«Burning Man»: Zuckerberg und Co. mit Hummer am Hippie-Fest
Aktualisiert

«Burning Man»Zuckerberg und Co. mit Hummer am Hippie-Fest

Das Hippie-Festival Burning Man im US-Staat Nevada lockt auch die Internet-Milliardäre an. Sie lassen es so richtig krachen - nicht ganz stilecht allerdings.

von
cls

Die Internet-Milliardäre aus dem Silicon Valley geben sich gerne bescheiden. Am berühmten Hippie-Festival «Burning Man» In der Black-Rock-Wüste in Nevada ist aber Schluss mit nobler Zurückhaltung.

Die «New York Times» berichtet, dass die Milliardäre aus der Techwelt das Festival kapern würden. Google-Gründer Larry Page und Tesla-CEO Elon Musk würden in Nevadas Black-Rock-Wüste pilgern, ebenso Amazon-Chef Jeff Bezos oder Facebook-Gründer Mark Zuckerberg. Und auch Mitarbeiter von Twitter, Zynga oder Uber sowie Risikokapitalgeber geben die Wüstenfüchse.

Der Chefkoch kommt mit

Um sich von Normalsterblichen abzuheben, reisen sie mit Helikoptern an und grenzen sich mit VIP-Zonen und mobilen Zäunen vom Rest der Welt ab. Wi-Fi, Elektrizität, Wasser und eigene Toiletten werden installiert. Träger schleppen die jeweils dringlich benötigten Dinge des täglichen Lebens. Weil es beim Festival auch kulinarisch eher spartanisch zugeht, sind eigene Köche dabei. Gegessen wird dann nicht ein profaner Burger oder knusprige Waffeln, sondern gegrillter Käse, veganes Schoggi-Mousse, glutenfreie Knabbereien, Sushi, Hummer und Steak Tartare - bei 43 Grad Celsius. Laut «New York Times» lassen die Superreichen an einem Wochenende schon mal zwei Millionen US-Dollar liegen.

Dekadenz ist nun eigentlich gerade das, was das Künstler-Kult-Festival nicht will. Die achttägige Open-Air-Party im Wüstensand hatte einst den Ruf weg als verlottertes und spartanisches Festival, bei dem auf weissem Sand mit weniger als gar nichts die Sonne angebetet wird. Zu kaufen gibt es ausser Blockeis und Getränken nicht viel, und auch auf umfangreiche Körperhygiene muss wegen des Wassermangels verzichtet werden. Überhaupt geht es darum, was man mitgebracht hat, keinesfalls als Müll zurückzulassen. Eines der obersten zehn Gebote am Burning Man lautet denn auch, keine Spuren zu hinterlassen. Minimal nüchterne Zustände und maximale Erinnerungslücken gehören natürlich auch dazu.

25'000 Dollar für ein Weekend

«Es war mal so, dass wir einfache Wohnmobile und vorgekochtes Essen hatten», zitiert die New York Times einen Beobachter. «Nun gibt es die weltweit verrücktesten Köche, wir haben Nomadenzelte mit Betten und Klimaanlage. Ja, Klimaanlage mitten in der Wüste.» Und während Besucher für die meisten Camps in der Wüste 300 Dollar zahlen müssen, kostet der Zutritt zu den Camps - oder eher Gelagen - für die jungen Reichen eben 25'000 Dollar.

Auch ein Schweizer Unternehmen wollte an der Gentrifizierung mitten in der Wüste partizipieren. Die Key Group aus Genf bot an, für den Aufenthalt die ganze Logistik abzuwickeln. Hin- und Rückflug mit einem Privatjet, ein Camp mit Strom, Wasser und natürlich drahtloser Internetverbindung, frisches Buffet, Köche, Fitnesstrainer, Masseur, 24-Stunden-Techniker, Autos, Partyorganisator und und und.

Das war dann doch dem einen oder anderen Festival-Besucher zu viel des Guten. Nach einem Shitstorm auf dem Blog des «Burning Man» zogen sie das Angebot zurück. Dass es die Silicon-Valley-Grössen aber tatächlich krachen lassen, bestätigte Elon Musk. Als in diesem Jahr die HBO-Serie «Silicon Valley» Premiere hatte, beklagte Musk sich über den Macher Mike Judge. Dieser hätte die Techwelt nicht ganz verstanden. «Ich habe wirklich das Gefühl, dass Mike Judge niemals bei Burning Man, also quasi niemals im Silicon Valley war.» Dort gehe es nämlich so zu: Man müsse sich die verrücktesten Partys in Hollywood vorstellen und mit 1000 multiplizieren.

Angefangen hatte es 1986 mit einem kleinen Lagerfeuer am Strand von San Francisco. Damals verbrannte Larry Harvey mit einer Handvoll Freunden zur Sommersonnenwende eine Holzfigur, aus Liebeskummer, so die Legende. 1990 zog das Happening in die Black Rock-Wüste von Nevada um. Für eine Woche wird eine Zeltstadt für geschätzte 70'000 «Burner»-Besuchern aus dem Boden gestampft. Die Eintrittskarte für 380 Dollar (rund 280 Euro) muss man sich vorab besorgen.

Deine Meinung