Fidschi: Zürcher Anwältin half Superjacht Amadea zu verstecken
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FidschiZürcher Anwältin half Superjacht Amadea zu verstecken

Lange wurde darüber gerätselt, wem das millionenschwere Schiff im Hafen der Südseeinsel gehört. Wie Recherchen zeigen, sollen bei der Verschleierungsaktion der Jacht eines Putin-Vertrauten eine Schweizer Anwältin ihre Finger im Spiel gehabt haben.

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Seit Wochen haben US-Behörden die Superjacht Amadea festgesetzt.

Seit Wochen haben US-Behörden die Superjacht Amadea festgesetzt.

AFP
Diese soll dem Oligarchen und Putin-Vertrauten Kerimow gehören, der auf den westlichen Sanktionslisten zu finden ist.  

Diese soll dem Oligarchen und Putin-Vertrauten Kerimow gehören, der auf den westlichen Sanktionslisten zu finden ist.  

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Nun wird klar, wie Recherchen der «Tamedia-Zeitungen» zeigen, dass eine Zürcher Anwältin ihre Finger bei der Verschleierung des Besitztums der Jacht im Spiel hatte. 

Nun wird klar, wie Recherchen der «Tamedia-Zeitungen» zeigen, dass eine Zürcher Anwältin ihre Finger bei der Verschleierung des Besitztums der Jacht im Spiel hatte. 

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Darum gehts

Auf Fidschi wurde eine in Deutschland gebaute 300-Millionen-schwere Superjacht von den USA festgesetzt, sie soll nun an sie ausgeliefert werden. 106 Meter lang, Hubschrauberlandeplatz, Zehn-Meter-Pool, ein Aquarium für Hummer in der Kombüse, ein handbemaltes Pleyel-Klavier für Musikabende. Lange wurde darüber gerätselt, wem die Jacht überhaupt gehört. Die US-Behörden gehen davon aus, dass der russische Oligarch und Putin-Vertraute Suleiman Kerimow der Inhaber der Jacht ist. 

Wegen des Vorwurfs der Geldwäsche verhängten die USA schon 2018 Strafmassnahmen gegen den russischen Investor und Ex-Politiker mit Verbindungen zum Kreml, nach der russischen Invasion in die Ukraine kamen weitere Sanktionen von Kanada, Grossbritannien und der EU dazu. Das Magazin «Forbes» beziffert Kerimows Vermögen auf 14,5 Milliarden Dollar.

Über den Besitz der Jacht ist ein Streit entbrannt

Wie die «Tamedia-Zeitungen» schreiben, soll gemäss einer Stellungnahme des US-Justitzministeriums die Amadea ihr automatisches Informationssystem (AIS) kurz nach Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine abgestellt und Kurs auf Fidschi genommen haben. Da nun gerichtlich entschieden wurde, dass die Amadea in die USA gebracht wird, ist ein Streit über den Besitz der Jacht entbrannt. 

Tatsächlich ist es bei vielen Megajachten schwierig, den Eigentümer herauszufinden. Briefkastenfirmen und Stiftungen verschleiern oft die Identität der Eigentümer. Die Recherchen der «Tamedia-Zeitungen», zusammen mit dem internationalen Journalistenkollektiv OCCRP sowie Gerichtsunterlagen aus Fidschi, sollen die Besitzstruktur der Amadea aufzeigen – jedenfalls auf dem Papier, das den «Tamedia-Zeitungen» vorliegt. 

Zürcher Anwältin in das Versteckspiel der Amadea involviert

Als Besitzer der Jacht ist ein Trust in England eingetragen, der sie via zwei Briefkastenfirmen hält. Doch – betreut wurde dieser Trust bis vor kurzem durch eine Zürcher Anwältin, die keine Unbekannte sein soll. Jahrelang hätte sie Veranstaltungen zur Verwaltung von russischen Vermögen geleitet. In einem Schreiben soll sie offengelegt haben, dass ihre Firma Boltenko Trust AG die Verwalterin des Trusts und sie selbst Verwaltungsrätin der zwei Briefkastenfirmen sei, über welche die Amadea gehalten werde.

Zu diesem Zeitpunkt soll sie also über die Besitzverhältnisse der Jacht im Bild gewesen sein. Sie schreibe aber, dass Kerimow «nach ihrem besten Wissen» weder an den Firmen noch dem Trust beteiligt gewesen sei. Es sei ein anderer Russe: Namentlich Eduard Chudainatow. Dieser wird aktuell von den USA nicht sanktioniert. Die USA sind sich aber sicher, dass er eingesetzt wurde, «um die wahren Eigentümer von Megajachten zu verstecken» – wie die «Tamedia-Zeitungen» weiter zitieren.   

Auch bei der Scheherazade – der angeblichen Putin-Jacht, die in Italien im März festgesetzt wurde, wurde Chudainatow als Eigentümer genannt. Ein ehemaliges Besatzungsmitglied der «Scheherazade» sagte der «New York Times» aber, dass sie noch nie etwas von Herrn Chudainatow gehört hätten und dass «an Bord offen darüber gesprochen wurde, dass der wahre Eigentümer der Scheherazade Wladimir Putin sei».

Die US-Behörden sind sich zudem sicher, dass Chudainatow die liquiden Mittel für den Kauf von beiden Schiffen gar nicht zur Verfügung hätte. 

Hat die Zürcher Anwältin ihre Sorgfaltspflicht verletzt? 

In der Schweiz ist eine Verwalterin des Trusts und Direktorin der Briefkastenfirmen dazu verpflichtet, die Herkunft der Gelder abzuklären. Hat sie dies gemacht? Auf Anfrage der «Tamedia-Zeitungen» sagt sie, dass sie und ihre Firma die Mandate inzwischen niedergelegt hätten und dass die «historische» Tätigkeit vollständig im Einklang mit Schweizer und internationalen Gesetzen erfolgt sei – inklusive der Anti-Geldwäscherei-Vorschriften.

Die US-Ermittler sind sich aber sicher, dass Chudainatow nicht der Eigentümer der Amadea ist. Unterlagen, die vom FBI gefunden wurden, sollen dies aufzeigen. Zudem sollen auch hier ehemalige Crew-Mitglieder und Mitarbeiter von Jacht-Broker-Firmen diese Behauptung widerlegt haben. Familienmitglieder von Kerimow sollen in den ersten Monaten 2022 sogar auf der Amadea gelebt haben.

Dies wird aber so oder so nicht mehr lange eine Rolle spielen, da die EU Eduard Chudainatow ebenfalls auf die Sanktionsliste setzen wird. Die Schweiz und die USA könnten gemäss «Tamedia-Zeitungen» folgen. 

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(sys)

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