Bevölkerungsbefragung – Zu wenig Parkplätze und Velowege – so beurteilen Zürcher ihre Stadt
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BevölkerungsbefragungZu wenig Parkplätze und Velowege – so beurteilen Zürcher ihre Stadt

Vier von fünf Zürcherinnen und Zürchern sind der Ansicht, dass sich die Stadt in eine gute Richtung entwickelt. Vor allem die Lebensqualität wird als hoch bis sehr hoch bewertet.

von
Lynn Sachs
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Seit 1999 führt die Stadt Zürich die Bevölkerungsbefragung durch. Wie in früheren Jahren wird die Lebensqualität mehrheitlich als hoch bis sehr hoch bewertet.

Seit 1999 führt die Stadt Zürich die Bevölkerungsbefragung durch. Wie in früheren Jahren wird die Lebensqualität mehrheitlich als hoch bis sehr hoch bewertet.

20min/Marco Zangger
«Es freut mich sehr, dass die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung gerne in der Stadt lebt und mit der Lebensqualität zufrieden ist», sagte Stadtpräsidentin Corine Mauch am Montag vor den Medien.

«Es freut mich sehr, dass die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung gerne in der Stadt lebt und mit der Lebensqualität zufrieden ist», sagte Stadtpräsidentin Corine Mauch am Montag vor den Medien.

20min/Marco Zangger
Anders sieht es bei den Tempo-30-Zonen. Nur rund 19 Prozent sind sehr zufrieden mit den Tempo-30-Zonen.

Anders sieht es bei den Tempo-30-Zonen. Nur rund 19 Prozent sind sehr zufrieden mit den Tempo-30-Zonen.

20min/Karina Romer

Darum gehts

  • Die Bevölkerungsbefragung 2021 zeigt: Die Stadt Zürich wird als Ort zum Wohnen und Leben sehr positiv beurteilt.

  • Seit 1999 führt die Stadt Zürich die Bevölkerungsbefragung durch.

Die diesjährigen Resultate sind unter speziellen Bedingungen zustande gekommen: Im Erhebungszeitraum waren diverse Massnahmen zur Eindämmung des Coronavirus in Kraft. Dennoch fallen die Ergebnisse aus Sicht der Stadt Zürich grösstenteils positiv aus. «Es freut mich sehr, dass auch in dieser schwierigen Pandemiezeit die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung gerne in der Stadt Zürich lebt und auch mit der Lebensqualität zufrieden ist», sagte Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP) am Montag vor den Medien. Das sei in der jetzigen Situation nicht zwingend so zu erwarten gewesen und auch nicht selbstverständlich.

Die Ergebnisse der 11. Bevölkerungsbefragung beruhen auf den Antworten von 5382 Personen. Neben dem gleichbleibenden Teil des Fragebogens standen dieses Jahr die Themen Stadtentwicklung und Verkehr im Fokus der Befragung. Die Resultate zeigen: 80 Prozent der Zürcherinnen und Zürcher sind der Ansicht, dass sich die Stadt in eine positive Richtung entwickelt.

Seit 1999 führt die Stadt Zürich die Bevölkerungsbefragung durch. Die nächste findet 2023 statt. «Die direkte Rückmeldung der Stadtbevölkerung ist uns sehr wichtig», sagte Mauch am Montag. «Sie liefert eine Art Stimmungsbarometer. Die Befragung zeigt uns, wo wir gut unterwegs sind und wo wir uns noch verbessern müssen.»

Sicherheitsgefühl je nach Altersgruppe unterschiedlich

Das subjektive Sicherheitsgefühl ist stabil hoch geblieben. 86 Prozent der Stadtzürcherinnen und Stadtzürcher fühlen sich sicher, wenn sie nachts in ihrem Quartier alleine zu Fuss unterwegs sind. Bei den 18- bis 29-Jährigen ist der Anteil derjenigen, die sich sehr sicher fühlen, allein nachts unterwegs zu sein, allerdings von 54 Prozent auf 45 Prozent gesunken. Es zeigt sich auch ein deutlicher Unterschied zwischen Männern und Frauen, und dies in jeder Altersgruppe: 51 Prozent der Männer fühlen sich sehr sicher, aber nur 29 Prozent der Frauen.

