Zuckerbrot statt Peitsche: Führung heisst Kooperation
Aktualisiert

Zuckerbrot statt Peitsche: Führung heisst Kooperation

Führung heute heisst, auf Peitschenknaller zu verzichten. Gefragt sind Persönlichkeiten, welche Raum für Selbstständigkeit lassen.

von
Gabriel Aeschbacher

Software-Entwickler Adrian H. (35) staunte nicht schlecht, als er neulich das Vorstellungsgespräch verlassen hatte. Zu hören und zu fühlen bekam er vor allem Arroganz und die Tatsache, dass er eigentlich gar nichts könne. Sein damaliger Gesprächspartner hat ihn dann aber doch eingestellt, was Adrian H. noch heute erstaunt. Mit dem Jahreswechsel kam ein neuer Vorgesetzter – und mit ihm eine neue Führungskultur. Teamleiterin Nadja S. (36) weiss um die Schwierigkeit eines menschlichen Führungsstils. In ihrer von einer typisch amerikanisch („Bonus nur, wenn der Umsatz stimmt") geprägten Unternehmung ist es schwierig, Soft-Skills einfliessen zu lassen, zumal die Budget-Ziele derart hoch angesetzt sind, dass diese kaum erreichbar sind.

Couragiert hat Nadja S. sodann bei ihrem direkten Vorgesetzten vorgesprochen. Mit Erfolg, denn nun stehen Lohn und Leistung in einem angemesseneren Verhältnis. „Tolle Leistungen lassen sich nur dann realisieren, wenn Ziele realistisch definiert sind", sagt die Zahlenakrobatin. Dies hätte sie der Chefetage zuerst klar machen müssen. „Nun sind wir ein Team, das nicht nur am gleichen Strick zieht, sondern auch eines, das zusätzlich belohnt wird, wenn der Einsatz überdurchschnittlich ist".

Auch Steve O. (36) unterstreicht die Wichtigkeit des Teamgedankens. „Nur gemeinsam können wir anvisierte Ziele erreichen. Diese Sprache muss auch ein Chef verstehen. Einer der poltert, ist heute fehl am Platz", sagt der Rohstoffhändler unmissverständlich.

Infobox von Monika Radecki für leistungsorientiertes und motivierendes Führen

Must

- Trotz Umsatzorientierung: Zwischen Sach- und Beziehungsebene unterscheiden

- Gute Beziehung entwickeln, die Konfliktgespräche und harte Faktensprache aushält

- Besprechungskultur schaffen: Klare Strukturen, klare Rollendefinitionen

- Kooperativ Führen: Führungskraft und Mitarbeitender verhandeln gemeinsam verbindliche und prüfbare Kriterien für Erfolg und Entwicklung

- Souverän führen: Grenzen aufzeigen, aber auch Leistung und Selbstständigkeit anerkennen

Don't

- Verhalten fordern, das Sie als Führungskraft selbst nicht vorleben

- Einen gemeinsam festgelegten Zielerreichungskatalog ohne erneute Verhandlung ändern

- „Von oben" einem Mitarbeitenden Kriterien vorschreiben, worin Leistung und Entwicklung bestehen, sondern diese gemeinsam erarbeiten

- Handlungs- und Ergebnisziele an Zielen der Abteilung oder des Unternehmens orientieren, sondern – soweit möglich - Möglichkeiten und Grenzen des Einzelnen einbeziehen

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