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Lieber Phil GeldZu wenig Ruhezeit – was soll ich tun?

Vanessa (25) befürchtet, dass ihre Chefin Schutzbestimmungen des Arbeitsgesetzes missachtet. Wie kann sie sich dagegen wehren?

Im Durchschnitt von zwei Wochen muss der Arbeitgeber eine tägliche Ruhezeit von elf Stunden gewähren.

Im Durchschnitt von zwei Wochen muss der Arbeitgeber eine tägliche Ruhezeit von elf Stunden gewähren.

Lieber Phil Geld

Ich arbeite in der Pflegebranche. Wenn ich mich nicht täusche, hätte ich Anspruch auf eine tägliche Ruhezeit von elf Stunden. Ich komme allerdings nie auf diese elf Stunden. Ich habe meine Chefin darauf aufmerksam gemacht, worauf sie meinte, wenn es mir nicht passe, solle ich mir eine neue Arbeitsstelle suchen. Was kann ich tun?

Liebe Vanessa

Gemäss Art. 15a Abs. 1 Arbeitsgesetz (ArG) ist allen Arbeitnehmenden eine tägliche Ruhezeit von mindestens elf aufeinanderfolgenden Stunden zu gewähren. Die Ruhezeit kann allerdings für Erwachsene einmal in der Woche auch nur acht Stunden dauern. Wichtig ist dann, die Ruhezeit von elf Stunden im Durchschnitt von zwei Wochen einzuhalten (Art. 15a Abs. 2 ArG).

Für Spitäler, Kliniken und Heime gelten teilweise Sonderregelungen. Um die Sicherheit und Gesundheit der Patientinnen und Patienten zu gewährleisten, müssen diese Institutionen rund um die Uhr betrieben werden. Das ArG trägt dieser Tatsache Rechnung und hat in der Verordnung 2 zum ArG Sonderbestimmungen erlassen (Art. 15 ArGV 2).

So darf beispielsweise die tägliche Ruhezeit für erwachsene Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auch mehrmals nur neun Stunden betragen. Vorausgesetzt, die Ruhezeit beträgt im Durchschnitt von zwei Wochen zwölf Stunden (Art. 9 ArGV 2). Wird also beispielsweise die tägliche Ruhezeit für einen Arbeitnehmenden in zwei Wochen einmal auf neun Stunden reduziert, muss die tägliche Ruhezeit zur Kompensation an den restlichen 13 Tagen etwas mehr als zwölf Stunden betragen.

Praktiziert dein Arbeitgeber tatsächlich missbräuchliche Arbeitsbedingungen, sollte das zuständige Arbeitsinspektorat informiert werden. In jedem Kanton gibt es Arbeitsinspektorate, welche die Umsetzung der Schutzbestimmungen des ArG überwachen. Diese sind verpflichtet, Hinweisen wie deinen nachzugehen. Auch kannst du mit dem Verband des Personals öffentlicher Dienste (VPOD) Kontakt aufnehmen. Dieser setzt sich für faire Arbeitsbedingungen im Gesundheitswesen ein.

Freundlich grüsst

Phil Geld

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