Aktualisiert 18.09.2018 17:35

ThorbergZu wenig Führung in Berner Strafanstalt

Das bernische Amt für Justizvollzug nimmt seine Führungsaufgabe bei der Strafanstalt Thorberg nur ungenügend wahr: Zu diesem Schluss kommt die Finanzkontrolle.

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Die Reorganisation der Strafanstalt hatte zuletzt viel Staub aufgewirbelt.

Die Reorganisation der Strafanstalt hatte zuletzt viel Staub aufgewirbelt.

Keystone/Anthony Anex
Der Staatspersonalverband wies im Frühsommer darauf hin, dass es beim Thorberg-Personal viele Kündigungen und Krankschreibungen gebe – mit hohen Kostenfolgen.

Der Staatspersonalverband wies im Frühsommer darauf hin, dass es beim Thorberg-Personal viele Kündigungen und Krankschreibungen gebe – mit hohen Kostenfolgen.

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Das rief im Juni die Finanzkommission des Grossen Rates auf den Plan. Sie bestellte bei der Finanzkontrolle einen Sonderprüfungsbericht, der nun vorliegt.

Das rief im Juni die Finanzkommission des Grossen Rates auf den Plan. Sie bestellte bei der Finanzkontrolle einen Sonderprüfungsbericht, der nun vorliegt.

Keystone/Marcel Bieri

Der Kanton Bern soll der Führung der Strafanstalt Thorberg besser auf die Finger schauen: Das empfiehlt die Finanzkontrolle, die sich im Rahmen einer Sonderprüfung mit Berichten über Personalprobleme auf dem Thorberg befasst hat.

Die Reorganisation der Strafanstalt hatte zuletzt viel Staub aufgewirbelt. Der Staatspersonalverband wies im Frühsommer darauf hin, dass es beim Thorberg-Personal viele Kündigungen und Krankschreibungen gebe – mit hohen Kostenfolgen.

Negative Auswirkungen auf Arbeitsklima

Die Finanzkommission des Grossen Rates gab darauf die Sonderprüfung in Auftrag. Über die Ergebnisse berichtete sie am Dienstag, ohne den Bericht selber zu veröffentlichen.

Die Finanzkontrolle hält die finanziellen Auswirkungen der Personalprobleme offenbar für nicht gravierend. Die personalrechtlichen Vorgaben würden insgesamt eingehalten.

Handlungsbedarf gebe es vor allem in Bern: Die Aufsicht des Thorberg durch das Amt für Justizvollzug (AJV) sei ungenügend. Ausserdem seien Prozesse nicht standardisiert. Diese Schwachstellen könnten sich negativ auf Betriebsklima, Vertrauen und Glaubwürdigkeit auswirken.

18 Empfehlungen

Die Finanzkontrolle macht insgesamt 18 Empfehlungen für Verbesserungen. Viele davon zielen darauf ab, die Position des Amts gegenüber dem Thorberg und auch gegenüber den anderen bernischen Justizvollzugsanstalten Hindelbank, St. Johannsen und Witzwil zu stärken.

Die Polizei- und Militärdirektion (POM) weist in ihrer Stellungnahme darauf hin, dass Regierungsrat Philippe Müller (FDP) bereits im Juli Massnahmen zur Überprüfung der Organisationsstruktur auf dem Thorberg eingeleitet habe. Die Finanzkontrolle bezeichne diese als «zielführend».

Unregelmässigkeiten habe die Sonderprüfung nicht zu Tage gefördert, stellt die Polizeidirektion fest. Die Auswirkungen der Reorganisation auf die Personalzufriedenheit sei zwar unerfreulich, gehöre aber zu den Nebeneffekten vieler Umstrukturierungen. Der Betrieb habe trotzdem jederzeit sichergestellt werden können.

Auf die Vorschläge der Finanzkontrolle reagiert die Polizeidirektion positiv. Die Empfehlungen zur Verbesserung der Betriebskultur und zur Führungsrolle des Amts für Justizvollzug würden umgesetzt.

Personelle Verflechtung

Inwiefern die Finanzkontrolle einen Zusammenhang zwischen der ungenügenden Führung des Thorberg durch das zuständige Amt und einer bekannten personellen Verflechtung sieht, geht aus dem Communiqué nicht hervor. Die «Berner Zeitung» hatte im Juli darauf hingewiesen, dass der als interimistischer Amtsleiter eingesetzte Mann mit der stellvertretenden Thorberg-Direktorin liiert ist.

Die Finanzkommission schreibt, dass manche Personalentscheide «nicht vollständig nachvollziehbar» seien. Zwar seien intern gute und wirksame Vorkehrungen zur Vermeidung von Interessenkonflikten getroffen worden. Doch die Entscheide seien gegenüber der Öffentlichkeit schwierig zu begründen und der Vertrauensbildung wenig zuträglich.

Prozess geht weiter

Die Finanzkommission will den laufenden Change-Management-Prozess aufmerksam verfolgen, wie sie im Communiqué deutlich macht. SP-Grossrätin Béatrice Stucki, Vizepräsidentin der Finanzkommission, erhofft sich eine professionelle Abwicklung des Prozesses, sagte sie auf Anfrage.

Einstweilen offen bleibt, was das Thorberg-Personal über seine eigene Situation denkt. Die Resultate einer breit angelegten Mitarbeiterbefragung sind der Kommission «zum heutigen Zeitpunkt nicht bekannt».

(sda)

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