Aktualisiert 08.02.2010 21:10

AtomstreitZündstoff aus Teheran

Der Iran wird innerhalb eines Jahres zehn neue Uran-Anreicherungsanlagen errichten. Dies löste Besorgnis aus. Die USA und Frankreich sprachen sich für verschärfte Sanktionen aus.

In einer am Dienstag in Wien veröffentlichten Mitteilung bestätigt die IAEA den Erhalt eines Briefes vom Iran. «IAEA- Generaldirektor Yukiya Amano nimmt diese Entscheidung mit Besorgnis zur Kenntnis, da sie laufende internationale Bemühungen um die Verfügbarkeit von nuklearem Brennstoff für den Teheraner Forschungsreaktor beeinflussen könnte», heisst es in der IAEA- Mitteilung.

Schon im Vorjahr hatte Teheran Bedarf für zehn Anlagen angemeldet, doch wurden bisher nur Standorte ausgewählt. Ebenfalls am Montag teilte der Iran der IAEA formell mit, ab Dienstag selbst sein Uran auf 20 Prozent anzureichern. Der IAEA sei ein entsprechender «offizieller Brief» übergeben worden, sagte Teherans Vertreter bei der IAEA, Ali Asghar Soltanieh, am Montag.

Einladung an die IAEA

Der Nachrichtenagentur Irna sagte er, Teheran habe darin die IAEA- Inspektoren in das Werk in Natans eingeladen, wo das Uran angereichert werden soll. So könnten «alle nuklearen Anlagen» des Iran unter die Kontrolle der Behörde gestellt werden.

Der Iran benötigt das angereicherte Uran angeblich für seinen Forschungsreaktor in Teheran. Der Westen verdächtigt den Iran jedoch, unter dem Vorwand eines zivilen Atomprogramms Nuklearwaffen zu entwickeln.

Die IAEA schlug dem Iran daher den Kompromiss vor, sein niedrig angereichertes Uran zur weiteren Anreicherung in einer einzigen Lieferung ins Ausland zu schicken. Teheran fordert aber, den Austausch parallel und in Etappen zu vollziehen.

Nicht länger warten können

Soltanieh sagte Irna, es seien mittlerweile «mehr als acht Monate» vergangen, seit der Iran bei der IAEA einen Bedarf an Brennstoff angemeldet habe. «Wir konnten einfach nicht länger warten, um für unsere Kranken zu sorgen», sagte er Irna.

Der Reaktor in Teheran soll radioaktive Stoffe für medizinische Zwecke produzieren. Am Sonntag hatte Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad angeordnet, das für den Reaktor benötigte Uran selbst anzureichern.

Gleichzeitig zeigte sich Teheran bereit, die Anreicherung zu stoppen, wenn der Westen auf die iranischen Bedingungen eingehe. Sollte Teheran parallel kleinere Mengen Uran austauschen dürfen, werde der Iran seine Anreicherung auf 20 Prozent stoppen, sagte der Chef der Atomenergiebehörde, Ali Akbar Salehi, laut der Nachrichtenagentur Mehr.

Sanktionen verlangt

Angesichts der jüngsten Eskalation werden die Forderungen nach Sanktionen immer lauter. Die USA und Frankreich kündigten an, sie wollten im UNO-Sicherheitsrat zusammen auf verschärfte Sanktionen gegen den Iran hinarbeiten.

Frankreich und die USA seien der Ansicht, dass die internationale Gemeinschaft keine andere Wahl habe, als im Weltsicherheitsrat an neuen Massnahmen zu arbeiten, sagte der französische Verteidigungsminister Hervé Morin nach einem Gespräch mit seinem amerikanischen Amtskollegen Robert Gates in Paris.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel forderte in Berlin, den Druck auf Teheran zu erhöhen. Israel fühlt sich von dem iranischen Atomprogramm existenziell bedroht. (sda)

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