Zucchero lässt Idole aufleben
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Zucchero lässt Idole aufleben

«Geschaffen und erdacht in 16 Jahren» heisst es im Booklet zu Zuccheros jüngstem Album. Weniger lange brauchte Zucchero um mit der Scheibe Erfolge zu feiern: Diese Woche Stieg «Zu & Co.»auf Platz 1 der CH-Hitparade ein.

Im Album, lässt der italienische Rockbarde die Geschichte seiner Musiker-Kollaborationen Revue passieren.

Und tatsächlich geht eine der Aufnahmen, der Opener «Dune Mosse» mit Miles Davis an der Trompete, auf das Jahr 1988 zurück, andere entstanden in den 90er Jahren oder noch später. Die Idee dazu sei ihm schon zu Beginn seiner Karriere gekommen, sagt der italienische Sänger im AP-Gespräch. «Ich wollte die Zusammenarbeit mit anderen Musikern sammeln und eines Tages, zum richtigen Zeitpunkt, ein Album daraus machen.»

Und im Lauf der Jahre kam dann eine beachtliche Auswahl an Titeln zusammen, die Adelmo «Zucchero» Fornaciari gemeinsam mit berühmten Kollegen aufnahm. So konnte er aus dem Vollen schöpfen: 18 Stücke fanden Eingang auf «Zu & Co.», entstanden in Zusammenarbeit mit so unterschiedlichen Künstlern wie Sting, Macy Gray, der mexikanischen Band Maná, Dolores O'Riordan von den Cranberries, Ronan Keating, Sheryl Crow, Brian May von Queen oder Luciano Pavarotti mit Andrea Bocelli.

Viele dieser Künstler habe er schon immer bewundert, sagt der 48-Jährige, und nennt neben Miles Davis insbesondere Eric Clapton, der auf «A Wonderful World» zu hören ist. Zwar waren die meisten der Titel bereits auf früheren Alben Zuccheros enthalten - letzterer etwa auf «Oro Incenso e Birra» aus dem Jahr 1989, die zum Hit gewordene Ballade «Senza Una Donna» mit Paul Young auf «Blue's» von 1987, oder «Diavolo In Me» mit Solomon Burke auf «Spirito DiVino» 1995. Zucchero legt aber grossen Wert darauf, dass es sich bei «Zu & Co.» nicht um eine simple Compilation handele, denn bis auf einen habe er alle Titel neu und zeitgemäss arrangiert.

«Sie sollten klingen wie vor einem Monat aufgenommen, nicht vor zehn Jahren», sagt der Mann aus der Emilia Romana, der mit einer für Italien untypischen Mischung aus Rock und Blues bekannt wurde. Sein Ziel sei gewesen, die Titel völlig zu überarbeiten, sie «wiedergeboren» wirken zu lassen.

Der einzige Track, den Zucchero völlig unverändert übernahm, war «I Lay Down» mit John Lee Hooker, aufgenommen in Mississippi im April 2001. Es war das letzte Lied, das die Blueslegende aufnahm - zwei Monate später starb Hooker im Alter von 80 Jahren. «Das war ein grosser Schock für mich», sagt Zucchero. «Er war trotz seines Alters noch so gut in Form.» Die Zeit im Studio mit Hooker sei eine der aufregendsten Erfahrungen seines Lebens gewesen, immerhin habe er mit einem der Väter des Delta-Mississippi-Blues zusammengearbeitet. Das habe für ihn eine tiefe Bedeutung gehabt - kaum verwunderlich, ist in Zuccheros Musik doch schon immer eine enge Beziehung zum amerikanischen Süden herauszuhören.

«Wie ein kleiner Film»

Verwunderlicher ist da schon die Zusammenarbeit mit dem Hannoveraner DJ und Produzenten Mousse T. oder der jungen amerikanischen Popsängerin Vanessa Carlton. Die Titel, die Zucchero mit den beiden aufnahm, stammen als einzige nicht aus seiner Feder. «Mousse T. hat diesen Song vorgelegt, und ich mochte ihn», sagt er über «Mama Get Real». «Mousse T. steht auch auf Blues, Soul, diesen altmodischen Sound, und viel Rhythmus. Ich dachte, es wäre perfekt, diesen Track zusammen zu machen.»

Und zur Singleauskopplung «Everybody's Got To Learn Something» sagt Zucchero, diesen Song der englischen Band Corgis habe er schon immer gemocht. «Es klang wie ein Lied von mir. Ich wünschte, ich hätte es geschrieben.» Vanessa Carlton sei die Richtige dafür gewesen, da sie eine talentierte Pianospielerin sei und ihr Stil modern klinge. «Ich bin sehr glücklich über die Version, die herausgekommen ist. Es ist schön, wenn man schliesslich das Gefühl hat, es ist dein eigener Song.»

Das Album mit einer beachtlichen Spielzeit von gut 77 Minuten klingt mit dem klassisch anmutenden «Miserere» aus. Zu seinen eigenen Favoriten auf dem Album zählt Zucchero die Aufnahmen mit Miles Davis, Macy Gray oder B.B. King, «obwohl das natürlich nicht einfach zu entscheiden ist». Und so, wie es in vielen Liedern Zuccheros um persönliche Erinnerungen oder die eigene Kindheit geht, kommt für ihn auf seinem jüngsten Album noch eine weitere Dimension hinzu: Mit jedem Titel verbindet er die besondere Atmosphäre im Studio, die verschiedenen Städte, ihre Gerüche und Farben. «Das ist wie ein kleiner Film.» (dapd)

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