Dutzende Säuglinge müssen zurück in die Ukraine

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Ukraine-Konflikt«Zu wenig Personal» – Säuglinge werden im Bus zurück in die Ukraine gebracht

Zu Beginn des Krieges wurden Dutzende Säuglinge von einem ukrainischen Kinderheim nach Deutschland gebracht. Nun wurden einige von ihnen zurück in ihr Heimatland gebracht.  

von
Reto Bollmann
Justin Arber
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Zu Beginn des Krieges wurden mehr als 60 Säuglinge von ihren Betreuerinnen nach Deutschland gebracht. (Symbolbild)

Zu Beginn des Krieges wurden mehr als 60 Säuglinge von ihren Betreuerinnen nach Deutschland gebracht. (Symbolbild)

IMAGO/Reichwein
54 Kinder wurden nun in ihr Heimatland zurückgebracht, neun Kinder gelten als reiseunfähig und wurden in ein anderes deutsches Kinderheim verlegt. (Symbolbild)

54 Kinder wurden nun in ihr Heimatland zurückgebracht, neun Kinder gelten als reiseunfähig und wurden in ein anderes deutsches Kinderheim verlegt. (Symbolbild)

IMAGO/Reichwein
Iryna Tybinka ist die ukrainische Generalkonsulin in Hamburg. Sie hat zwischen den deutschen und den ukrainischen Behörden vermittelt. 

Iryna Tybinka ist die ukrainische Generalkonsulin in Hamburg. Sie hat zwischen den deutschen und den ukrainischen Behörden vermittelt. 

IMAGO/penofoto

Darum gehts

Insgesamt mehr als 60 Kinder, viele darunter noch im Säuglingsalter, brachten die Betreuerinnen eines ukrainischen Kinderheims nach Deutschland, nachdem die russischen Einheiten im Februar einmarschiert sind. In Reisebussen waren sie Richtung Westen losgefahren, bis sie Ende März in Deutschland, genauer gesagt in Ratzeburg im Bundesland Schleswig-Holstein ankamen.

«Es war ein Bild, das man selten sieht in unserem Land: Dass man plötzlich 20 Säuglinge hat, die versorgt werden müssen», beschreibt die zuständige Sozialoberinspektorin, Kristin Meyer, die damalige Situation gegenüber dem «Spiegel». Die Kinder, viele darunter mit geistiger Behinderung, kamen in einem ehemaligen Seniorenheim unter.

Schwierig, pädagogisches Personal zu finden

Acht Monate nach der Flucht aus der Ukraine sind fast alle Kinder zurückgebracht worden. Neun davon, wurden in ein anderes Heim in Deutschland gebracht – denn sie wurden als reiseunfähig eingestuft. Doch in der Ukraine toben immer noch Kämpfe. Hinzu kommen die zerstörte Infrastruktur, es kommt immer wieder zu massiven Stromausfällen. Und es steht wohl ein kalter Winter bevor. Wieso also gerade jetzt?

Kristin Meyer sagt gegenüber dem «Spiegel», es sei sehr schwierig, pädagogisches Personal zu finden, das diese Art von Kindern dauerhaft betreuen kann. «In der Ukraine kamen auf ein Kind zwei bis drei Erwachsene», so Meyer. Diese Art der Betreuung habe man in Deutschland schlicht nicht zur Verfügung stellen können. «Unser Personal war ausgelaugt und überarbeitet – und die Rückkehr der Kinder war von Anfang an geplant.»

«Es wird dort für die Kinder besser sein»

Am Ort, wo die Kinder hingebracht wurden, bekomme man nicht viel vom Krieg mit: Am westlichsten Zipfel der Ukraine, nahe der Karpaten gebe es nämlich auch mehr Personal.  

Ein weiterer Grund sei, dass viele der Kinder ihre Eltern seit der Flucht nie mehr gesehen hätten. «Die Kinder kommen in das Heim, weil sich die Eltern nicht um sie kümmern können», sagt Meyer. Unter den Kindern seien aber auch Waisen. In der Zwischenzeit seien in der Ukraine für einige von ihnen Adoptiv- oder Pflegeeltern gefunden worden.

Die ukrainische Generalkonsulin in Hamburg habe zwischen den ukrainischen und den deutschen Behörden vermittelt. Besonders die Zerstörung des Energiesystems sei für beide Behörden besorgniserregend gewesen. «Uns wurde aber versichert, dass es dort, wohin die Kinder verlegt wurden, besser sein wird für sie», sagt die ukrainische Generalkonsulin in Hamburg.  

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