dem Vorjahr rund 80 Prozent oder um 5000 Tonnen gesunken», so Rufer.

«Ohne Milch gibt es keine Butter»

Schuld an der Knappheit ist vor allem der tiefe Milchpreis, mit dem die Bauern seit langem kämpfen. Die Landwirte würden mit Milch nichts mehr verdienen. Daher hätten sie immer weniger Interesse am Milchgeschäft. «Ohne Milch gibt es keine Butter», resümiert Rufer.

Darum fordert der Bauernverband neben höheren Milchpreisen auch eine Preisanpassung bei der Butter – gerade wegen der Butter-Knappheit. Dann würden die Bauern auch an der Butter mehr verdienen.

Massiver Preisanstieg im Ausland

Für die bessere Entlöhnung der Bauern müssten aber die Butterproduzenten und die verarbeitende Industrie wie Backwaren-Hersteller mitspielen. «Die Industrie müsste den Butterproduzenten höhere Preise bezahlen. Diese wiederum müssten den Bauern dann die Preiserhöhung weitergeben», fordert Rufer. Doch Industrie und Butterproduzenten würden das momentan verhindern.

So hat sich laut Bundesamt für Landwirtschaft in den letzten vier Jahren der Schweizer Konsumentenpreis für Butter kaum verändert. Ganz anders im Ausland: In Deutschland stieg der Kilopreis zwischen April und August um 60 Prozent, in Frankreich um über 10 Prozent. In Österreich legte der Preis um 50 Prozent zu. Dort ist Butter teils teurer als in der Schweiz. «Im Ausland gibt es eine Preisanpassung, hier aber nicht», so Rufer. Das sei «schon sehr fragwürdig».

Branchenorganisation relativiert

Weniger prekär sieht die aktuelle Butter-Situation Peter Ryser, Geschäftsführer der Branchenorganisation Butter. Zwar bestätigt er, dass die Mengen derzeit knapp seien. Für ihn ist der Grund dafür aber klar: «In den Vorjahren gab es einfach zu grosse Lagerbestände.» Eine zu hohe Produktion habe für Überschuss gesorgt, so Ryser.

Trotz Knappheit werde es laut Ryser aber keinen Butter-Notstand geben. «Die Buttererzeuger kurbeln bereits jetzt ihre Produktion an.» In den Berechnungen der Branchenorganisation sei auch die steigende Nachfrage in der Weihnachtszeit berücksichtigt. «Daher wird es auch im Dezember genügend Butter geben.» Und falls nicht, könne man Butter auch importieren. Das wäre allerdings nicht im Interesse der Branche.

Coop schlägt bei Butter auf

Ryser verweist zudem auf die kleinen Preisaufschläge im Oktober, die die Situation verbessern würden. Die Branchenorganisation BO Milch hat für die Produzenten, Verarbeiter und Detailhändler den Richtpreis für Milch um 3 Rappen pro Kilogramm erhöht.

Das spürt auch der Konsument. Beim Detailhändler Coop stieg der Preis für Kochbutter von 2.95 auf 3.10 Franken. «Angesichts der Marktlage sind die Butterpreise im Oktober gestiegen», teilt Coop auf Anfrage mit.

Migros passt Preise bald an

Die Migros sagte zu 20 Minuten, dass sie die Butterpreise in den nächsten Tagen anpassen werde. Wie Coop sieht der Detailhändler keinen Notstand. «Bei einer konsequenten Weitergabe der jüngsten Preiserhöhungen an die Milchproduzenten gehen wir von steigenden Milchmengen aus, was die knappe Versorgungssituation bei der Butter entspannen wird.»

Auch Patrick Dümmler, Agrar-Experte bei Avenir Suisse, beschwichtigt: «Es gab auch schon andere Jahre, in denen die Butter knapp war.» Damit es künftig weniger zu einer Knappheit kommt, nimmt er die Politik in die Pflicht und kritisiert die hohen Einfuhrzölle auf Butter. Diese würden verhindern, dass allfällige Engpässe durch Importe ausgeglichen werden könnten.

«Es braucht vor allem eine offene Agrarpolitik»

Für Dümmler ist daher klar: «Es braucht vor allem eine Wende in der Agrarpolitik.» Von einer Marktöffnung würden auch die Schweizer Konsumenten profitieren. «Sie hätten viel mehr Auswahl, was Produkte, Preise und Qualität betrifft.»

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