Dies korreliert mit der dieses Jahr zum zweiten Mal gestellten Frage nach Belästigung ausserhalb der eigenen vier Wände, tagsüber oder nachts: 34 Prozent der jungen Frauen zwischen 18 und 29 Jahren geben an, in den vergangenen zwölf Monaten belästigt worden zu sein, knapp die Hälfte davon mehrfach – vor allem auf der Strasse. Als zweithäufigster «Tatort» folgt der Bahnhof, danach folgen Bars, Clubs und Restaurants sowie Tram und Bus. Auch die Männer derselben Altersgruppe fühlen sich vergleichsweise häufig belästigt: Zehn Prozent geben an, im vergangenen Jahr auf der Strasse angegangen worden zu sein.

«Um dieses Problem anzugehen, haben wir bereits Massnahmen ergriffen», sagte Mauch. Für das Projekt «Zürich schaut hin» habe man ein Meldetool eingerichtet, wo Personen niederschwellig und anonym eigene Erfahrungen und Situationen, die sie beobachtet haben, melden können. Wer Informationen oder Beratung wünscht, wird auf entsprechende Angebote hingewiesen und kann sich direkt mit Beratungsstellen in Verbindung setzen.

Zufriedenheit mit öffentlichem Verkehr hoch

Die Zufriedenheit mit dem öffentlichen Verkehr ist unverändert hoch. 60 Prozent sind sehr zufrieden und vergeben die Note 6. Anders sieht es bei den Tempo-30-Zonen, beim städtischen Wohnungsangebot und den Parkplätzen aus: Nur rund 19 Prozent sind sehr zufrieden mit den Tempo-30-Zonen, 11 Prozent mit dem Parkplatzangebot in der Innenstadt und gerade mal 4 Prozent mit dem Wohnungsangebot. 70 Prozent dagegen bewerten das Wohnungsangebot kritisch. Beim Parkplatzangebot sind drei von fünf Zürcherinnen und Zürchern unzufrieden. Und 38 Prozent zeigen sich unzufrieden mit den Tempo-­30-Zonen.

Nur 31 Prozent der Autofahrenden sind mit der Verkehrsinfrastruktur zufrieden, bei den Velofahrenden sind es gerade mal 23 Prozent. 72 Prozent der Autofahrenden kommen wegen Verkehrsbehinderungen zu langsam vorwärts, rund 80 Prozent der Velofahrenden vermissen ausreichende Velowege und Velostreifen, fast zwei Drittel von ihnen fühlen sich im Strassenverkehr oft unsicher.

«Mit der klaren Zustimmung zu den Richtplänen im November werden wir bei der Problematik Veloverkehr einen grossen Schritt vorwärts machen können», sagte Mauch am Montag. Zu den fehlenden Parkplätzen meinte sie: «Wer mit dem Auto in der Innenstadt unterwegs ist, weiss, dass man oft lange einen Parkplatz suchen muss. Wir wissen aber auch, dass es beispielsweise in Parkhäusern durchaus möglich ist, einen Parkplatz zu finden.» Für die Zukunft schlägt Mauch vor: Informationen in einem Online-Tool bereitstellen, wo es freie Parkplätze gibt.

Am sichersten scheint man als Fussgängerin oder Fussgänger unterwegs zu sein: Mit 94 Prozent fühlen sich fast alle befragten Einwohnerinnen und Einwohner insgesamt wohl und komfortabel, wenn sie in der Stadt Zürich zu Fuss unterwegs sind. Mit 88 Prozent gibt die grosse Mehrheit an, die Strassen gut und sicher überqueren zu können.

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