34 Monate Haft: Zürcher «Behinderten-Schreck» verurteilt
Aktualisiert

34 Monate HaftZürcher «Behinderten-Schreck» verurteilt

Er hat es auf die Schwächsten abgesehen: Ein Drogenkonsument beklaute einen Rollstuhlfahrer und eine gehbehinderte Frau - nun muss er für seine Taten 34 Monate hinter Gitter.

von
Attila Szenogrady

«Schämst du dich nicht, ausgerechnet einen Rollstuhlfahrer auszunehmen?», fragte der Polizeibeamte, als er im Mai 2011 den heute 22-jährigen Beschuldigten festnahm. Laut Anklage hatte der junge Ganove zwei Tage zuvor im Kreis 4 einen Rollstuhlfahrer zuerst angesprochen und danach ausgeraubt. Er hielt dem Opfer dabei ein Messer gegen den Hals und verlangte von ihm Geld. Worauf ihm der Geschädigte Bargeld für 140 Franken übergab.

Am Freitag beteuerte der gebürtige Brasilianer vor Gericht seine Unschuld. «Ich würde nie einen Behinderten überfallen», versicherte er. Er habe auch kein Messer eingesetzt. Der Rollstuhlfahrer habe ihn vielmehr gebeten, für ihn Kokain und eine Prostituierte zu organisieren. Danach habe er vom Geschädigten zuerst 40 Franken für die Drogen und dann 100 Franken für die Frau erhalten. Als er in der Nähe Polizisten erblickt habe, sei er aus Angst davon gerannt. Als er später zurückgekommen sei, habe er den Behinderten nicht mehr gefunden.

Über fünf Jahre Freiheitsentzug gefordert

Die Staatsanwaltschaft glaubte der Version des Rollstuhlfahrers und klagte neben Raub noch zahlreiche weitere Delikte ein. Diese zeichneten kein schmeichelhaftes Bild des ehemaligen Heimkindes. So hatte er im September 2011 auf der Bahnhofbrücke einer gehbehinderten Frau ihr Handy an sich genommen und mit der Beute das Weite gesucht. Im April 2012 stach er an der Langstrasse beinahe einen Passanten nieder, was die Staatsanwaltschaft als versuchte Körperverletzung würdigte und für den siebenfach vorbestraften Drogenkonsumenten eine hohe Freiheitsstrafe von fünf Jahren und vier Monaten forderte.

Der Verteidiger plädierte mit 30 Monaten teilbedingt auf eine erheblich mildere Strafe. Einerseits sah er den Raub mangels Beweisen als nicht erwiesen an. Andererseits verwies er darauf, dass sein Mandant bereits 300 Tage im Gefängnis verbüsst habe. Der Beschuldigte selber zeigte eine gewisse Reue und versprach, dass er nach der Haft eine Lehrstelle suchen werde. Weniger optimistisch stimmte hingegen seine Aussage, er wolle sich künftig als Thai-Boxer betätigen.

34 Monate Knast

Das Gericht schlug zum Schluss den Mittelweg ein. So kam es beim Raub zu einem Freispruch. So seien die Aussagen des Rollstuhlfahrers in der Untersuchung zu widersprüchlich ausgefallen, befand das Gericht. Bei den anderen Vorwürfen kamen die Richter dagegen zu Schuldsprüchen. So bei der versuchten Körperverletzung, Diebstahl und Drohung. Aufgrund des massiv getrübten Vorlebens des Stadtzürchers setzten sie eine unbedingte Freiheitsstrafe von 34 Monaten fest. Ohne Bewährungsstrafe. Die finanziellen Forderungen des Rollstuhlfahrers von rund 55 000 Franken wurden auf den Weg eines Zivilprozesses verwiesen.

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