Aktualisiert 20.06.2008 14:23

LötschbergZüge stören ihre eigene Stromversorgung

Eine Hochspannungsleitung durch den Lötschbergbasistunnel sollte das SBB-Stromnetz stabilisieren. Der Schuss ging nach hinten los: Die Leitung ist praktisch nie in Betrieb und wenn, dann wirkt sie sogar destabilisierend. Es drohen Mehrkosten in Millionenhöhe.

Die Schweiz ist Europameister im Zugfahren. Nie verkehrten mehr Züge auf dem Schweizer Schienennetz. Neben Kapazitätsproblemen verursacht der Boom der Bahn auch einen erhöhten Stromverbrauch, welcher insbesondere durch neue Hochgeschwindigkeitsabschnitte verursacht wird. Seit dem grossen Blackout im Jahr 2005 versuchen die SBB, ihr Stromnetz mit Ausbauten in eine Ringschlussleitung weniger störungsanfällig zu machen.

Leitung destabilisiert Stromnetz

Eine neue, 40 Kilometer lange und 13 Millionen Franken teure Hochspannungsleitung durch den Lötschbergbasistunnel sollte die Versorgungssicherheit zwischen dem Bernbiet, Wallis und Genfersee verbessern. Doch das Gegenteil ist nun der Fall: Die Leitung ist nur selten in Betrieb – und wenn - destabilisiert sie sogar das SBB-Netz. Gestört wird die Leitung von den Lokomotiven, die darüber fahren.

Nun versucht die SBB zusammen mit dem Bundesamt für Verkehr, jene Lokomotiven, die stören, so mit Filtern anzupassen, dass diese Störungen ausbleiben. SBB-Sprecher Roland Binz bestätigte am Freitag einen Artikel der «Berner Zeitung» zu diesen Problemen. Für den Bau und Planung der Leitung war die BLS Alptransit AG verantwortlich.

Nur als Backup brauchbar

«Die Leitung kann tatsächlich zu Instabilitäten im Netz führen», bestätigt Rolanz Binz von den SBB auf Anfrage von 20 Minuten Online. Zwar sei die Leitung eigentlich betriebsbereit und funktioniere – die SBB wollten aber kein Risiko eingehen. Ganz umsonst ist die zusätzliche Stromzufuhr aber nicht: «Wir brauchen die Leitung bei Bedarf als Backup», erklärt Binz.

Bislang habe es noch nie derartige Probleme mit Hochspannungsleitungen gegeben. Ob eine solche Leitung auch im Gotthard-Basistunnel eingebaut werde, sei noch offen.

Saugkreise sollen helfen

«Es ist unbestritten, dass eine solche Leitung für den Dauereinsatz bestimmt ist», sagt Binz. Laut Walter von Adrian, ETH-Ingenieur und Bahnexperte, ist ein Team von Spezialisten seit über einem Jahr daran, mit aufwendigen Berechnungen eine Lösung für die Instabilität zu finden. Nach dessen Informationen planen die Verantwortlichen, im Wallis an mehreren Stellen so genannte Saugkreise ins Stromnetz einzubauen. Diese sollen die Netzstabilität garantieren, auch wenn die neue Leitung eingeschaltet ist. Der Experte geht davon aus, dass Mehrkosten in Millionenhöhe anfallen werden. Dies sagte er gegenüber der «Berner Zeitung».

(am)

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